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Krefeld
Jazz wie ein Puzzle-Spiel mit "The Bad Plus"

Krefeld. Seit zehn Jahren existiert das Trio "The Bad Plus" stabil in der Besetzung Ethan Iverson (Piano), Reid Anderson (Kontrabass) und Dave King (Schlagzeug) - keine Selbstverständlichkeit in der projekt-orientierten Welt des Jazz. Jetzt durften sich die Besucher des dritten Jazz-Herbst-Konzerts im Glasfoyer des Theaters am lang ersehnten Auftritt der Band erfreuen. Es begann mit dem leisesten Schlagzeug seit Ewigkeiten, denn der famose Dave King verstand es, auch schnelle und komplexe Schlagfolgen quasi auf die Felle zu hauchen und dann erst ganz langsam und subtil zur "normalen" Lautstärke des Trommelspiels zu steigern. Von Mojo Mendiola

Iverson steuerte am Piano ein minimalistisches Plätschern bei, während sich Bass-Mann Anderson als eigentlicher Melodiker betätigte. Und rasch war der Opener mit dem Titel "Everywhere You Turn" auch schon wieder zu Ende. Durchkomponierte und -arrangierte Nummern von oft erstaunlicher Kürze überwogen. So war es nicht nur die Verarbeitung rock-poppigen Ausgangsmaterials, das die Bezeichnung der Titel als Songs - so Anderson in seinen Ansagen - rechtfertigte.

Ein weiteres Markenzeichen des Trios kam deutlich zur Geltung: sein eigenwilliger Umgang mit Rhythmen. Mitunter wirkten die drei, als versuchten sie, Puzzleteile zusammenzusetzen, die nicht zusammengehörten, weil bei der durchaus gängigen Überlagerung unterschiedlicher Rhythmen bei ihnen sozusagen sperrige Ecken übrig blieben. Auch gab es boppende und swingende Ansätze, die aber nicht ausgespielt, sondern alsbald abgebrochen wurden zugunsten anderer Pläne für den Weg des Stücks.

Das beinhaltete mitunter ein gewisses Frust-Potenzial bei Hörern, die gehofft hatten, nun ginge es endlich los und King dürfe sein Können mal richtig ausspielen. Stattdessen kam meist etwas heraus, was man als Salon-Bebop bezeichnen könnte: Technisch beherrschten die drei alles, was es für Bebop braucht, doch hielten sie Distanz zu seinem heißen Magma-Kern. Dennoch bereitete der Vortrag durchaus Vergnügen, und das Publikum im voll besetzten Saal hätte gern mehr als nur eine Zugabe gehört.

Quelle: RP
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