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Krefeld
Jede Pointe ein Lacher bei Jürgen Becker

Krefeld. In der ausverkauften Kufa erklärte der Kabarettist dem Publikum Welt-, Religions- und Kunstgeschichte.

Katholiken, die allen klerikalen Fehlleistungen zum Trotz ihren Humor nicht verloren haben, und unverkrampfte Kunstfreunde, die immer schon mal handfeste Erklärungen für allzu gern künstlich verschleierte Phänomene finden wollten, waren bei Jürgen Becker in der praktisch ausverkauften Kufa genau richtig. Bei Becker wird das Kabarett immer auch zu einem Stück bildender Kunst, denn wer aus Beckers unaufhörlich sprudelndem Quell an geschichtlichen Zusammenhängen, religionsgeschichtlichen Überraschungen und kunstgeschichtlichen Details keinen Zugewinn an persönlicher Bildung mit nach Hause nahm, war wirklich selber schuld.

Von den alten Griechen bis zu Joseph Beuys und von der Erfindung des Papsttums - eine Schnapsidee, wie er fand - bis zu Kardinal Woelki - zumindest bislang kein Feindbild wie Meisner - spannte er den Bogen. Er klärte auf, dass der Bilderreichtum des christlichen Abendlandes - trotz alttestamentlichen Bilderverbots - als kirchliche Werbekampagne nicht zuletzt in Konkurrenz zum Islam entstand, und definierte Theologie als die Kunst, eine Bibelstelle zu finden, die man passend machen könnte. Ferner enthüllte er, dass die Dreifaltigkeit - ein Phänomen, dass es von der Antike bis in die Gegenwart in vielen Religionen gebe - in Köln als Dreigestirn von Prinz, Bauer und Jungfrau erfunden worden sei. Von "Konstantin Opel" und Adam Opel erzählte er, von Rubens, der einen Teil seiner Kindheit in Köln verlebte und dabei wohl Trude Herr begegnet sein müsse, weshalb er hernach aus Sympathie nur üppige Frauenkörper gemalt habe. Das Barock interpretierte er als "Rationalismus im Speckmantel" und fand dabei Gelegenheit, auch Seitenhiebe gegen zeitgenössische Politiker zu verteilen. So verriet Becker, dass Otto Schily in der Toskana einen eigenen Weinberg habe, während Joschka Fischer dortselbst für einen eigenen Weinberg gehalten werde.

Mit profunden Kenntnissen und geistvollem Witz, stets pfiffig illustriert durch Fotos auf der Großleinwand, mit einem Schuss von Feuerzangenbowlenlehrer Paul "Bömmel" Henckels im speziellen Tonfall und einem Touch vom kölschen "Henneschen" in seinem Bewegungsmuster, erntete er für jede Pointe zuverlässig einen Lacher - beste Unterhaltung!

(MoMe)
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