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Krefeld
Hülser finden Ein-Mann-Bunker im Garten
Ein-Mann-Bunker aus Hüls im Museum Burg Linn
Ein-Mann-Bunker aus Hüls im Museum Burg Linn FOTO: Gabi Hense
Krefeld. Bei der Umgestaltung ihres Gartens stießen Gabi und Theo Hense in anderthalb Meter Tiefe auf einen Ein-Mann-Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Das Ehepaar überließ ihn dem Museum Burg Linn. Dort ist der Bunker ab sofort zu sehen. Von Martin van der Pütten

Ein seltenes Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg aus Krefeld können die Besucher ab sofort im Museum Burg Linn besichtigen. Dort steht seit Kurzem ein etwa mannshoher und 2,5 Tonnen schwerer Ein-Mann-Bunker aus Stahlbeton.

Bei Luftangriffen der Alliierten sollte der Bunker seinen Besitzer vor umherfliegenden Bombensplittern schützten. Nicht wenige Krefelder hatten sich während des Krieges solch eine sogenannte Splitterschutzzelle zugelegt, von denen die meisten allerdings nach 1945 zerstört worden sind.

Das nun in Linn ausgestellte Exemplar hingegen überdauerte die Zeit fast 70 Jahre lang in einem Vorgarten in Hüls. Der Mini-Bunker war von seinem Besitzer in ein Loch umgestoßen und anschließend vergraben worden.

Mit der Zeit war er vollkommen in Vergessenheit geraten und ist nur durch einen Zufall wieder ans Tageslicht gekommen. Da sie schon immer gerne ihren Garten vergrößern wollten, hatten Gabi und Theo Hense vor einigen Jahren die Chance genutzt, und das Nachbargrundstück erworben.

Bei der Umgestaltung des Gartens war es der Landschaftsgärtner, der unter einem ehemaligen Teich zunächst das runde Kopfende des Bunkers entdeckte. "Er dachte zuerst an eine Fliegerbombe, doch meine Frau wusste sofort, was wir da ausgegraben hatten", sagt Theo Hense.

"Zufällig hatte ein Bekannter von uns in Tönisvorst vor einigen Jahren einen Bunker gleicher Bauart gefunden. Das habe ich sofort wiedererkannt", ergänzt seine Frau Gabi. Der Bunker lag auf der Seite und war halb mit Erde gefüllt.

Zusammen mit Gabi Henses Vater Helmut Schellscheidt ließen die Eheleute den gut erhaltenen Bunker freilegen und zogen ihn mit einem Bagger aus der Grube.

Unter dem Bunker fanden sie außerdem die Türe, die anscheinend in das Loch geworfen, bevor der Bunker hineingestoßen wurde. Nachdem der Hülser Heimatverein keine Möglichkeit fand, den Bunker im Stadtteil vor Ort auszustellen, zeigte das Museum Burg Linn schließlich Interesse.

Im Dezember war es soweit: Aus eigener Tasche bezahlten die Henses den Lkw-Transport nach Linn, wo der Ein-Mann-Bunker im Hof des Museums nun dauerhaft ausgestellt werden soll.

"Der Bunker wurde im Betonwerk am Hülser Berg hergestellt", sagt Museumsleiter Christoph Reichmann, der in Kürze ein Informationsschild anbringen möchte. Auch soll die Tür des Bunkers wieder eingesetzt werden.

"Es ist schön, dass der Bunker jetzt für die Nachwelt erhalten bleibt", findet Gabi Hense. Entsorgt hätte sie den Betonkoloss aber selbst dann nicht, wenn kein Museum sich dazu bereiterklärt hätte, ihn aufzunehmen. Sie sagt: "Zur Not hätte ich den Bunker bei uns im Garten aufgestellt."

Ausstellung zum 70. Jahrestag des großen Bombenangriffs

Anlässlich des 70. Jahrestages des großen Bombenangriffs auf Krefeld zeigt das Museum Burg Linn vom 20. Juni bis zum 2. Juli in Kooperation mit dem NS-Dokumentationszentrum eine kleine Sonderausstellung in der Ehrenhalle der Vorburg, die auf dem Kriegstagebuch der Stadt Krefeld basiert.

Am 22. Juni 1943 waren insgesamt 661 englische Bomber beim großen Luftangriff auf Krefeld beteiligt. Sie warfen mehr als 2000 Tonnen Spreng- und Brandbomben ab. Große Teile der Innenstadt und des nördlichen Stadtgebietes wurden zerstört. 1036 Krefelder überlebten die Angriffsnacht nicht.

Quelle: RP/rl/jco
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