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Krefeld
Jubel für Romeo und Julia im Kresch

Krefeld: Jubel für Romeo und Julia im Kresch
Ingrid Krusat-Dahmen hat bei den Kostümen Großzügigkeit walten lassen. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Eine kleine Tragödie hatte sich auch kurz vor der Premiere ereignet. Der Laptop mit der vorproduzierten Musik zur Inszenierung war gestohlen worden. Eine Sicherheitskopie existierte nicht. Von Mojo Mendiola

Shakespeare stand erneut auf dem Programm des Kresch, und diesmal hatten sich Regisseurin Anna Brass und ihr jugendliches Ensemble "Romeo und Julia" vorgenommen. Eine kleine Tragödie hatte sich auch kurz vor der Premiere ereignet. Der Laptop mit der vorproduzierten Musik zur Inszenierung war gestohlen worden. Und so unglaublich es klingen mag, dass keine externe Sicherheitskopie davon existierte, auf die man hätte zurückgreifen können, so unglaublich souverän meisterten die jungen Leute diese Lücke. Hätte man um das Fehlen der Musik und um die Qualitäten ihres Schöpfers Jakob Rullhusen nicht gewusst, man hätte die Panne wohl kaum bemerkt.

Allein dafür gehört vor den 21 Darstellerinnen und Darstellern und ihrer Spielleiterin schon tief der Hut gezogen. Eine übergroße Schultafel an der Bühnenrückwand, mit Zitaten aus dem Stück eher beschmiert, denn beschrieben, war schon beinah alles, was Frank Andermahr an Bühnenbild zur Verfügung stellte, und mehr brauchte es auch nicht, zumal Ingrid Krusat-Dahmen bei den Kostümen eher Großzügigkeit hatte walten lassen. Das brachte Farbigkeit und historisches Flair ins Spiel.

In diesem Ambiente folgte die Handlung der bekannten Vorlage - mit der kleinen Ausnahme, dass aus dem Bruder Lorenzo eine Schwester Lorenza mit riesiger Nonnenhaube geworden war. Und zwischen den diversen Hassausbrüchen bot man oft und gern Anlässe zum Schmunzeln und Lachen, zum Beispiel wenn das Fest im Hause Capulet in peinliches Schmierentheater ausartete, wenn Romeo in seinem Werben um Julia unter anderem einen Knödel-Tenor übelster Sorte parodierte oder wenn erotische Anspielungen zwar derb, aber dennoch nicht geschmacklos, sondern ausgesprochen witzig über die Rampe kamen.

Diese unbefangene Direktheit, ja Rotzigkeit, die im bürgerlich feinen Theater eine kleine Ewigkeit lang undenkbar schien, passt nicht nur ausgezeichnet zum Kresch-Theater in der Fabrik Heeder an der Virchowstraße und zur Jetztzeit, sondern lässt sich auch als Rückgriff auf die wenig zimperlichen Darstellungsweisen der Shakespeare-Zeit verstehen. So riss die emotionale Kraft und die innere Anteilnahme der Jugendlichen an ihrem Stück unwiderstehlich mit.

Nur in einem Punkt übertrieb man. Wenn man das ganze Stück hindurch schreit, anstatt die Lautstärke gezielter zu dosieren und zu variieren, dann wirkt das Dauergeschrei eher kontraproduktiv. Dass der Selbstmord des Romeo am Schluss ausblieb und die wiedererwachte Julia ihn lebendig in die Arme schließen konnte, schien hingegen niemanden zu stören.

Das Publikum zollte der Premierendarbietung lange begeisterten Beifall.

Quelle: RP
 
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