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Krefeld
Jazzherbst: Schlagzeuger spielt die Top-Rolle

Krefeld. Ein Trio noch sehr junger Musiker eröffnete im ausverkauften Glasfoyer des Theaters das Konzert des Krefelder Jazzherbstes. Pianist Simon Seidl war mit David Helms am Kontrabass und Fabian Arends am Schlagzeug angereist. In tiefster Seele ein Romantiker, der selbst in einer Hommage an Arnold Schönberg der "schrägen" Tonalität und Rhythmik nicht lange treu bleiben konnte, lebte vor allem von seiner Lust am Fabulieren, glitt zwar nicht ins Easy Listening ab, bewegte sich aber nah daran. Von Mojo Mendiola

Während Helms, mit unvollkommener Tonbildung, oft wie ein Fremder durchs Klangbild streunte, erwies sich Arends mit hochdifferenziertem Spiel als idealer Partner für Seidl, ja, als der eigentliche Top-Mann des Trios. Hatte Angelika Niescier in den letzten Jahren den Eindruck erweckt, als sei ein stotternder Altautomotor ihre einzige Inspirationsquelle, so bot sie diesmal mit Simone Zanchini am Akkordeon und Stefano Senni am Kontrabass, beide aus Italien, ein ganz anderes Bild.

Sie kam nicht als Chefin mit Staffage, sondern hatte in Zanchini einen starken Charakter im Team, der an ihrer Seite nicht nur eigenen Glanz entfaltete, sondern auch konzeptionell starken Einfluss nahm und dadurch Niesciers Spiel mitformte. So gab es keine hypernervösen Staccati, sondern nur einmal einen g inhaltlich begründeten Einsatz solcher Pressluftstöße, sowohl vom Akkordeon als auch vom Horn, in einem Stück von Zanchini, in dem es um die Ermordung eines Anarchisten in einer Polizeistation ging.

Ansonsten nahm Niescier viel Gelegenheit, neben ihrer Blastechnik auch ihre melodische Seite und einen warmen, vollen Ton auf ihrem Tenor zur Geltung zu bringen. Auch die Komposition "Now" über die "Komplexität des Jetzt" war von einer klaren Idee getragen und gelang in wunderschön stringentem Aufbau einer an- und abschwellenden, im Ganzen zunehmenden Steigerung. Und der Akkordeonist bestätigte seinen exzellenten Ruf, schrieb seine als italienisch erkennbare Handschrift und reichte in seiner technischen Finesse und emotionalen Kraft durchaus an Richard Galleano heran.

Hervorragende Arbeit leistete auch Stefano Senni am Viersaiter. Schon im Opener, einer raffinierten Interpretation von "Maria durch den Dornwald ging", bestach er mit seinem warmen, melodiösen und souveränen Spiel und erwies sich auch im Folgenden als hochklassiger Partner. Unwiderstehlich riss die Bearbeitung der polnischen Weise "Schwarze Pferde" mit, in der Zanchini ein nahezu unglaubliches Solo spielte, und dann musste natürlich noch eine Zugabe sein.

Quelle: RP
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