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Krefeld
Jazzattack: Erst schlipp-schlapp-schlorupp, dann Extraklasse

Krefeld. Mit der vermutlich höchstkarätigen Besetzung des Jahres wartete die Jazzattack jetzt auf, und der Jazzkeller war prima besucht. Axel Fischbacher (Gitarre) und Stefan Rademacher (Bass), die sich sonst meist abwechseln in der Gastgeberrolle, standen diesmal gemeinsam auf der Bühne. Hinter ihnen saß der großartige Kurt Bilker am Schlagzeug, und im Zentrum der Aufmerksamkeit stand der Geiger Joerg Widmoser aus München, der international zu den besten seines Fachs gezählt wird. Die Herren ließen es allerdings extrem ruhig angehen.

Langsame Tempi und mainstreamige Melodik bestimmten fast das ganze erste Set. Der Begriff Jazzattack als Synonym für Experiment und Funken schlagende Spannung war eigentlich gar nicht anwendbar, eher schon der Ausdruck, der vor Jahrzehnten mal am Niederrhein für solche Musik benutzt wurde, nämlich "Schlipp-schlapp-schlorupp". In einer Battle mit seinem Landsmann und früheren "Münchner Violin Summit"-Kollegen Mic Oechsner hätte man Widmoser jedenfalls erst mal keine große Chance eingeräumt.

Vor der Pause dann schlagartig der Schwenk mit Charlie Parkers "Au privave". Der flott swingende Blues ging sofort ins Blut, Widmoser boppte, dass es eine Freude war, ließ inneres Feuer spüren, legte Bedeutung in jede Note, steigerte sich und riss die Band mit. Fischbacher war angesteckt und übernahm, wenn auch etwas sehr elektronisch, Rademacher lieferte erst herrlich klassische Linien und landete nach einem kleinen Höhenflug bei einer knackigen, an "Lady Madonna" erinnernden Bassfigur, die er beständig wiederholte, während Bilker darüber eines seiner kleinen, aber feinen Soli trommelte. Einfach toll!

Im zweiten Set zeigte man sich insgesamt aufgeweckter. Im Midtempo kam "Normal", ein Fischbacher-Stück, in dem der Gitarrist selbst mit besonderer Eleganz brillierte und Widmoser erneut Kostproben seiner Virtuosität gab. Ein emotionaler Höhepunkt gelang noch einmal mit "Charlie My Friend". Der Geiger verarbeitete darin seine Trauer um Charlie Mariano. Im Rhythmus eines Bossa Nova spielte er leidenschaftlich blues-betont und erinnerte angenehm an seinen Kollegen Don Sugarcane Harris. In Fischbachers "Confusion Check" nutzten alle vier die Gelegenheit, zum Abschluss funky funkelnde Visitenkarten abzugeben, und das Publikum forderte Zugabe.

(MoMe)
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