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Krefeld
Jazz im Foyer - fast kammermusikalisch

Krefeld: Jazz im Foyer - fast kammermusikalisch
Pianist Pablo Held, Robert Landfermann (Bass) und Jonas Burgwinkel (Schlagzeug) gewannen beim "Jazz im Foyer" viele neue Fans ihrer Musik hinzu. Ihr kultivierter Musikstil traf den Nerv der Zuhörer. FOTO: T. lammertz
Krefeld. Das Pablo Held Trio brauchte weder große Lautstärke noch klangliche Wucht, um das Publikum im ausverkauften Theaterfoyer zu begeistern. Ein Abend, der ohne vordergründige Effekte beeindruckte. Von Gert Holtmeyer

Es war die richtige Entscheidung: Vor zehn Jahren schlossen sich der Pianist Pablo Held, Robert Landfermann (Bass) und Jonas Burgwinkel (Schlagzeug) zu einem Jazztrio zusammen. Schnell eroberten sie die europäische Jazz-Szene, und auch am Niederrhein erfreuen sie sich großer Beliebtheit. In Krefeld waren sie zuletzt vor fünf Jahren, und auch beim Viersener Jazzfestival sind sie keine Unbekannten.

Jetzt kamen die Musiker auf Einladung des Jazzklubs erneut nach Krefeld und fanden im ausverkauften Glasfoyer des Theaters ein begeistertes Publikum.

Nicht, dass sie so stürmisch und so leidenschaftlich in den Abend gestartet wären, im Gegenteil. Los ging's mit einem Maximum an Behutsamkeit, mit einem einsamen gezupften Ton auf dem Bass und einigen eher angedeuteten Klängen auf den Perkussionsinstrumenten. Der Pianist verordnete sich zunächst mal eine längere Pause. Wie aus einem musikalischen Urschlamm entwickelten sich nach und nach Motive, Themen und Zusammenspiel. Anders als in der Frühgeschichte des Jazz gehen die Drei nicht nach dem Schema "einstudiertes Thema plus improvisierte Variationen" vor. Bei ihnen verschwimmen die Grenzen zwischen Vorbereitung und spontanem Einfall. Sie hören aufeinander, greifen die Impulse der anderen auf und entwickeln Neues daraus. Ihre Instrumente beherrschen sie. Wenn es schnell zugeht, lässt Pablo Held auf dem Piano eine beachtliche Virtuosität erkennen. Wie in den Kadenzen eines klassischen Solokonzerts versetzt er musikalische Bausteine mit hohen technischen Anforderungen. Genau so gut versteht er sich aufs lyrische Fach und entlockt seinem Instrument zarte, impressionistisch angehauchte Passagen. Ähnliches lässt sich auch von Robert Landfermann sagen. Der Kontrabassist rast mit traumwandlerischer Sicherheit über das Griffbrett und beweist zugleich ein sicheres Gespür für die dezenten Untertöne.

Der Dritte im Bunde, Schlagzeuger Jonas Burgwinkel, zeichnet sich ebenso durch die Beherrschung der gegensätzlichen Anforderungen aus. Wenn es erforderlich wird, sorgt er temperamentvoll für rhythmischen Zusammenhalt und den notwendigen Drive. Auf der anderen Seite ist er ein Tüftler, der seinen Instrumenten immer neue Klangschattierungen entlockt. Sympathischerweise setzten die drei Musiker weder auf große Lautstärke noch auf vordergründige Effekte. Fast kammermusikalisch stellten sie das kultivierte miteinander Musizieren in den Vordergrund. Damit trafen sie auch in Krefeld den Nerv ihrer alten und ihrer an diesem Abend neu hinzugewonnenen Freunde.

Quelle: RP
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