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Krefeld
Historiker schreibt Heavy-Metal-Roman

Krefeld: Historiker schreibt Heavy-Metal-Roman
Christian Krumm hat einen Roman geschrieben. "At Dawn They Sleep" heißt sein Werk, mit dem er jetzt auf Lesereise geht. FOTO: Jörg Litges
Krefeld. "At Dawn They Sleep" heißt der erste Roman von Autor Christian Krumm. Nun geht's auf Lesereise. Von Esther Mai

Christian Krumm unterrichtet an der Universität Duisburg-Essen. Der Doktor der Geschichte ist als wissenschaftlicher Mitarbeiter angestellt. Doch nicht die Forschung allein ist die Leidenschaft des Krefelders. Er begeistert sich zudem für Musik, insbesondere Heavy Metal. Zwei Sachbücher hat er zu diesem Thema schon geschrieben. Nun folgt der dritte Streich: ein Roman, der in der Musikszene spielt.

Nicht ganz zwei Jahre ist es her, dass Christian Krumm in der RP-Serie "Mein Sommerprojekt" ankündigte, dass er einen Roman schreiben werde. Nun ist es soweit: "At Dawn They Sleep" hat das Licht der Welt erblickt. Für den Krefelder beginnt nun eine spannende Zeit: Er geht mit seinem Herzensprojekt auf Lesereise quer durch Deutschland.

"Ich bin lustigerweise viel gelassener als damals, als ich aus meinen Sachbüchern vorgelesen habe", erzählt der 37-Jährige. "Kumpels in Kutten" beschreibt die Heavy-Metal-Szene im Ruhrgebiet, und "Century Media" erzählt die Geschichte des in der Szene berühmten Plattenlabels. "Vor Lesungen habe ich mir immer darüber Gedanken gemacht, welche Aspekte die Zuhörer interessieren könnten und war immer in Sorge, dass sie die sachlichen Geschichten zu trocken finden könnten. Und nun setze ich mich einfach hin und lese vor. Aus meinem Roman."

Noch geht es dem Krefelder der Ausdruck "mein Roman" nicht gut über die Lippen. Er zögert, schaut weg. "Es fühlt sich falsch an. Ich würde mich auch selbst nie als Autor bezeichnen. Das Schreiben ist ein ernsthaft betriebenes Hobby. Wenn ich damit Erfolg habe, dann ist das natürlich toll. Aber wenn nicht, dann eben nicht." Das Schreiben ist für Christian Krumm ein elementarer Bestandteil seines Lebens. Zwei Jahre lang ist er in die fiktive Romanwelt um die Hauptfiguren Alioscha und Tyler eingetaucht. Da das nun vorbei ist, musste zwangsläufig eine neue Romanidee her. "Ich habe gerade damit angefangen, meinen zweiten Roman zu schreiben."

Die Ideen dafür nimmt Christian Krumm, wie auch bei seinem ersten Roman, aus dem alltäglichen Leben. "Wenn ich danach gefragt werde, wie ich mir das alles merken kann, dann verweise ich auf mein kleines Diktiergerät, das ich stets bei mir habe. Damit wird jede Idee aufgezeichnet." Für den Roman "At Dawn They Sleep" hat er insgesamt 1590 Notizen verwendet. Das waren Ideen zur Story, zu den Figuren, kleine Szenen, Orte oder andere Kleinigkeiten. Um ein Gefühl für Sprache zu bekommen und ein Gefühl dafür, wie er seine Romane erzählen möchte, liest Christian Krumm in jeder freien Minute. Gute und schlechte Bücher. "Auch von den Schlechten kann man eine ganze Menge lernen", sagt er. Sein erster Roman spielt in einer Umgebung, in der sich Christian Krumm gut auskennt, der Heavy Metal Szene. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Buch nur für Menschen lesenswert ist, die sich ebenfalls mit der Musik und den Menschen, die diese hören, beschäftigen. "Es geht zwar auch um die Musik, aber nicht nur", sagt Krumm. Soziale Gefüge werden untersucht, beschrieben. Und schließlich soll sich jeder selbst ein Bild machen: Was ist normal, was ist ein alternativer Lebensentwurf? Gibt es diese nur in der Szene? Oder sind diese nicht überall im Leben zu finden? Abgebildet werden junge Menschen auf der Suche nach Anerkennung, Liebe, dem richtigen Weg.

Bleibt noch die Frage, die jeden brennend interessiert, der sich im Umfeld des Autors bewegt: Ist der Roman autobiografisch? Eine Frage, die sich nicht einfach so mit Ja oder Nein beantworten lässt. Natürlich erzählt der Roman nicht die Lebensgeschichte des Autors nach. "Dafür steckt in jeder meiner Romanfiguren ein bisschen was von mir. Schließlich habe ich mir sie ausgedacht", sagt Krumm und schmunzelt. Mehr will er nicht verraten.

Quelle: RP
 
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