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Krefeld
Job-Programm für Alleinerziehende

Krefeld. Athena Göhtz ist 26 Jahre alt, alleinerziehend und macht zur Zeit eine Ausbildung. Was sich selbstverständlich anhört, ist es aber noch lange nicht. Besonders Mütter, die sich hauptsächlich alleine um die Erziehung des Nachwuchses kümmern, haben oft Schwierigkeiten, einen Job zu finden. "Es hat sich zwar in den vergangenen vier Jahren einiges getan, trotzdem ist es für diese Frauen immer noch sehr schwierig, eine geeignete Arbeitsstelle zu finden", weiß Claudia Brüker, Beauftragte für Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt des Jobcenters Krefeld, aus langjähriger Erfahrung. Von Bärbel Kleinelsen

Athena Göhtz hat nach Einschätzung der Expertin so etwas wie das große Los gezogen, zumal sie eine Teilzeit-Ausbildung in einer HNO-Praxis beginnen durfte. "Es ist der erste solche Fall in Krefeld", betont Brüker und hofft auf weitere Praxen, die Müttern ebenfalls eine Chance geben. Rund zehn Teilzeitausbildungsstellen, schätzt sie, gebe es pro Jahr stadtweit. Die meisten im kaufmännischen Bereich, einige wenige im Handwerk. Athena Göhtz wird zur medizinischen Fachangestellten ausgebildet. Ihre wöchentliche Ausbildungszeit umfasst 30 Stunden. Zum Vergleich: volljährige Auszubildende arbeiten in der Regel 40 Stunden pro Woche.

"30 Stunden Arbeitszeit pro Woche, inklusive Berufsschule, sind notwendig, damit die Ausbildung in drei Jahren abgeschlossen werden kann", erklärt Dr. Joachim Wichmann, HNO-Arzt und Arbeitgeber von Athena Göhtz. Er ist bislang zufrieden mit seiner neuen Mitarbeiterin. An den drei Tagen, an denen die Praxis bis 18 Uhr geöffnet hat, kann der Sohn der Auszubildenden nach der Betreuung im Offenen Ganztag im Wartezimmer spielen, bis seine Mutter fertig ist. "Es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Wir sind ein Team und helfen uns gegenseitig, das ist für das Arbeitsklima auch wichtig", weiß Wichmann. Ihn überzeugte bei der Bewerbung, dass Athena Göhtz trotz Kleinkind ihren Abschluss an der Abendrealschule nachholte. "Vielen jungen Leuten fehlt noch die richtige Einstellung zum Beruf. Bei einer Mutter weiß ich, dass sie bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, da sie es tagtäglich im Umgang mit ihrem Kind unter Beweis stellt", sagt der Mediziner. Diese Einschätzung teilt Nicole Soer, Beraterin im Jobcenter und seit Jahren für Alleinerziehende zuständig. "Wir stellen uns in der Beratung ganz auf die besonderen Bedürfnisse der Mütter ein, die sich hauptsächlich um die Erziehung ihrer Kinder kümmern. Manche sind bereits gut vorbereitet und hoch motiviert, andere fangen bei null an und brauchen etwas mehr Hilfe, beispielsweise bei Betreuungsfragen." Generell seien jedoch viele Mütter gut organisiert, diszipliniert und engagiert. Es lohne sich deswegen für Arbeitgeber, diesen Frauen eine Chance zu geben. Athena Göhtz ist dafür ein gutes Beispiel. Sie hat ihre Chance genutzt und den Einstieg geschafft.

Um unterstützt zu werden, muss man nicht arbeitslos gemeldet sein. Jede Frau, die nach der Familienphase zurück in den Beruf möchte, kann sich helfen lassen. Claudia Brüker ist unter Telefon 02151-7048705 zu erreichen. www.jobcenter-krefeld.de

Quelle: RP
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