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Krefeld
Historien-Krimi um Forstwald-Testament

Krefeld: Historien-Krimi um Forstwald-Testament
Sie präsentierten das aufgefundene Schumacher-Testament und andere alte Dokumente im Haus der Seidenkultur (v.l.): Klaus Drenk, Brunhild und Matthias Mauss, Hans-Josef Ruhland und Hansgeorg Hauser. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Nach einem Einbruch tauchten das Testament von Forstwald-Begründer Gerhard Schumacher und weitere über 200 Jahre alte Dokumente wieder auf. Die Originale wurden dem Haus der Seidenkultur übereignet und sollen im Stadtarchiv aufbewahrt werden. Von Carola Puvogel

Es ist fast ein kleiner Krimi: Einer Reihe von teils glücklichen Zufällen ist es zu verdanken, dass einige Puzzleteile Krefelder Stadtgeschichte jetzt wieder aufgetaucht sind: das Testament von Forstwald-Begründer Gerhard Schumacher und etliche weitere, rund 200 Jahre alte Unterlagen. Nur "teils glücklich" deshalb, weil der Einbruch in ein Einfamilienhaus Grund dafür war, dass historische Dokumente wieder aus den Tiefen eines Schranks zum Vorschein kamen - nachdem Einbrecher im gesamten Haus Regalfächer und Schubladen bei der Suche nach Wertgegenständen abgeräumt hatten.

Sonst hätten sich Brunhild und Mathias Mauss hätten sich womöglich nicht im richtigen Augenblick an ihren kostbaren Besitz erinnert, den sie vor einigen Jahren vom Schumacher-Nachkommen Jan van Randenborgh geschenkt bekommen hatten. Den Schumacher-Schatz ließen die Diebe zurück - und haben Krefeld damit einen großen Gefallen getan. Denn, so erklärt Hobby-Historiker Hans-Josef Ruhland, "aus der napoleonischen Zeit um 1813 gibt es nur sehr wenige Unterlagen".

Ausschnitte von mehr als 200-jährigen Dokumenten, darunter des Testaments von Gerhard Schumacher. FOTO: Jürgen Reck

Mit den gefundenen Dokumenten gibt es nun mehr als 20 Originale aus dieser Zeit, teils auf Französisch und Niederländisch verfasst, teils auf Deutsch. Ein Glückstreffer. Die Fäden der historischen Kleinode laufen jetzt an zwei Stellen zusammen: Beim Haus der Seidenkultur und bei einer Gruppe Forstwalder Geschichtsinteressierter um Ruhland und Jürgen Reck, die letztgenannter scherzhaft die "Forstwald-Gang" nennt.

Das Haus der Seidenkultur an der Luisenstraße war mit seiner Ausstellung über die Familie Schumacher im vergangenen Herbst Auslöser dafür, dass zunächst ein Satz Dokumente aus dem Schwarzwald seinen Weg zurück nach Krefeld fand. Vorstandsmitglied Hansgeorg Hauser spricht von einer "Explosion", die die kleine Ausstellung ausgelöst habe. Ein weiterer Zufall: Klaus Drenk, ebenfalls im Vorstand, war es außerdem, der kurz nach dem besagten Einbruch bei Brunhild und Mathias Mauss zu Gast war und sofort den Wert der soeben wiedergefundenen Schumacher-Unterlagen erkannte.

Die Verbindung zu Reck und Ruhland wurde hergestellt, und in bewährter Manier nahmen die beiden Forstwalder sich der Dokumentation und der historischen Einordnung der Papiere an. Inhaltlich bietet das Schumacher-Testament übrigens wenig Überraschendes. Der Kaufmann hat für den Fall der Kinderlosigkeit seine Frau Wilhelmina ter Meer als Alleinerbin eingesetzt. Amüsant zu lesen ist hingegen eine Inventarliste des damaligen Schumacher-Wohnhauses Groß Lind von 1873. Mit großer Akribie wurde dort jedes einzelne Stück vermerkt, von der "Suppenterrine (schlecht)" über einen "Blechernen Spucknapf" in der Küche bis hin zur "Handbrandspritze" lässt sich hier im Detail nachverfolgen, wie das Gut damals eingerichtet war.

Ruhland freut sich, dass das Wiederauffinden der Unterlagen so gut mit der Wiedereröffnung des Krefelder Stadtgartens am Freitag zusammenfällt. Denn dort, auf dem ehemaligen Friedhof, sind die Schumachers begraben. "So können wir die Stadtgeschichte wieder in die Köpfe der Leute bringen", sagt er. Reck hat sich um die Übersetzung und Digitalisierung gekümmert. Alle Originale sind nun, nachdem die Sichtung abgeschlossen ist, dem Haus der Seidenkultur übergeben worden. Geplant ist aber, das Gesamtpaket, das auch die große historische Postkartensammlung (wir berichteten) umfasst, im Krefelder Stadtarchiv zu hinterlegen. Für diese Übergabe, die später im Jahr erfolgen soll, ist dann auch die Öffentlichkeit eingeladen. Vielleicht sollen die Originale auch noch im Haus der Seidenkultur selber gezeigt werden.

Quelle: RP
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