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Krefeld
Im Aufwind - das Samtweberviertel

Krefeld. Zum Ausklang der stadtplanerischen Impulsveranstaltung an der Lewerenzstraße stiegen 300 grüne Ballons mit individuellen Liebeserklärungen ans Quartier in den sonnigen Abendhimmel auf. Von Annette Frieling

Als abschließendes Zeichen für eine rundum gelungene stadtplanerische Impulsveranstaltung stiegen am späten Samstagnachmittag 300 grüne Ballons in den sonnigen Himmel über dem Krefelder Samtweberviertel. Jeder Ballon trug ein handgeschriebenes Gruß-Kärtchen mit sich, auf dem der Satz "Hier ist es schön, weil..." von den Absendern individuell zu Ende geführt worden war. "Das sind persönliche Liebeserklärungen. Die Ballons sind unser Signal nach außen, wie toll es hier im Viertel ist," erläuterte Henry Beierlorzer von der Montag Stiftung am Rande des gut besuchten Nachbarschaftsfestes an der Lewerenzstraße.

Nicht nur Nachbarn, sondern ein Querschnitt der gesamten Krefelder Bürgerschaft war am achten und damit vorletzten Veranstaltungstag in den Innenhof der alten Samtweberei gekommen. Bis in die Abendstunden genossen viele hundert Menschen die fröhliche und positive Erfahrung innerstädtischer Vielfalt; es wurde Bilanz gezogen und in die Zukunft geblickt. "Impulse für das Samtweberviertel" waren gesucht worden, als die Urbane Nachbarschaft Samtweberei (UNS) vor einem Jahr zur Teilnahme an dem Projekt "mit dem Viertel für das Viertel" aufrief.

Anwohner, Institutionen, Unternehmer und nicht zuletzt die Hochschule als direkter Nachbar fühlten sich angesprochen und machten das Samtweberviertel nun mit über fünfzig Aktionen erlebbar. Nicht sieben sondern gleich neun Tage hatte die Festivalwoche gedauert, die am 19. September als "Viertelpuls" unter anderem mit der Möblierung des städtischen Raumes durch Studierende des Fachbereiches Design ihren Anfang nahm.

Bis einschließlich Sonntag (27. September) luden die verschiedenen Veranstalter dazu ein, den Lebensraum vor der eigenen Haustüre lebenswerter zu gestalten beziehungsweise das Potenzial zu entdecken, das in ihm steckt. Geboten wurden Ausstellungen, Vorführungen, Spiele aber auch historische, humoristische und sogar kulinarische Stadtführungen. Bewusst wurden laut Professor Nicolas Beucker vom Kompetenzzentrum Social Design Aktionen aus dem etablierten Kunstbetrieb der Stadt neben Initiativen gestellt, die aus nicht akademischem beziehungsweise bürgerschaftlichem Engagement hervorgehen.

Auch gestaltungsplanerische Fachdiskurse seien bewusst auf verschiedenen Ebenen abgehalten worden, so dass auch Schüler bei der Frage "was bräuchte es denn" zu Wort gekommen seien. Man habe versucht zu vermitteln, dass Städtischer Lebensraum gestaltbar sei und nicht nur "hingenommen" werden müsse.

Bevor am Sonntag zum Abschluss der Festivals private Gastgeber unter dem Motto "Die Südstadt is(s)t multikulti" zum Nachbarschaftsessen an die lange Tafel auf der Lüderstraße luden, trafen Veranstalter und Teilnehmer noch einmal während des Nachbarschaftsfestes zusammen. Es wurde Bilanz gezogen und darüber hinaus die Möglichkeit gegeben, Vorschläge für "Leben und buntes Treiben" im Jahr 2017 abzugeben. Realer Planungsgegenstand war die zukünftige Nutzung der 3000 Quadratmeter großen Shedhalle im Innenbereich der alten Samtweberei, die zum Jahreswechsel saniert und bis 2017 fertig gestellt werden soll. Zur Hälfte wird sie für Stellplätze genutzt werden, der Rest birgt Potenzial für Vorschläge und Wünsche.

Auch an dieser Stelle wünscht sich Designer Johannes Hansen die Verknüpfung von professioneller Stadtentwicklung mit Ideen aus der Bürgerschaft. Gerade die Heterogenität des Viertels stelle dabei eine besondere Herausforderung und Chance dar. Das Nachbarschaftsfest biete gute Gelegenheit, "auf niederschwellige Art" Ideen zu sammeln. "Wir wollen wissen, was treibt die Leute um", erläuterte Hansen. Seiner Auffassung nach bietet die Halle eine "phantastische Gelegenheit, einen Raum zu haben, wo es nicht regnet," und für den eine flexible Nutzung unterschiedlicher Art denkbar sei. "Markthalle, Kletterpark, Lesungen oder das Thema Graffiti", seien schon als Ideen genannt worden; doch seien auch grundsätzliche Fragen zu klären, nämlich danach "wie öffentlich wird das hier, und darf wirklich jeder hier hinkommen".

Auf die Beantwortung dieser Frage dürften insbesondere viele der Besucher des Nachbarschaftsfestes gespannt sein, die an diesem Abend mehrere Kilometer in ihre ruhigen Stadtviertel zurück radelten.

Quelle: RP
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