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Krefeld
Im Roman heißt Krefeld "Daelhuysen"

Krefeld: Im Roman heißt Krefeld "Daelhuysen"
Wilhelm Rennebaum erzählt in seinem Roman "Zeitenwende" aus den Jahren von 1951 bis 1961 und von den Menschen am Linken Niederrhein. FOTO: samla.de
Krefeld. Mit seinem Roman "Zeitenwende" hat Wilhelm Rennebaum eine Hommage an den Linken Niederrhein geschrieben. Er spielt in den Nachkriegsjahren in der fiktiven Kleinstadt Daelhuysen. Mit Humor, Lokalkolorit und viel Liebe zu den Charakteren blickt Rennebaum in die niederrheinische Seele und fängt das Lebensgefühl einer neuen Epoche ein. Und irgendwie ist auch Krefeld ein bisschen Daelhuysen. Von Isabel Mankas-Fuest

Der Niederrhein ist eine noch immer unterschätzte Region. Davon ist Wilhelm Rennebaum zutiefst überzeugt. Deshalb lenkt der Krefelder, der im Berufsleben Diplom-Volkswirt war, gerne den Blick auf die Region und ihre Menschen. Nach einem Text- und einem Fotoband zur Geschichte Hohenbudbergs hat der 70-Jährige jetzt den Roman "Zeitenwende" veröffentlicht. Und damit jeder den niederrheinischen Charme versteht, eröffnet Rennebaum sein Buch mit einem Prolog, der auf die Geschichte und die Figuren seines 252-seitigen Romans einstimmt.

Das macht Sinn. Denn in "Zeitenwende" geht der Autor den Eigenheiten der Niederrheiner auf den Grund. Doch was zeichnet den Niederrheiner eigentlich aus? "Am Niederrhein wohnt ein besonderer Menschenschlag, der sich nicht vor klaren Worten scheut. Leute, die bodenständig, aufrichtig, heimatverbunden sind. Und durchaus kirchentreu." Selbst in Not fühlen Niederrheiner sich selten allein gelassen. "Sie rufen einfach eine der vielen Heiligen oder Schutzpatrone um Beistand an", erklärt Rennebaum. Eine Spur, die er hier im Vorfeld auslegt und im Verlauf des Romans an seinen Hauptfiguren lebendig werden lässt.

Ausgangspunkt von "Zeitenwende" ist das fiktive Daelhuysen am Linken Niederrhein - Heimat von allerlei bizarren Figuren. Hier gibt es den überaus konservativen und stets Gefahren witternden Pfarrer Wilhelm Terlinden, der in der Sonntagspredigt vor Karnevalsbeginn vor "Lasterhaftigkeit und Gefahren der Freizügigkeit" warnt, oder die junge und kritisch denkende Agnes Vandenbosch, eine Heimatvertriebene aus Breslau, die in Daelhuysen einen Mann findet, heiratet, eine Familie gründet und ein selbstbestimmtes Leben führt.

Auch die Pfarrhaushälterin Johanna Janssen spielt in vielen Kapiteln eine Rolle. Im Krefelder Tierpark verfällt sie ins Tagträumen - ein schönes Bild: Ein Zoo wird zum Sehnsuchtsort für ferne Urlaubswelten. Ein aufstrebender Künstler darf in dem Roman ebenso wenig fehlen wie große Fußballlegenden und umschwärmte Heimatfilmschauspieler.

Das Buch erstreckt sich über die Jahre 1951 bis 1961. Jedem Kapitel stellt Rennebaum bekannte und weniger bekannte historische Fakten voran. Dem Autor ist es wichtig, die mit viel Lokalkolorit gefärbte Geschichte auch immer im großen historischen Gesamtkontext zu betrachten. "Die 50er Jahre sind eine Zeit, in der nicht viel passiert ist, und dennoch wurden in dieser Zeit viele Weichen für das gestellt, was für die meisten Deutschen heute selbstverständlich ist", sagt Rennebaum. Wirtschaftswunder, das Wunder von Bern, Anti-Babypille: "Es gab viele Dinge, auf die man nach dem Krieg endlich wieder stolz sein konnte", sagt er. Und deshalb dürfe man "die 50er Jahre nicht auf das Piefige" reduzieren, findet er.

Dennoch ist "Zeitenwende" kein Sachbuch, sondern unterhaltsame Erzählung. Vor der fiktiven Kulisse der Kleinstadt erzählt der Autor mit der nötigen kreativen Freiheit eine glaubwürdige Geschichte, die sich so oder so ähnlich abgespielt haben könnten.

Stiller Held der Geschichte ist dabei nicht eine Person, sondern ein ganzer Landstrich, "der westlichste Winkel der Republik, der sich wie ein langgestreckter Keil zwischen dem großen Fluss und der Grenze zu den Niederlanden schiebt." Und irgendwie ist auch Krefeld ein bisschen Daelhuysen.

"Zeitenwende", Verlag Shaker-Media (www.shaker-media.de), ISBN 978-3-95631-464-3,  Preis 16,90 Euro.

Quelle: RP
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