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Krefeld
Jäger und Naturschützer starten Aktion gegen freilaufende Hunde

Krefeld: Jäger und Naturschützer starten Aktion gegen freilaufende Hunde
Ulrich Borgmann von der Kreisjägerschaft (links) und Reiner H. Rosendahl vom Naturschutzbund zeigen die Schilder ihrer gemeinsamen Aktion. FOTO: Dirk Kamp
Krefeld. Naturschützer und Jäger haben erstmals eine Allianz geschlossen: Sie setzen sich gemeinsam für die Tiere in Wald und Flur ein. Die Aufzucht von Jungen und der Brutbetrieb von Vögeln soll im Idealfall nicht mehr gestört werden. Adressaten ihrer gemeinsamen Kampagne sind Hundehalter, die ihre Tiere frei laufen lassen -immerhin fast jeder zweite. Von Norbert Stirken

Immer mehr Tiere in Krefeld sind vom Aussterben bedroht. Fasane, Rebhühner, selbst Hasen und Rehe sind in verschiedenen Stadtrevieren schon komplett verschwunden. "Die Natur geht vor die Hunde", erklärten Reiner H. Rosendahl vom Naturschutzbund und Ulrich Borgmann von der Kreisjägerschaft gestern im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Formulierung ist mit Bedacht gewählt. Die beiden haben Hundehalter als Teil des Übels erkannt - und zwar die Hälfte, die ihre Vierbeiner in Wald und Flur abseits der Wege frei laufen lässt.

Dabei seien noch nicht einmal die gerissenen Rehe und Vögel das eigentliche Problem. Die Zahl sei noch überschaubar. Vielmehr störten die Hunde und ihre Frauchen und Herrchen Bodenbrüter und Niederwild bei der Aufzucht ihres Nachwuchses. Eier und Gelege würden zerstört oder schutzlos den Beutejägern ausgeliefert, weil der Schutz durch Mensch und Hund verjagt worden sei, erklärte Rosendahl.

Der Vorsitzende des Nabu-Bezirksverbandes freut sich, dass es ihm gelungen sei, "ideologische Gräben" zwischen Jägern und Naturschützern zuzuschütten. Mit dem Plan, durch entsprechende Hinweisschilder mit der Aufschrift "Ich bleibe an der Leine" Hundehalter zu erreichen, habe er sowohl bei den Jägern als auch bei der Unteren Landschaftsbehörde der Stadt Krefeld offene Türen eingelaufen. 60 Stück will alleine die Stadt Krefeld an Wanderwegen und Parkplätzen nahe Naturschutz- und Landschaftsschutzgebieten sowie Grünzonen aufstellen. Darüber hinaus erhalten die Jäger weitere 80 Exemplare zum Aufhängen, für jedes der 16 Jagdreviere in Krefeld fünf.

Rosendahl und Borgmann sehen in der Aktion über den eigentlichen Zweck hinaus ein wichtiges Zeichen. Jäger und Naturschützer in Krefeld reden miteinander statt übereinander. Der Nabu hat darüber hinaus auch schon die Landwirte mit ins Boot geholt. "Wir wissen natürlich, dass die Hundehalter nicht die Alleinschuldigen am Artenschwund sind", sagen die beiden. Der Einsatz von Pestiziden vernichte Insekten als Futter für die Vögel und schwäche das Immunsystem beispielsweise der Rehe. Die Zeiten, in denen Jäger noch den Bestand durch Abschuss regulierten sei lange vorbei. Heute würden fast ausschließlich kranke und deformierte Tiere geschossen.

Der Freizeitdruck tue ein Übriges. Mountainbiker und Geocacher störten in der so wichtigen Zeit von März bis September die Paarung und die Aufzucht der Tiere in den naturbelassenen Gebieten der Stadt. Statt Kiebitz und Lerche, Reh und Hase machen sich zunehmend Waschbären und Marderhunde breit. Im benachbarten Kreis Viersen gebe es bereits mindestens 2000 Wildschweine. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis sich die erste größere Rotte auch in Krefeld breitmache. Spätestens dann ist es an der Zeit, dass Hundehalter ihre Vierbeiner an die Leine nehmen - zum Schutz vor wildem Keiler oder wilder Bache.

Quelle: RP
 
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