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Serie Menschen Im Advent
"Ich habe richtige Not gesehen"

Serie Menschen Im Advent: "Ich habe richtige Not gesehen"
Morana Paproth behandelt eine nepalesische Großmutter, die beim Erdbeben verletzt worden ist. Die Behandlungsstation befand sich am Benchen-Kloster. FOTO: Paproth
Krefeld. Morana Paproth schwor sich in einer Krankheitsphase, dereinst nach Nepal zu gehen. Diesen Schwur hat sie erfüllt. Von Sebastian Peters

Vielleicht hätte Morana Paproth (55) niemals in Nepal geholfen, wenn da nicht die lange Phase des Krankseins gewesen wäre. Durch eine Bleivergiftung vor drei Jahren hatte sie mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. "Damals habe ich mir vorgenommen, dass ich, falls ich nicht wieder gesund werde, in ein Kloster in Nepal gehen will." Nachdem sie gesund geworden war, kümmerte sich Paproth aber erst wieder um ihren Beruf, sie arbeitet als Naturheilpraktikerin, berät auch zu Feng Shui. Doch dann kam die größte Katastrophe, die Nepal jemals heimgesucht hat: Im April und Mai 2015 ereigneten sich im nepalesischen Himalaya-Gebirge schwere Erdbeben, das schwerste mit einer Magnitude von 7,8 auf der Richterskala. Knapp 8800 Menschen verloren laut Regierungsangaben ihr Leben, 22.300 Menschen wurden verletzt. Als Morana Paproth in Krefeld die Bilder sah, wusste sie, dass ihre nächste Mission Nepal ist.

Die Krefelderin, Mutter zweier erwachsener Kinder, ist nicht ohne Hilfserfahrung: In früheren Jahren hatte Paproth bereits in Peru eine Hilfsorganisation aufgebaut, die Kinder unterstützte, die auf Müllhalden groß wurden. In Nepal war Hilfe anderer Art nötig, hier wollte Paproth auch medizinisch helfen.

Eine Großmutter in einem provisorischen Zelt in den Bergen.

Die 55-Jährige stammt aus einer Handwerkerfamilie im Münsterland, interessierte sich früh für Entwicklungshilfe, studierte zunächst Architektur, arbeitete in dieser Branche, ehe sie Heilpraktikerin mit Schwerpunkt Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) lernte.

Ende September brach sie nach Nepal auf - und half in einer Basisstation im Katmandu-Tal zwischen zwei Tempeln jeden Tag ganz praktisch, in einem großen Team mit Schulmedizinern und Naturheilkundlern. Pro Tag hatte allein Morana Paproth sechs bis acht Patienten. Im Team war eine Ärztin, weitere vier Heilpraktiker, ein Physiotherapeut und zwei Übersetzer. Da ist etwa die junge Frau, die aufgrund des Bebens einen schweren Oberschenkelbruch davontrug, danach eine Beinlängendifferenz von drei Zentimetern hatte. "Sie konnte kaum noch vernünftig laufen", sagt Paproth. "Dabei war sie Englischlehrerin und musste eine viele Kilometer entfernte Schule erreichen." Am Ende wählte Mona Paproth einen praktischen Weg: Sie kaufte unterschiedlich hohe Flipflops, später mit Hilfe von Spenden auch ein 600 Euro teures Mofa. So konnte das Mädchen die Schule wieder erreichen. Fälle wie diesen gab es viele in dem Gebirgsstaat, in dem 90 Prozent der 27 Millionen Einwohner Hinduisten sind, zehn Prozent Buddhisten.

Morana Paproth in ihrer Praxis in Krefeld an der Schönwasserstraße. Ihre Spezialgebiete sind Naturheilkunde und Feng Shui. FOTO: Thomas Lammertz

Die größte Sorge, die die Nepalesen haben, sei, dass die Erde wieder bebt, sagt Paproth. Dennoch würden sie unentwegt am Aufbau festhalten. Lehmhütten würden gebaut, Feuerstellen als Herd. Nach ihrer Rückkehr sieht Paproth vieles mit anderen Augen. Das Leid, was sie in Nepal gesehen hat, lässt sie anders über die durchschnittsdeutschen Sorgen und Nöte denken. "Ich habe dort richtige Not gesehen, und dennoch waren die Menschen so willig, ihr Land wieder aufzubauen." Ihre Hilfe für den Wiederaufbau treibt sie jetzt auch von Krefeld weiter - in der Praxis steht eine Spendenbox - 500 Euro haben die Patienten schon eingeworfen.

Quelle: RP
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