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Krefeld
Hüls bereitet Ankunft der Flüchtlinge vor

Krefeld. In Hüls wird die Stadt eine Traglufthalle für 150 Flüchtlinge aufstellen. Mit der Gründung eines Koordinationskreises der Parteien und Vereine und einer öffentlichen Info-Veranstaltung bereiten sich die Hülser auf den Andrang vor. Von Otmar Sprothen

In diesen Tagen steigt die Zahl der Flüchtlinge auf 3000 Menschen an, die das Land Krefeld zugewiesen hat. "Wie diese Entwicklung weiter verläuft, hieße aus einer Kristallkugel die Zukunft vorherzusagen", wandte sich Oberbürgermeister Frank Meyer an die mehr als 400 Hülser, die der Einladung von Bezirksvorsteher Hans Butzen in die Robert-Jungk-Gesamtschule gefolgt waren. "Eine solche Zuwanderung verändert das Denken in einer Zeit, in der wir von demografischem Wandel und Rückbau reden müssen." Meyer verwies auf den Zuzug aus ländlichen Regionen in die Stadt, dem auch die Flüchtlinge auf die Dauer folgen würden. Damit sei Krefeld keine schrumpfende, sondern eine wachsende Stadt. "Wenn wir dabei geschickt agieren, eröffnet sich uns eine große Chance", gab der OB die Richtung vor. Die Flüchtlinge menschenwürdig unterzubringen sei derzeit die größte Herausforderung. Meyer bedauerte, dass noch immer Turnhallen herangezogen werden müssten, aber die Stadt brauche Übergangslösungen. Dazu gehörten eben auch die beiden 36 mal 36 Meter großen Traglufthallen, von denen eine zusammen mit zehn Sanitärcontainern im südlichen Bereich des Sportplatzes am Reepenweg bis Mitte Januar errichtet werde. Die andere werde auf dem Festplatz in Traar aufgestellt.

Stadtdirektorin Beate Zielke lieferte den statistischen Hintergrund: Von den 3000 Flüchtlingen seien derzeit 1300 in 350 Wohnungen untergebracht, 1000 lebten in Sammelunterkünften, 500 in Turnhallen, davon 260 allein in der Glockenspitzhalle. Kamen früher annähernd 40 Prozent der Flüchtlinge aus den sicheren Herkunftsstaaten des Südbalkans, so werden nach Auskunft von Sozialamtsleiter Wolfram Gottschalk demnächst hauptsächlich Syrer, Iraker, Iraner, Bangla Deshi und Pakistaner als Asylsuchende nach Hüls kommen. Weibliche Asylsuchende seien in der Minderheit, 30 Prozent der männlichen Asylsuchenden seien unter 18 Jahren. Derzeit hat Krefeld 180 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zu versorgen.

Bezirksvorsteher Hans Butzen moderierte die Veranstaltung, zu deren hochkarätig besetztem Podium neben Stadtdirektorin Beate Zielke auch Planungsdezernent Martin Linne, Sport- und Bildungsdezernent Gregor Micus und Sozialamtsleiter Wolfram Gottschalk gehörten. "Es sei eine gute Hülser Tradition, offen gegenüber allen Menschen zu sein, die für immer oder nur kurzfristig bei uns leben", lobte Butzen "seine Hülser".

Man spürte bei aller Sachlichkeit, in der die Diskussion zwischen Besuchern und Podium verlief, dass die Hülser auch ein wenig zweifelnd in die Zukunft blickten. Ein Beispiel hierfür war der spontane starke Beifall, mit dem die Besucher den für Gefahrenabwehr zuständigen Polizeidirektor Michael Schemke und seinen Hülser Kollegen begrüßten. Fragen, ob die Polizeistärke in Hüls erhöht werden müsse oder Fragen von Anrainern des Sportplatzes, wie sie vor Müll, Lärm und Kleinkriminalität geschützt würden, welche Wohnungen denn nun in Hüls gebaut würden für einheimische Wohnungssuchende oder nach der ärztlichen Betreuung der Flüchtlinge waren eher in der Unterzahl. Es überwog eine positive Erwartungshaltung, zu der die Mitglieder des gerade gegründeten "Koordinationskreises Hülser Flüchtlinge" mit ihrer Aufbruchstimmung beitrugen. Das war ganz im Sinne des neuen Krefelder Flüchtlingskoordinators Hansgeorg Rehbein, der um Ehrenamtler warb: "Wir können jeden Freiwilligen gebrauchen."

Zwar würde die VHS im Januar mit fünf Sprachkursen ihr Sprachlernangebot für Flüchtlinge eröffnen, doch benötige man ehrenamtliche Flüchtlingspaten für die Betreuung der Flüchtlinge am Nachmittag. Bis zur Klärung ihres Asylverfahrens und ersten Sprachlernschritten hätten die Flüchtlinge keine Aussicht auf eine Beschäftigung. Obendrein wäre ein Teil von ihnen in beengten Sammelunterkünften untergebracht, was das Gegenteil von Integration hervorbringen könnte.

Nach Jahren des Nothaushaltes mit ständigen Stellenstreichungen würde die Stadt Krefeld nun wegen der Flüchtlingskrise nach 150 neuen Stellen im Jahre 2015 auch in 2016 130 neue Stellen einrichten, doch ist der Markt für Hausmeister, Sozialpädagogen und Techniker leergefegt. Daher ist sie auf Ehrenamtler angewiesen. In Hüls will man in einem halben Jahr zu einer erneuten Informationsveranstaltung zusammenkommen, um die ersten Erfahrungen auszutauschen.

Quelle: RP
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