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Analyse: Streit um den Königpalast
Heute geht es um die Zukunft der Pinguine

Krefeld. Heute um 20 Uhr startet die entscheidende Sitzung des Aufsichtsrat der Seidenweberhaus GmbH. Wichtigstes Thema auf der Tagesordnung ist der neue Mietvertrag der Krefeld Pinguine GmbH für den Königpalast. Erwartet wird eine Nachtsitzung. Von Oliver Schaulandt

Worum geht es in dem Streit?

Der Mietvertrag der Krefeld Pinguine GmbH mit der Seidenweberhaus GmbH als Betreiber des Königpalastes besteht seit zehn Jahren, also seit der Eröffnung des rund 25 Millionen teuren Baus der Arena, wurde schon mehrfach verändert und gilt gegenüber den heutigen Gegebenheiten als veraltet. Er läuft zum 30. Juni 2015 aus. Verhandlungspartner beim ursprünglichen Vertrag aus dem Jahr 2004 waren die Seidenweberhaus GmbH auf der einen und der damalige Generalbevollmächtigte der Pinguine, Wilfrid Fabel.

Was ist das Ziel?

Beide Seiten wünschen sich eine Verlängerung des Kontraktes zu verträglichen Konditionen. Beide stehen in wechselseitiger Abhängigkeit. Die Seidenweberhaus GmbH braucht die Pinguine als Hauptmieter des defizitär arbeitenden Königpalastes als Haupteinnahmequelle, die Pinguine die Arena als attraktive Spielstätte mit entsprechenden Vermarktungsmöglichkeiten.

Wo liegen die Probleme?

Das Klima zwischen beiden GmbHs ist angespannt, weil die Pinguine einst gestundete Mietforderungen von rund 260.000 Euro nicht bezahlen wollten und stattdessen Forderungen in Höhe von rund 300.000 Euro geltend machten. Ein weiteres, schwerwiegenderes Probleme ist die wirtschaftliche Lage der Stadt Krefeld, die sich im Nothaushalt befindet, so dass jede Ausgabe (oder Nicht-Einnahme) auf dem Prüfstand steht.

Das Dilemma der Politik beschreibt Barbara Behr (Grüne), Vorsitzende des Aufsichtsrates der Seidenweberhaus GmbH, im RP-Interview so: "Wir als Politik sind in einer Doppelrolle. Wir wissen natürlich um die Bedeutung der Pinguine für unsere Stadt. Aber Krefeld befindet sich im Nothaushalt. Wir müssen also die Liquidität der Stadttochter Seidenweberhaus GmbH schützen. Aber natürlich hat die Politik auch ein Interesse daran, dass das sportliche Aushängeschild dieser Stadt weiter existiert."

Wer verhandelt den Vertrag?

Betreiber des Königpalastes ist die Seidenweberhaus GmbH, die eine 100-prozentige Tochter der Stadt ist. Ihrem Aufsichtsrat gehören laut Ratsbeschluss 16 Mitglieder an, darunter Vertreter aus der Politik: neben Behr unter anderem CDU-Fraktionsvorsitzender Philibert Reuters, Benedikt Winzen (stellvertretender Vorsitzender der SPD Krefeld), Paul Keusch als Geschäftsführer der Seidenweberhaus GmbH sowie Stadtkämmerer Ulrich Cyprian.

Was fordern die Pinguine?

Die Pinguine wollen einen neuen Vertrag, in dem ihnen mehr Rechte und Mitbestimmung vor allem bei der Vermarktung des Königpalastes zustehen, um mehr Einnahmen zu generieren. Dazu zählen vor allem die Vermarktung der Logen und Business-Plätze.

Was bieten die Pinguine?

Die Pinguine wollen statt der bisher 230.000 Euro Miete pro Jahr für Halle, Geschäfts-und Kassenräume im ersten Jahr des neuen Vertrages 330.000 Euro zahlen und dafür fast alle Logen und die 200 Business-Sitze selber vermarkten. DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke dazu: "Auf Basis der Rechte, die die Pinguine mit ihrem neuen Vertrag erwerben möchten, und dem Potenzial des Standortes ist das Angebot der Pinguine nicht nur angemessen, sondern schon an der Schmerzgrenze für den Club."

Was fordert der Vermieter?

Offiziell bestätigte Zahlen gibt es nicht. Laut Wilfrid Fabel fordert der Aufsichtsrat 450.000 Euro pro Jahr. Nach RP-Informationen setzen sich die genannten Zahlen wohl aus 330.000 Euro Miete sowie Anteilen von jeweils 60.000 Euro am Ticketing und Werbeeinnahmen in der Halle zusammen. Philibert Reuters hat dem allerdings widersprochen, ohne selbst Zahlen zu nennen.

Wer hat die stärkere Verhandlungsposition?

Grundsätzlich erst einmal der Aufsichtsrat der Seidenweberhaus GmbH: Er kann entscheiden, ob die GmbH auf die Pinguine als Hauptnutzer verzichten kann. In der Öffentlichkeit hingegen haben die Pinguine die besseren Karten. Eine Fanpetition für den Erhalt des DEL-Standortes Krefeld erbrachte über 7000 Unterschriften. Ehrenspielführer Uwe Fabig will sie heute vor der Aufsichtsratsitzung überreichen. Die Fans haben zudem zu einer Mahnwache aufgerufen, sich am Donnerstag vor der Ratssitzung einzufinden und zu singen.

Zu vermuten ist, dass der Eishockey-Verein diesen öffentlichen Druck bei den Verhandlungen als Pfund einsetzt, um den Preis zu drücken. Kritiker weisen hinter vorgehaltener Hand auf den gut vier Millionen Euro schweren Jahresetat bei den Pinguinen hin. Allerdings sagen Kenner der Branche: Dies ist ein Betrag, der im deutschen Eishockeysport an der unteren Grenze der Liga liegt.

Im Jahr des Oberbürgermeisterwahlkampfes will niemand, erst recht keine Partei, geschweige denn deren jeweiliger Oberbürgermeisterkandidat, mit dem drohenden Untergang der Pinguine in Verbindung gebracht werden

Bis wann muss der neue Vertrag stehen?

Die Zeit, eine Einigung zu erzielen, wird immer knapper. Bis zum 15. Februar müssen die Pinguine bei der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) eine Absichtserklärung zur Teilnahme am Spielbetrieb an der DEL für die Saison 2015/16 abgeben und eine Kaution in Form einer Bankbürgschaft von 100.000 Euro hinterlegen. Das geht seitens der Pinguine-Gesellschafter nur, wenn die Pinguine bis dahin den neuen Mietvertrag für die Nutzung des Königpalastes nachweisen können. Die Unterlagen zur Erteilung der Lizenz für die Saison 2015/16 müssen bis zum 24. Mai abgegeben werden. Dazu zählt auch der Mietvertrag.

Quelle: RP
 
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