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Krefeld
Impfrate bei Kindern gut - aber Sprachprobleme

Diese Impfungen braucht man wirklich
Diese Impfungen braucht man wirklich FOTO: dapd, dapd
Krefeld. Laut neuem Bericht zu Schuleingangsuntersuchungen liegt die Impfrate bei Masern sogar überm NRW-Schnitt. Bei der Pluralbildung haben Krefelder Kinder größere Probleme als im NRW-Durchschnitt. Von L. Aeuer, M.-O. Pohl und J. Voss

Krefelds Eltern sind offen für die dringenden Empfehlungen der Ärzte zum Impfen ihrer Kinder - dennoch liegen die Durchschnittswerte bei Impfungen bis auf Masern und Mumps leicht unterm NRW-Schnitt. Im Ganzen aber schätzt Krefelds Gesundheitsbehörde die Durchimpfungsrate bei Kindern, die eingeschult werden, als gut ein. Die Impfrate liegt bei mehr als 90 Prozent. Dies geht aus dem Gesundheitsbericht der Stadt hervor, der die Schuleingangsuntersuchungen 2010 bis 2015 dokumentiert.

Dass ausgerechnet bei Masern die Quote besser ist als im Landesschnitt, darf als Erfolg der Aufklärungsbemühungen in Krefeld gelten. Bei Eltern hält sich das Gerücht, dass das Immunsystem von Kindern allgemein gestärkt wird, wenn sie "Kinderkrankheiten" durchleiden - dem ist aber nicht so. Kinder entwickeln immer nur Abwehrkräfte gegen die eine Krankheit, die sie durchstehen; wer also an Masern erkrankt, ist nicht allgemein widerstandsfähiger, sondern hat nur Antikörper gegen Masernerreger gebildet. Die Krankheit kann aber schwere Folgen haben. In 20 bis 30 Prozent der Fälle treten Begleiterscheinungen wie Durchfall, Mittelohr- oder Lungenentzündungen auf; im schlimmsten Fall drohen Hirnhautentzündung und Tod. Insofern schlagen Ärzte die Hände über dem Kopf zusammen, wenn Mütter mit ihren Kindern zu "Masernpartys" gehen, auf denen Kinder bewusst angesteckt werden sollen, um angeblich ihr Immunsystem zu stärken. Ärzte raten dringen zum Impfen. Nur bei einer Impfakzeptanz von mehr als 90 Prozent sehen Fachleute die Gewähr dafür, die Masern zurückzudrängen. Und das Risiko von Komplikationen durch Impfungen ist drastisch geringer als das Risiko von Komplikationen bei einer Erkrankung.

Impfung - kleiner Piks rettet Leben FOTO: Adam Gregor /Shutterstock.com

Erfolge verzeichnet der Bericht auch beim Kampf gegen Übergewicht bei Kindern. Die Zahl der übergewichtigen Einschulkinder ist von 2010 bis 2014 um drei Prozentpunkte gesunken; dennoch gibt es in Krefeld mehr übergewichtige Kinder als im NRW-Schnitt: NRW-weit sind demnach rund zehn Prozent der Einschüler übergewichtig, in Krefeld sind es zwölf Prozent.

Bedenklich beim Thema Gewicht ist der Anstieg von untergewichtigen und deutlich untergewichtigen Kindern, auch wenn die Quote noch unterm NRW-Schnitt liegt. Demnach wiegen NRW-weit neun Prozent der Einschulkinder zu wenig; in Krefeld sind es sieben Prozent. Untergewicht ist oft ein Zeichen von Verwahrlosung.

Weiter vor Herausforderungen steht die Stadt beim Thema Sprache. Krefelds Migrantenkinder sind im Schnitt weniger des Deutschen mächtig als Migrantenkinder im NRW-Schnitt. 48 Prozent der Einschüler mit Migrationshintergrund sprechen Deutsch fehlerfrei oder nur mit leichten Fehlern, fünf Prozent der Schulneulinge machen erheblich mehr Fehler als der NRW-Schnitt. Bei den Kindern, die gar kein oder nur radebrechend Deutsch sprechen, liegt der Krefelder Wert sechs Prozent überm NRW-Schnitt. Der Bericht belegt auch die Sprachlernfähigkeiten von Kindern: Die Hälfte der Einschüler, die in den ersten drei Lebensjahren überwiegend eine andere Sprache als Deutsch gesprochen haben, beherrschen die deutsche Sprache fehlerfrei oder fast fehlerfrei.

Die grammatikalischen Fähigkeiten von Krefelds Kindern liegen leicht unterm NRW-Schnitt. So beherrschen 74 Prozent der Krefelder Einschüler die Pluralbildung - NRW-weit sind es 76 Prozent. Drei Viertel der Kinder in Krefeld können Präpositionen richtig anwenden. Im NRW-Schnitt sind es sechs Prozent mehr.

Quelle: RP
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