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Modellstadt Krefeld
Idee für A 57: Lärmschutzwände gegen Abgas

Modellstadt Krefeld: Idee für A 57: Lärmschutzwände gegen Abgas
Die Bundesanstalt für Straßenwesen untersucht in Zusammenarbeit mit der niedersächsischen Straßenbauverwaltung im Rahmen eines Pilotversuchs auf der A1 bei Osnabrück die Wirkungsweise von Titandioxid auf Lärmschutzwänden zur Reduktion von Luftschadstoffen. Hier ein Bild der Arbeiten von 2011. FOTO: BAst
Krefeld. Auf der A 1 in Osnabrück wird derzeit getestet, ob sich Abgasimmission durch besondere Lichteinstrahlung minimieren lässt. Ein Bockumer Bürger schlägt nun vor, Krefeld zur Modellstadt für diesen Test werden zu lassen. Die FDP befürwortet dies. Von Sebastian Peters

Die Krefelder FDP hat einen Vorschlag des Bockumers Carlheinz Swaczyna zur Schadstoffminderung auf der A 57 aufgenommen und bittet die Stadt um eine Prüfung. Der Planungsausschuss soll sich morgen mit der Idee befassen, der in einem Modellversuch gerade auch auf der Autobahn 1 bei Osnabrück getestet wird. Konkret geht es um den Vorschlag, Abgase auf Autobahnen durch technische Maßnahmen zu reduzieren.

Die A 57 soll in wenigen Jahren auch auf Krefelder Stadtgebiet sechsspurig ausgebaut werden. In diesem Zuge sollen neue, 7,50 Meter hohe Lärmschutzwände installiert werden. Swaczyna schlägt nun vor, die Lärmschutzwände mit Titandioxid zu beschichten. Diese Beschichtung würde für Lichtverhältnisse sorgen, die in einem natürlichen Prozess (Photokatalyse genannt) die Abgase zersetzen. Das Titandioxid, unter anderem im Uerdinger Werk von Sachtleben hergestellt, beschleunigt unter Einfluss von Sonnenlicht die Oxidation der schädlichen Stickstoffe. Das bei der Zersetzung entstehende Nitrat würde einfach durch den Regen abgespült, das Grundwasser würde praktisch nicht belastet. Swaczyna hat sich in den vergangenen Wochen intensiv mit der Materie befasst. Krefeld könne Modellfall werden, sagte er. Die FDP, Fraktionschef Joachim C. Heitmann und Ratsherr Paul Hoffmann, fanden seinen Vorschlag so interessant, dass sie für gestern eine Pressekonferenz einberiefen, in der Swaczyna seinen Vorschlag erklärte. Krefeld eigne sich deshalb ideal für den Versuch, weil die Autobahn hier innerstädtisch liegt, argumentiert der Bockumer Swaczyna.

Der konkrete Modellversuch auf Bundesebene auf der A 1 in Osnabrück wurde gestern in der Pressekonferenz nicht thematisiert. Im Grunde ist er jedoch das, was Swaczyna für Krefeld fordert: einen Test, ob die Beschichtung von Lärmschutzwänden mit Titandioxid die Abgasemissionen senken kann. Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) untersucht dort in Osnabrück in Zusammenarbeit mit der niedersächsischen Straßenbauverwaltung die Wirkungsweise von Titandioxid auf Lärmschutzwänden zur Reduktion von Luftschadstoffen.

2011 wurde damit begonnen, ein rund ein Kilometer langes Teilstück einer Beton-Lärmschutzwand mit Titandioxid zu beschichten. Erste Untersuchungen zur Wirksamkeit des Titandioxids waren unter Laborbedingungen sehr erfolgreich. Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bun-desverkehrsminister, sagte bei der Vorstellung des Projektes: "Wenn Lärmschutzwände auch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten können, wäre das fantastisch." Die Messungen, so ergab gestern eine Anfrage unserer Zeitung bei der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt), sind abgeschlossen. Nun würden die Berechnungen laufen. Vor 2015 sei nicht mit Ergebnissen zu rechnen, wie wirkungsvoll die Beschichtung der Lärmschutzwände am Ende ist. Die FDP präsentierte den Vorschlag von Bürger Swaczyna, der selbst nicht Mitglied der FDP ist, auch deshalb gestern, weil sie glaubt, dass es noch nicht zu spät ist für Planungsänderungen beim A 57-Bau. FDP-Ratsherr Paul Hoffmann nannte bereits eine zu erwartende Schadstoffreduktion von 30 bis 40 Prozent. "Die Idee ist im Grunde ein Knaller", sagte er.

Carlheinz Swaczyna machte gestern auch noch weitere Vorschläge für den A 57-Ausbau: Es solle ein spezieller Beton verwendet werden (Portland-Zement oder Futur-Beton), für den deutlich weniger CO2-Emissionen benötigt würden. Auch schlägt er vor, Photovoltaikanlagen an den Lärmschutzwänden zu installieren. Auch dies solle die Stadt prüfen.

Übersicht: Was bei Autos aus dem Auspuff kommt FOTO: dpa, Oliver Weiken
Quelle: RP
 
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