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Krefeld
Hülser war fast vier Wochen ohne Telefon

Krefeld: Hülser war fast vier Wochen ohne Telefon
Im Januar hat ein Sturm die Telefonkabel von Johannes Lange vom Mast gerissen. Wochenlang versuchte er, die Telekom zu erreichen - vergeblich. FOTO: TL
Krefeld. Im Januar stürzt ein Baum im Krefelder Lönspfad auf einen Telefonmast, zerreißt das Kabel und damit die Leitung von Johannes Lange. Als sich unsere Redaktion einschaltet, reagiert die Telekom plötzlich. Der 74-Jährige ist sauer. Von Alexander Triesch

"Unruhestand" ist das Wort, was dem 74-jährigen Rentner immer wieder über die Lippen kommt. Er sei ein verärgerter Kunde, sagt der Mann, der im Lönspfad in Hüls lebt. In den 80er Jahren hat es hier gleich zweimal gebrannt. Hätte es in den vergangenen Wochen wieder ein Feuer gegeben, wäre er wohl einfach weggelaufen. Die Feuerwehr rufen? Nicht möglich. "Meine Frau und ich waren von der Außenwelt abgeschnitten", sagt er. Schuld sei Orkan Friederike, der Mitte Januar in der Region wütete. Und Schuld sei auch die Telekom. Denn die Leitung von Johannes Lange war fast vier Wochen lang tot. Erst als unsere Redaktion das Unternehmen kontaktiert, wird der Schaden plötzlich innerhalb eines Tages repariert.

Es war der 18. Januar, als eine Baumkrone gegen den Telefonmast vor Langes Haus schlug. Der Sturm hatte den Baum aus dem Boden gehoben. Die Folgen: Kein Telefon mehr. Kein Internet mehr. Und das Handy hatte auf dem Grundstück auch kaum Empfang. Wer Lange erreichen wollte, musste eine kurze SMS schreiben, die kam an. Dann ging der 74-Jährige nach draußen in die Kälte, immerhin hier gab es zwei Balken Netz. Kam das Thema "Telekom" zur Sprache, hat der ehemalige Lehrer des Berufskollegs in Uerdingen immer nur den einen Satz wiederholt: "Nichts ist bisher passiert. Null Information!" Johannes Lange war wütend. Und daran hat sich wenig geändert - auch wenn die Leitung mittlerweile wieder funktioniert. "Es kann doch in einem hochtechnologisierten Land wie Deutschland nicht sein, dass jemand fast einen Monat vom Netz getrennt ist", sagt er.

Lange war nicht der Einzige, der ohne Telefon und Internet dastand. "Ich weiß von mindestens drei weiteren Leuten hier in der Straße, dass dort auch nichts mehr ging", sagt er. Eine ältere Frau in der Nachbarschaft sei schwer krank und auf Hilfe angewiesen, ein unzumutbarer Zustand, sagt auch Sigrid Lange, die Ehefrau. Wochenlang sei nicht abzusehen gewesen, wie es mit dem Schaden weitergehen soll. "Ich habe mich gefragt, ob eines Tages einfach ein Techniker kommt und das in Ordnung bringt oder ob ich erst einen Anwalt einschalten muss", sagt Johannes Lange.

Direkt nach dem Sturm versuchte Lange, sich bei seinem Netzbetreiber, der Telekom, zu melden - vergeblich. "In der Warteschlange am Telefon hieß es nur, dass das Problem bekannt sei und daran gearbeitet werde." Wie lange das dauern soll, habe man ihm nicht gesagt. Kontakt zu einem Kundenbetreuer sei nie zustande gekommen, weil das Telefonat nach der Bandansage jedes Mal abbrach. "Ich habe dann einen Beschwerdebrief nach Bonn geschickt und wartete vergeblich auf eine Antwort." Die Kosten für den Anschluss musste Lange vorerst weiterhin zahlen - obwohl er ihn gar nicht nutzen konnte. "Ich verwalte meine Finanzen online, weil die nächste Bankfiliale von meinem Haus sehr weit entfernt liegt. Das konnte ich dann vergessen", sagt er. Alle paar Tage habe ihn die Bandansage der Kundenhotline vertröstet, dass am Schaden gearbeitet werde. Passiert ist nichts.

Doch dann ging plötzlich alles ganz schnell. Auf eine Anfrage der Rheinischen Post teilt die Telekom schriftlich mit, dass man bemüht sei, am Schaden im Lönspfad zu arbeiten. Nur einen Tag später tauchen vor Langes Haus zwei Techniker auf, klettern den Telefonmast hoch und verbinden die Kabel wieder. "Sie sagten, sie hätten am Abend zuvor den Auftrag erhalten, sich zuerst um den Schaden bei uns zu kümmern", sagt Sigrid Lange. Per Telefon versprach die Telekom dann die Erstattung der Rechnung aus dem Januar und entschuldigte sich bei dem Ehepaar. Lange hofft indes, dass die Reparaturen auch den nächsten Sturm überstehen. "Da sollte ja allzu schnell keiner mehr kommen", sagt er.

Ein verärgerter Kunde bleibt er trotzdem - auch wenn jetzt alles wieder gut ist.

Quelle: RP
 
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