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Krefeld
Jochen Butz spottet zugunsten des Boothauses

Krefeld. Krefelds Baudenkmalretter Nummer eins, der Architekt Klaus Reymann, und Gerda Schnell, seine unermüdliche Mitstreiterin in Sachen Bootshaus am Stadtwaldweiher, empfingen die Gäste im Foyer, als Senior-Kabarettist Jochen Butz am Sonntag zum Jahresrückblick ins Stadtwaldhaus bat, denn Butz widmete seinem Auftritt als Benefiz der Sanierung eben jenes Bootshauses.

Unterstützt wurde er von einem akustischen Rock 'n' Roll-Trio, das hin und wieder gekonnte musikalische Atempausen bot, und Butz begann seinen Streifzug durch das Jahr mit dem Stichwort von der "German Angst". Die habe den Alltag 2015 noch heftiger geprägt, als sonst schon in dem Land, in dem sorgengetriebene Muttis ihren Nachwuchs mit Tracking-Apps überwachten, auf dass ihnen nur ja keine Gefahr zu nahe käme. Und in elegantem Bogen thematisierte er jeweils kurz das Ringen mit Griechenlands Regierung, den Konflikt in der Ost-Ukraine, den angeschwollenen Migrantenstrom und die ungute Tendenz zur Renationalisierung in einigen europäischen Staaten.

Beim IS und dessen Untaten, insbesondere in Paris, verweilte er länger und warf die Frage auf, wie denn ein Moslem ernsthaft annehmen könne, im Himmel stünden für jeden Selbstmordattentäter noch 72 Jungfrauen bereit, wo doch Udo Jürgens und andere weltbekannte Schürzenjäger dort schon längst tätig seien. Und ganz im Ernst: Allmählich dürfe man über gar niemand mehr Witze machen, ohne mit religiösen oder ideologischen Eiferern zusammenzustoßen. Vom Himmel kam er auf den Vatikan, wo man Annette Schavan und Tebartz van Elst in neuen Ämtern finden und den Eindruck gewinnen könne, dass dort eine "Endlagerstätte für deutsche Versager" entstanden sei. Da passte der Song "Bad Moon Rising" prima dazwischen, zumal es mit etlichen Negativ-Helden weiterging. Am heftigsten aber trieb ihn der angstbefeuerte Stimmenzuwachs der Rechtspopulisten um. Sich und sein Publikum suchte Butz zu trösten, indem er deren Gefolgsleuten immerhin einen leichten Tod prophezeite, denn sie bräuchten dereinst keinen Geist aufzugeben.

Und was war 2015 in Krefeld? Butz fand, man hätte auf dem Ostwall gebaut und für das Seidenweberhaus geplant, als sei man noch wie vor 125 Jahren die reichste Stadt im Reich, versicherte jedoch, dass Krefeld, auch wenn sich seine Bürger meist nur mit ihrem jeweiligen Stadtteil identifizieren wollten, immer noch die schönste Stadt am Niederrhein sei.

(mome)
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