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Krefeld
Japanischer Konzern-Boss besucht Gellep

Krefeld: Japanischer Konzern-Boss besucht Gellep
Akihiro Teramachi (64), Gründer und Geschäftsführer des japanischen THK-Konzerns, bei seinem Besuch im ehemaligen TRW-Werk in Gellep. Er hat das Werk und Teile von TRW in Düsseldorf gekauft. Jetzt hat er sich der Belegschaft vorgestellt und seine Pläne erläutert. FOTO: Thomas lammertz
Krefeld. Von den Amerikanern kannte man es nicht: THK-Konzernboss Akihiro Teramachi, der Teile des Autozulieferers TRW gekauft hat, hat sich den Belegschaften in Düsseldorf und Gellep-Stratum vorgestellt. Seine Botschaft: THK soll wachsen. Der Besuch kam gut an. Dahinter steht eine spannende Wirtschaftsgeschichte - und gute Nachrichten für den Standort Krefeld. Von Jens Voss

Am Ende herrschte Zuversicht und Aufbruchstimmung: Der neue Besitzer von Teilen der TRW-Niederlassung in Düsseldorf und des TRW-Werkes in Gellep-Stratum, der Japaner Akihiro Teramachi, hat sich der Belegschaft vorgestellt und seine Pläne erläutert. Allein der Besuch des "CEO" (Chief Executive Officer) ist ein neuer Stil und kam bei der Belegschaft bestens an: "Ich habe es in 25 Jahren, die ich bei TRW gearbeitet habe, nicht erlebt, dass ein amerikanischer Spitzenmanager zu uns gesprochen hat", sagte eine Mitarbeiterin später. Und der Betriebsratsvorsitzende Mehmet Yilmaz resümiert: "Wir gehen optimistisch in die Zukunft."

Teramachi hatte erst die Niederlassung in Düsseldorf besucht und dort zur Belegschaft gesprochen. Danach besichtigte er das Werk in Gellep-Stratum. Seine zentrale Botschaft: Er will mit den Deutschen auf dem europäischen Markt kräftig wachsen. Das ist für Analysten eine gute Nachricht: Wer wachsen will, investiert und glaubt an die Zukunft eines Standortes.

Teramachi beim Rundgang durch das Werk in Gellep, umringt von THK-Werksleiter Eric Schlewitt (2. von links); Europadirektor Hauke Baumann (3.v.r), den THK-Managern Nobuyuki Maki und Katsunori Kobayashi und Gelleper Mitarbeitern. Rechts hinter Teramachi steht Mehmet Yilmaz, THK-Betriebsratsvorsitzender. FOTO: Thomas Schieferstein-Klein / THK

Die TRW-Leute haben eine bewegte Zeit hinter sich. Der amerikanische Autozulieferer wurde aufgeteilt und verkauft: Den größeren Teil übernahm die ZF Friedrichshafen AG, drittgrößter Automobilzulieferer in Deutschland und weltweit führend auf dem Gebiet der Antriebs- und Fahrwerktechnik. Einen kleineren Teil von TRW übernahm die japanische THK, zu deren Gründern Akihiro Teramachi zählt. Der Teil, dessen Geschicke nun von Teramachi gelenkt wird, umfasst 120 Mitarbeiter in Düsseldorf und 300 Leute im Werk in Gellep. Dazu kommen noch rund 1800 TRW-Mitarbeiter in Tschechien, Kanada und Amerika.

Die beiden deutschen Standorte entwickeln und bauen bestimmte Fahrwerkskomponenten. ZF durfte diesen Teil nicht übernehmen: Das Kartellamt hat das untersagt, weil ZF sonst Monopolist geworden wäre. Für die THK ist der TRW-Zukauf strategisch plausibel und sinnvoll: THK bekommt Zugang zum europäischen Markt und hat damit Zugang zu den drei wichtigen globalen Märkten Amerika, Asien (vor allem China) und eben Europa. THK hat bisher - ohne den TRW-Zugang - 9900 Mitarbeiter.

Gruppenbild mit Symbolkraft - Akihiro Teramachi umringt von Mitarbeitern des Gelleper THK-Werks: Dass sich ein Spitzenmanager der Belegschaft stellt, haben die ehemaligen TRW-Leute von ihren amerikanischen Besitzern nie erlebt. FOTO: Nein

Teramachi hat seine Ziele bei der Belegschaftsversammlung in Düsseldorf formuliert: THK soll demnach überproportional wachsen. Die Ziele seien "herausfordernd", betonte er - und zeigte sich optimistisch, dass es zu schaffen ist.

Es war nicht sein erster Besuch: Wie der zuständige IG Metall-Geschäftsführer Ralf Claessen gestern auf Anfrage berichtete, hat es bereits im Frühjahr eine Informationsveranstaltung gegeben, bei der das japanische Management Arbeitnehmervertreter und Gewerkschaften getroffen und einen Fragenkatalog abgearbeitet hat - Ziel war es, den Leuten Ängste und Sorgen zu nehmen. "Das war eine sehr gelungene Angelegenheit", resümierte Claessen gestern auf Anfrage. Er teilt den Optimismus des THK-Betriebsrates.

Bei der Besichtigung in Gellep zeigte sich Teramachi offen und unkompliziert. Er ging auf jeden zu und war bei der Besichtigung sichtlich interessiert an Details und daran, einen realistischen Eindruck zu bekommen - ein Mitarbeiter sagte später, er habe Wert darauf gelegt, keine vorbereiteten Dinge zu sehen.

So fällt das Resümee des Betriebsratsvorsitzenden Yilmaz positiv aus: "Die Belegschaft ist sehr zufrieden mit dem Besuch von Herrn Teramachi. Die Amerikaner haben immer nur kassiert und verlangt, dass die Mitarbeiter auf Geld verzichten, aber in 20 Jahren nicht wesentlich investiert. Das soll sich ändern. Herr Teramachi hat angekündigt, dass THK wachsen und er investieren will; darüber sind wir froh."

Quelle: RP
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