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Krefeld
Hitzeperiode - Bauerngewerkschaft warnt vor explodierender Gülle

Krefeld: Hitzeperiode - Bauerngewerkschaft warnt vor explodierender Gülle
Landwirt Paul-Christian Küskens, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Krefeld/Kreis Viersen, weiß als Milchbauer natürlich um die Gefahren im Umgang mit Gülle. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Krefeld. Ungewöhnliche Warnung der Agrar-Gewerkschaft: Sie befürchtet derzeit Unfälle mit Gülle und mahnt zur Vorsicht. Auch das Einatmen der Gase ist gefährlich.  Von Bärbel Kleinelsen

Die Vergiftungsgefahr durch Gülle-Gas ist aktuell besonders groß. Davor warnte am Donnerstag die Agrar-Gewerkschaft IG Bau die Krefelder Landwirte und rief alle Beschäftigten in der Landwirtschaft zu erhöhter Vorsicht auf. Der Grund: Die derzeit hohen Temperaturen beschleunigten den biologischen Abbau von Gülle. Dabei entstehe vor allem Schwefelwasserstoff, der nicht nur besonders schädlich, sondern auch tückisch sei.

"In niedrigen Konzentrationen riecht Schwefelwasserstoff nach faulen Eiern. Richtig gefährlich wird es aber dann, wenn man das Gas nicht mehr riecht", sagt Dennis Macko, Bezirksvorsitzender der IG Bau Düsseldorf und erklärt: "Bei höherer Konzentration lähmt Schwefelwasserstoff den Geruchssinn. Schon nach wenigen Atemzügen kann das Gas zur Bewusstlosigkeit und sogar zum Tod führen." So geschehen Ende Juni in Tirol. Dort wollte ein Landwirt einen Schlauch aus einem Gülleloch holen und verlor schon nach kurzer Zeit das Bewusstsein. Da er durch ein Seil gesichert war, konnte ihn seine Frau mit Not über der tödlichen Flüssigkeit halten. Der Mann musste von den Rettungskräften reanimiert werden.

Was bei der Kuh hinten runter fällt, kann unter dem Spaltboden nicht nur für unangenehmen Geruch, sondern auch für gefährliche Gase sorgen. FOTO: IG Bau

"Es ist richtig, dass die Bakterien in der Gülle an heißen Tagen aktiver sind und man deswegen noch vorsichtiger sein muss. Generell gilt die Warnung aber das ganze Jahr über", sagt Paul-Christian Küskens, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Krefeld/Kreis Viersen. Nicht ohne Grund müssten Landwirte eine Schutzausrüstung anziehen, bevor sie in die Gülle-Grube hinabsteigen dürften. Pflicht sei außerdem, dass bei solchen Arbeiten immer mehrere Personen anwesend seien, um im Notfall helfen zu können.

Das ist wichtig, da je stärker Gülle bewegt wird, desto mehr Schwefelwasserstoff freigesetzt wird. "Vorsicht ist deshalb dann geboten, wenn Gülle abgelassen, umgepumpt oder gerührt wird. Besonders gefährlich ist auch das Aufrühren von Rinder- und Schweinegülle unter Spaltenböden, auf denen die Tiere im Stall stehen", weiß Dennis Macko und rät dazu, diese Ställe besonders gut zu durchlüften - schon der Tiere wegen.

Juli 2014: Baum stürzt bei Unwetter auf Bauernhof FOTO: Theo Titz

"Das ist bei solchem Wetter eine Selbstverständlichkeit", sagt Edmund von Holtum, langjähriger Krefelder Ortsbauern-Vorsitzender und Landwirt. "Bei einem solchen Wetter lässt man am besten die Finger von der Gülle. Solange da nichts umgerührt wird, passiert auch nichts." Die Experten von Holtum und Küskens setzen bei der Vermeidung von Unfällen auf die neueste Technik. "Die Belüftungssysteme in den Ställen sind extra darauf ausgerichtet, Gasunfälle zu vermeiden.

Alle Landwirte sind sich der Gefahr bewusst, die im übrigen auch bei allen Bio-Gasanlagen besteht", sagt Paul-Christian Küskens. Und Agrar-Gewerkschafter Macko ergänzt: "Das Luft-Gas-Gemisch kann auch zu Verpuffungen und Explosionen führen. Deshalb sollten unbedingt explosionsgeschützte Motoren und Pumpen zum Einsatz kommen."

Quelle: RP
 
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