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Krefeld
Ranga Yogeshwar würdigt Krefelder Entomologen

Insektensterben: Ranga Yogeshwar würdigt Krefelder Entomologen
Ranga Yogeshwar FOTO: Nora Yogeshwar
Krefeld. In seiner jüngsten "Quarks & Co"-Sendung mit dem Titel "Käfer, Hummeln, Schmetterlinge: Sterben die Insekten aus?" hat der TV-Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar die Krefelder Entomologen als wichtige Kronzeugen für einen möglicherweise flächendeckend stattfindenden Insektenschwund genannt.

Diesmal hat er sie nicht - wie in einer früheren Sendung - als "Hobbyforscher" bezeichnet, sondern als "Insektenkundler", die "forschen". Das ist insofern von Bedeutung, als damit die fachliche Seriosität des Krefelder Vereins betont wird. Die Entomologen hatten bekanntlich 2013 Messzahlen veröffentlicht, wonach die Biomasse an Insekten in den Malaise-Sammelfallen des Vereins auf Krefelder Gebiet zwischen 1989 und 2013 um 75 Prozent eingebrochen ist. Die Tiere waren einfach weg.

Zudem erläuterte Yogeshwar, dass die Krefelder ihre Messungen seit 30 Jahren unter gleichen Bedingungen durchführen; so wurde nachvollziehbar, dass die Ergebnisse unanfechtbar sind. Zugleich bettete der TV-Moderator die Befunde in eine Kette von Indizien ein, die ebenfalls für einen dramtischen Schwund an Insekten sprechen - wie weitere Messungen in NRW oder in Regensburg.

Gleichwohl blieb er vorsichtig in der Formulierung, als er auf Ursachen zu sprechen kam. "Unter Verdacht", so lautete eine Sequenz, seien sogenannte Neonicotinoide, also Pflanzenschutzmittel, mit denen Samen von Nutzpflanzen gebeizt wird; die später daraus erwachsenden Pflanzen sind resistent gegen Insekten. Dieses Mittel stehe nach französischen Untersuchungen unter dem Verdacht, bei Insekten die Orientierungs- und Kommunikationsfähigkeit, die Fitness und die Fruchtbarkeit zu schmälern.

Als weitere Ursachen für Insektenschwund nannte Yogeshwar Monokulturen in der Landwirtschaft und Verluste natürlicher Lebensräume. Interessant: Er erläuterte auch einen Punkt, der im NRW-Landtagswahlkampf in Krefeld eine Rolle gespielt hat. Naturflächen müssten, so Yogeshwar, räumlich miteinander verbunden sein, um Verluste in der Tier-Population ausgleichen zu können. Naturschutz-Inseln helfen demnach nicht wirklich - einzelnen Arten eines Areals können sich bei Verlusten mithin nur mit den Beständen aus Nachbar-Arealen erholen. Aus diesem Grund werden Biotopverbundflächen ausgewiesen.

Im Landtagswahlkampf hatte die FDP dem (nun abgewählten) grünen NRW-Umweltminister Remmel angekreidet, bei Bestimmungen aus Berlin und Brüssel immer einen draufzusetzen: So sei von Berlin zehn Prozent Biotopverbundfläche vorgeschrieben; NRW habe daraus 15 Prozent gemacht. Das Argument zielte darauf ab, den Grünen Wirtschaftsfeindlichkeit vorzuwerfen.

Im Nachhinein wird man mit Blick auf den Insektenschwund sagen dürfen: Das Anliegen war und ist wohl berechtigt - nur haben die Grünen und der grüne Minister es nicht geschafft, dieses Anliegen so zu vermitteln, dass die Maßnahme nicht als ideologisch und wirtschaftsfeindlich angegriffen werden konnte.

(vo)
 
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