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Krefeld
Höchstspannungsleitung:Bau beginnt nicht vor 2017

Krefeld. Die Stadt erstritt vor Gericht einen Baustopp für das Aufstellen neuer Masten für eine 380kv-Leitung im Krefelder Westen. Netzbetreiber Amprion muss Unterlagen nachreichen. Das soll in wenigen Wochen geschehen. Von Norbert Stirken

Die Verantwortlichen des Netzbetreibers Amprion machen sich keine Illusionen: Sollte eine erneute Prüfung der Unterlagen zum Bau einer 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung durch Tackheide und Benrad nicht zur Zufriedenheit der Stadt Krefeld oder der Bürgerinitiative ausfallen, sei mit erneuten Klagen zu rechnen, sagte Amprion-Sprecher Andreas Preuß auf Anfrage unserer Redaktion.

Selbst, wenn alles glatt läuft, rechnet Amprion mit einer Fortsetzung der Arbeiten an den 23 Masten nicht vor dem Jahr 2017. Derzeit arbeitet ein Gutachter im Auftrag des Netzbetreibers an den Unterlagen für die Umweltverträglichkeitsprüfung. Diese Expertise soll noch in der ersten Hälfte dieses Jahres bei der Bezirksregierung in Düsseldorf eingereicht werden. Nach Auswertung des Gutachtens fällt die Behörde in der Landeshauptstadt eine Entscheidung und einen erneuten Planfeststellungsbeschluss. Das ist dann die rechtliche Grundlage für den Weiterbau der Höchstspannungsleitung, die an einigen Stellen nicht weiter als 30 Meter von der Wohnbebauung entfernt verläuft.

Gegen den Planfeststellungsbeschluss können erneut Rechtsmittel eingelegt werden. Das hat die Stadt bereits 2013 getan. Wenige Monate später hob das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig den Beschluss auf, weil die Auswirkungen der Starkstromleitung auf Mensch und Natur im Vorfeld nicht ausreichend geprüft worden seien. Kommune und Bürgerinitiative wünschen eine Verlegung der Starkstromleitung als Erdkabel. Amprion lehnt das mit Hinweis auf die Kosten ab. Ursprünglich hätte die 380-kv-Leitung bereits im April 2014 in Betrieb gehen sollen.

Mit Zeitverzögerungen kennt Amprion sich aus. Der Netzbetreiber trifft vielerorts auf Widerstände. Auch der Bau der Leitung im Abschnitt Wesel bis Krefeld-Hüls West dauert länger als angenommen. Amprion verlegt die Starkstromleitung als Erdkabel unter dem Rhein. "Die Verzögerung dort hat keine Auswirkung auf das Bauvorhaben im Krefelder Westen", sagt Preuß. Möglicherweise werde eher umgekehrt ein Schuh daraus. Denn die Stadt hat in Person ihres Beigeordneten Thomas Visser schon vor Monaten mitgeteilt, dass sie unter bestimmten Umständen erneut gegen die Bezirksregierung Düsseldorf als behördliche Vertreterin des Landes Nordrhein-Westfalen klagen wolle. Visser verlangt eine "voll umfängliche Umweltverträglichkeitsprüfung", die sowohl technische als auch räumliche Alternativen zu der 7,4 Kilometer langen Trasse zwischen Fellerhöfe und St. Tönis prüfe. Die Leipziger Richter hätten bereits bestätigt, dass die "elektromagnetischen Auswirkungen der Höchstspannungsleitung erheblich" seien. Vor diesem Hintergrund und in Anbetracht der Tatsache, dass die Bundesregierung im Oktober beschlossen habe, die Leitungen für die so genannten Stromautobahnen unter die Erde zu verlegen, bestehe die Stadt Krefeld im Interesse der vom Bau betroffenen Bürger auf eine Verlegung von Erdkabeln. Dass es sich bei dem acht Millionen Euro teuren Vorhaben um einen sogenannten Lückenschluss handele, ändere nichts, meint Visser für die Stadtverwaltung.

Die Stadt habe ihre Haltung in offiziellen Vorgesprächen - so genannten Scoping Terminen - bereits mehrfach vorgetragen und begründet. Demnach seien räumliche Alternativen (eine Verlegung der Trasse nach Westen) ebenso zu untersuchen wie technische Alternativen (Verlegung auf der ursprünglichen Trasse als Erdkabel). Darüber hinaus habe insbesondere die Beurteilung der elektrischen und magnetischen Wirkungen auf Mensch und Natur nicht auf einen Berechnungspunkt, sondern auf die Fläche zu erfolgen.

Quelle: RP
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