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Kr Wie Krefeld
In Worten siebenundsiebzig

Krefeld. Der Rat hat eine Mammutsitzung hinter sich: 77 Tagesordnungspunkte, 18 bis 24 Uhr, zwischendurch Etatreden und das Kontroversthema Anstalt des Öffentlichen Rechts (AÖR) abgearbeitet. Kommunalpolitiker, dein Vorname ist Sitzfleisch. Karl Valentin hat bekanntlich gesagt "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" - in Abwandlung darf man sagen: Kommunalpolitik ist nicht immer schön, macht aber immer viel Arbeit. Diese Sitzung war ein Grund, mal wieder innerlich den Hut zu lüften und die Ehrenamtlichen für ihren Einsatz mit einem "Chapeau" zu grüßen.

Auch inhaltlich war es eine Sitzung der Entscheidungen: den Anfang vom Ende des Seidenweberhauses eingeläutet, Offensive für Uerdingen auf den Weg gebracht (genannt "Integriertes Handlungskonzept"), Haushalt verabschiedet und den Grundstein für eine Verwaltungsreform gelegt. Es gab schon weniger bedeutende Ratsabende.

Gerade der Punkt AÖR ist in mehrfacher Hinsicht spannend. Dieses Projekt ist zum Erfolg verdammt. Die Gegenargumente der Skeptiker in allen Ehren, aber das drückendste Gegenargument gegen alle Gegenargumente ist die Gegenwart. Wenn mittlerweile in jeder wichtigen Vorlage aus dem Baubereich der Vorbehalt steht, man werde wohl dies und das aus Personalgründen nicht schaffen, ist das eine Bankrotterklärung für einen Organismus, der Daseinsvorsorge betreiben soll. Krefeld ist an einem Punkt, an dem alles besser ist als Stillstand.

Zugleich ist bemerkenswert, wie eindeutig sich Oberbürgermeister Meyer positioniert. Seine Amtszeit wird nun auch daran gemessen, ob dieses mit viel Hoffnungen aufgeladene Projekt glückt. Und es fordert den Kommunikator Meyer: Die nächste Etappe wird es sein, Mitarbeiter und Personalvertretungen ins Boot zu holen.

Dass Meyer so klar Farbe bekennt, ist nicht selbstverständlich. Beim Seidenweberhaus hat er bisher das Feld Dezernent Linne überlassen. Es wäre politisch auch riskant, jetzt schon erkennen zu lassen, was Meyer will. Linne ist da freier: Er macht aus seiner Präferenz für das Kesselhaus keinen Hehl. Die Stimmung im Rat ist da noch sehr unentschieden. Wenn Linnes Favorit scheitert, ist Linne getroffen. Würde Meyers Vision scheitern, wäre es ein Politikum.

Meyer gehört eben zu denen, die stets einen Teebeutel im Schreibtisch liegen haben, weil sie wissen: Manchmal ist es einfach klüger, abzuwarten und guten Earl Grey zu trinken. vo

Quelle: RP
 
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