| 15.26 Uhr

Krefeld
Jazz-Gesang rührt zu Tränen

Krefeld. Die Zuhörer erlebten im Kulturpunkt Friedenskirche einen herausragenden Abend. Helen Schneider und ihr Trio beeindruckten mit Herz, viel Gefühl, inniger Interpretation und großer Musikalität. Von Hans Dieter Peschken

Diese Frau lässt alle Wünsche wahr werden. Helen Schneider (57) steht auf der kleinen Bühne im Kulturpunkt der Friedenskirche und singt. In dem intimen Rahmen bietet sie den 200 Besuchern mit ihren "autobiografisch ausgesuchten" Liedern ein außergewöhnliches Konzerterlebnis mit den Standards des so genannten Great American Songbooks, von "Komponisten, die mir viel bedeuten".

Helen Schneider, mit glatter schwarzer Kurzhaarfrisur und sehr roten Lippen, kann hauchen wie bei "Where or when" und ihre Stimme tief im Hals jazzig gurren lassen. "Ihre Seele ausdrücken" will sie, und ihr "Only You" ist frei von Schmalz, aber voller Andacht und Inbrunst, und jeder Zuhörer ist dabei alleine mit der Sängerin. Sie covert nicht einfach, sie interpretiert mit Leidenschaft und Herz.

Dramatische Erzählungen

Jo Ambros (Gitarre), Mini Schulz (Bass) und Meinhard "Obi" Jenne an den Drums sind mehr als exzellente Begleiter, mit ihnen interagiert sie in musikalisch-tänzerischer Körpersprache. Sieben Jahre sind sie zusammen, wie ein "altes Ehepaar", sagt sie. Den Blues hat sie "gefangen", und wenn sie von "Solitude" singt, berührt ihre Innerlichkeit. Als "Beschreibung meines Lebens" nennt Helen Schneider "If loving you is wrong". Es wird eine dramatische Erzählung von der nie falschen Liebe, mit leisen Passagen.

Bob Dylans "Born in time" und "Just like a woman" scheinen für sie geschrieben zu sein, sie schenkt ihnen ein Bühnenleben, das sie aus ihrem genölten Ursprung heraushebt.

Von einem Erlebnis mit einem Vietnam-Veteranen erzählt sie, und "Bang the drum slowly" (Emmylou Harris) ist ein "Anti-Kriegslied", ein gesungenes, anrührendes Drama. Die entstandene "miese Stimmung" ändert sie mit einer Hommage an Peggy Lee, mit "Some cats now" und ist dabei ihrem Vorbild ebenbürtig, mit einem Stimmvolumen, das mächtig ist und diszipliniert.

Udo Lindenberg habe ihr Leben verändert, erzählt die Schneider. Mit ihm tourte sie, und sein "Child again" ist eine Hymne, mit ganz stillen Momenten. Stehend beklatscht das Publikum eine Frau, die sich kultiviert ihrer Stimme bedient, und sie mit der Professionalität 40-jähriger Erfahrung in Clubs, Musicals und Filmen einsetzt.

"Rock'n'Roll Gypsy", erinnernd an ihre Zeit als Rocksängerin, ist ihre erste Zugabe. Aber "Dream a little dream" von den "Mamas und Papas" wird zum Augen-Anfeuchter, zum Lied, mit dem die Besucher sich auf den Heimweg machen. Und sich dabei gewiss sind, einen herausragenden Abend erlebt zu haben, mit einer Sängerin, die alle Ansprüche an hohe Qualität erfüllt hat.

Quelle: RP
 
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