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Neue Serie Heimatwochen
Honig aus der Stadt - reiner als der vom Land

Neue Serie Heimatwochen: Honig aus der Stadt - reiner als der vom Land
Joachim Dönitz (l.) und Waldemar Ebel beugen sich über eine "Beute" - so nennt man den Behälter, in dem ein Bienenschwarm lebt. FOTO: Lammertz
Krefeld. Es ist verblüffend: Die Stadt ist für Imker ein reiches Feld; es gibt mehr Blumen als auf dem Land und weniger an Pestiziden und Fungiziden. Zum Auftakt unserer Reihe "Heimatwochen" berichten wir, wo Heimat süß ist - und gesund. Von Jens Voss

Warum Bienen?

Spricht man mit Imkern, tritt stets derselbe Effekt ein: Man hört rasch gebannt zu. Pro Volk 20.000 Bienen. Drohnen haben nur die Aufgabe, die Königin zu begatten, und sind dann dem Tod geweiht. Die Wabenform. Und der Honig, der wundersamerweise am Ende all des Gewusels steht. Und wie kam ein Imker wie Joachim Dönitz auf die Biene? Sein erstes Volk, berichtet er, habe er mit 14 Jahren gehabt. "Aus Freude an der Natur. Ganz normal", sagt er ohne Aufhebens. Freude, das ist's. Bienen sind freundliche Tiere, Freunde des Menschen, obwohl sie stechen können. Stirbt die Biene, stirbt der Mensch. Das steckt tief in uns drin. Bei Waldemar Ebel, dem Vorsitzenden des Krefelder Imkervereins hat es etwas länger gedauert, bis er die Liebe zur Biene entdeckte. Er stammt aus Sibirien. "Als Junge", erzählt er schmunzelnd, "wusste ich nur, dass Honig süß ist und Bienen teuflisch stechen." Als Mann hat er dann eine Frau aus einer Imkerfamilie geheiratet. Die anfängliche Arbeitsteilung - er ist für den Garten zuständig, sie für die Bienen - hat sich irgendwann gedreht. Die Imkerei hat ihn gepackt; heute ist er Vorsitzender des Imkervereins Krefeld und Vize-Vorsitzender des Kreisimkerverbandes Krefeld-Viersen. Vor allem aber: Besitzer von sieben Bienenvölkern.

Ebel ist 65, Dönitz 75 Jahre alt - beide verzeichnen in den letzten Jahren verstärktes Interesse am Imkern auch bei jungen Leuten. Im Prinzip kann jeder Imker werden; es gibt keine Pflicht zur Ausbildung. Ebel und Dönitz raten aber dringend dazu, sich kundig zu machen. Zu den häufigsten Anfängerfehlern gehört es etwa, sich zu oft an der "Beute" - so heißt der Behälter, in dem ein Schwarm lebt - zu schaffen zu machen. Bienen wollen auch in Ruhe gelassen werden. Zurückhaltung als Imkertugend: "Der Zeitaufwand für ein Bienenvolk beträgt circa zwölf Arbeitsstunden im Jahr", heißt es in einem Flyer des Kreisimkerverbandes. Qualitätvolle Seminare werden etwa im Bienenmuseum Duisburg angeboten, sagt Ebel. Im Imkerverein gibt es zudem ein Patensystem: Ein erfahrener Imker begleitet einen Neuling am Anfang. Bienenvölker kann man übrigens regulär kaufen oder von befreundeten Imkern übernehmen oder im Wald einsammeln, wenn sich irgendwo ein Volk zeigt. Das Einsammeln läuft ganz unspektakulär mit einem Eimer, berichtet Dönitz: Per Leiter rauf auf den Baum, Eimer unters Volk, auf den Ast klopfen, bis die Bienentraube abtropft, Deckel drauf - und hoffen, dass die Königin dabei ist. Und die Honigernte? Dönitz reicht zur Demonstration einen leeren Rahmen für Waben und einen voll mit Waben ausgebauten. Was leer einige hundert Gramm wiegt, wiegt voll zwei bis drei Kilogramm.

Dönitz erntete mit seinen fünf bis acht Völkern zwischen 20 und 40 Kilogramm Honig pro Volk pro Jahr, je nachdem, wie das Wetter war. Er produziert reinen Lindenhonig, zweimal im Jahr wird "geschleudert": Dazu kommen die Waben in einen Apparat, werden gedreht, bis die Fliehkraft den Honig aus den Waben presst. Vorher müssen die Waben geöffnet werden; sprich: Von den Waben werden Deckel abgekratzt, denn die Bienen verschließen gefüllte Waben, und zwar so, dass der Honig darin lange haltbar ist.

Man scheut sich, die Imkerei als Hobby zu bezeichnen, weil jeder Mensch jenen Satz im Kopf hat: Stirbt die Biene, stirbt der Mensch. Berufung ist vielleicht der bessere Begriff. In Deutschland ist es immer noch etwas Besonderes, Honig von heimischen Bienen zu bekommen: Laut Bundesernährungsministerium isst jeder Deutsche pro Jahr einen Kilogramm Honig. Die bundesweit etwa 750.000 Bienenvölker können diesen Bedarf nur zu etwa einem Fünftel abdecken. Rund 80 Prozent des in Deutschland konsumierten Honigs stammt daher aus Importen aus der Europäischen Union und anderen Staaten. Kein Wunder also, dass Imker wie Dönitz oder Ebel Stammkunden haben, die sich jedes Jahr auf ihren heimischen Honig freuen. Ein Geschäft ist das nicht, die Imker decken mit dem Honigverkauf ihre Kosten. Vor allem sorgen sie mit dafür, dass die Biene nicht stirbt.

Gut für uns Menschen.

Quelle: RP
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