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Krefeld
Hülser trösten Krefelder Prinzenpaar

Krefeld: Hülser trösten Krefelder Prinzenpaar
Hoch oben über Hüls: Das Krefelder Prinzenpaar Danny I. und Oliver I. durfte beim Breetlookszug mitfahren. Ein Trost für den ausgefallenen Rosenmontag. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Das Komitee Karnevalszug Hüls hatte Danny I. und Oliver I. auf den Breetlookszug eingeladen, nachdem der Zug am Rosenmontag ausgefallen war. In Hüls feierten 10.000 Verkleidete aus ganz Krefeld auch bei Regen fröhlich Karneval. Von Henning Rasche

Der junge Mann trägt ein schweres Schlagzeug vor seinem Bauch. Unbequem sieht das aus, doch der Musiker schaut streng nach vorn. Versiert schlägt er mit den Sticks auf die Trommeln, der Takt stimmt, die Musik durchzieht die Kreuzung am Hülser Markt. Der junge Mann gehört den Viersener Show Trompetern an, die in geschlossenen Reihen hinter ihm herlaufen. Die Trompeter allerdings werden nass, der Schlagzeuger nicht. Über seinem Kapuzenpulli trägt er eine Regenjacke und in den Pulli hat er einen Regenschirm gesteckt. Der überragt ihn nun und bewahrt ihn vor dem Regen.

Natürlich ist das irgendwie gemein. Der Rosenmontagszug wurde wegen Sturms abgesagt, aber der Sturm kam gar nicht. Und jetzt, wo sich alle auf den Breetlookszug in Hüls gefreut haben, da regnet und windet es. Als hätte sich einer gegen die Karnevalisten verschworen, als hätte einer da oben gesagt: Dieses Jahr nicht. Aber er hat natürlich nicht verstanden, dass Karneval auch immer ein bisschen Anarchie ist. Dass da niemand einfach zuhause bleibt, nur weil es regnet. 10.000 kamen nach Schätzung der Polizei.

Große Ohren, Lauchstangen, Regencapes und Schirme - diese Kindergruppe war gut ausgestattet. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

Eine Mutter, sie trägt Piratenhut und Augenklappe, erzählt jemandem am Telefon, dass sie versucht hat, ihre Kinder zu bestechen. Lasst uns etwas anderes machen, Kinder, hat sie vorgeschlagen. Aber die Kinder wollten nichts anderes machen, sie wollten Breetlook rufen, Karneval feiern, Kamelle sammeln. Viele haben es der Mutter gleichgetan, haben sich nicht entmutigen lassen - weder von Wetter, von Sturm oder von sonst wem.

Unter besonderer Beobachtung: das Krefelder Prinzenpaar. Rosenmontag war für sie eine "emotionale Katastrophe", wie Prinzessin Danny I. gesagt hatte. Aber die Hülser haben Herz gezeigt und die karnevalistischen Regenten mit ihrem Wagen zum Breetlookszug eingeladen. Ganz hoch oben auf ihrem Schmetterlingswagen fahren sie nun am Veilchendienstag durch Hüls, werfen all ihre Kamelle. Sie geben reichlich, denn sie haben auch reichlich; am Tag zuvor sind sie schließlich nichts losgeworden. Eingehüllt in Regencapes blicken sie tapfer zum närrischen Volk hinab, rufen "Breetlook". Sie gehören hier her, und doch sind Danny I. und ihr Oliver I. nur Gäste in Hüls.

Auf der Fensterbank fühlt sich der Hund auch verkleidet wohl. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

Kurz vor dem Start des Breetlookszugs am Mittag regnet es ohne Pause. Die Polizisten sitzen in ihren Wagen, tippen auf Handys herum, schauen durch die nassen Fenster. An der Krefelder Straße blicken etliche Anwohner mit Perücken und roten Nasen aus ihren Fenstern, sitzen im Trockenen, warten auf den Zug. Rund um den Hülser Markt verstecken sich die Frauen und Männer, die Matrosen und Minions, die Bienen und Sheriffs in Garagen oder in den Eingängen zu Kneipen und Geschäften. Trocken bleiben, irgendwie, das ist das Ziel.

Auf den einzelnen Wagen sind die meisten vor Regen sicher. Sie tanzen und lachen, werfen Kamelle und Lauch, jubeln sich und der Menge zu. Einige Mütter haben die Regenschirme umgedreht und fangen damit Bonbons, Taschentücher, Schokoriegel, die durch die Luft fliegen. Sie sind der Alptraum eines jeden sammelnden Kindes. Eine Fußgruppe ist geschlossen als Pippi Langstrumpf unterwegs, der Hülser Sportverein ist "tierisch jeck" mit Wölfen und Wald am Wagen, der "Hölsche Kirkechor" feiert 150 Jahre Existenz, die Breetlook-Gruppe wirft, na klar, Breetlook.

Das Hülser Prinzenpaar: Denise I. und Bernd I. feiern auf ihrem Wagen. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

Mädchen tragen kurze Röcke oder bauchfrei und die Jungs, die in diesem Jahr besonders oft in Ganzkörperkostümen als Wölfe, Bären oder Timon und Pumba unterwegs sind, finden das gut. Karneval ist immer auch ein bisschen Liebesbörse, ganz gleich ob Veilchendienstag, Rosenmontag, Sturm, Regen oder Sonnenschein. Rotkäppchen macht ein Selfie mit dem Waschbären.

Ein Bäcker am Wegesrand bietet den Polizisten, die sich nach dem Ende des Regens auch auf die Straße trauen, Schnitzelbrötchen, Berliner oder Bier an. Sie lehnen lachend ab und geben das gefangene Paket Kekse brav dem Kind in der Reihe vor ihnen. Weil er seine ganzen Berliner einfach nicht loswird, beginnt der Bäcker, sie an die Kinder auf den Karnevalswagen zu verteilen. Eine Palette, noch eine. Danny I. und Oliver I. haben ihr Regencape ausgezogen, es ist trocken. Der Schlagzeuger hat immer noch seinen Schirm.

Quelle: RP
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