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Krefeld
Jugendheim Marianum saniert Wohnhochhaus

Krefeld: Jugendheim Marianum saniert Wohnhochhaus
So sieht die Fassade des Wohnhauses aus. Bei Sturm sind bereits einige asbestbelastete Platten herausgebrochen. FOTO: KFP
Krefeld. Die katholische Armenverwaltung steckt eine Million Euro in die Sanierung des Wohnhochhauses auf dem Geländeck des Kinder- und Jugendheims Marianum. Die Heimleitung spricht von der Heimerziehung als einer Erfolgsgeschichte. Von Otmar Sprothen

Der siebengeschossige Hochbau auf dem Gelände des Kinder- und Jugendheims Marianum an der Hubertusstraße verleugnet seinen Ursprung aus den 70er Jahren nicht. Die Fassade aus asbest-haltigen Zementplatten ist nach einer 40-jährigen Nutzung stark geschädigt. Bei Starkwind fielen bereits einige der Platten in die Tiefe. Die winzigen kastenförmigen Balkone, die ein Architekt als "Honorarbalkone" bespöttelte, sorgen mit ihren Kältebrücken für einen hohen Energieaufwand. "Nun können wir das Wohnheim nach den heutigen Standards sanieren", kündigt Geschäftsführer Norbert Niessen an. "Die schadstoffbelastete Fassade wird fachgerecht entfernt und entsorgt. Sie erhält statt dessen ein modernes Wärmedämmputzsystem." Zusätzlich werden neue kunststofffenster eingebaut. Die 48 Balkone werden vollständig entfernt.

Die Geschäftsleitung rechnet mit einer Bauzeit von sechs Monaten und Kosten von einer Million Euro. Von den 36 Appartements von jeweils 22 Quadratmeter Wohnfläche dienen zwölf in den beiden oberen Etagen als Trainingswohnungen für jugendliche Heimbewohner ab 16 Jahren, wenn sie allmählich in die Selbstständigkeit entlassen werden. "Viele unserer Jugendlichen kamen bereits mit Handicaps zu uns", erklärt Heimleiter Heinz-Werner Knoop. "Vor diesem Hintergrund ist das ein sehr frühes Datum." Der Übergang dieser Jugendlichen wird "fehlerfreundlich" und unter ständiger Rufbereitschaft der Erzieher des Marianums vollzogen.

Die beiden Etagen darunter dienen als Puffer zu den untersten zwei Etagen, die an das Eishockey-Internat des KEV verpachtet sind. Die Puffer-Appartements werden gelegentlich an ausgesuchte Nutzer vergeben. Diese Mischnutzung wirkt sich für die Jungen und Mädchen im Heim positiv aus, denn sie haben mit den Jugendlichen des Sportinternates durchaus Kontakt. Knoop sagt: "Die Funktion der Heimerziehung hat sich geändert. Wir sind heute kein ungeliebtes Kind mehr. Die Zahl der Selbstmeldungen durch Eltern ist auf die Hälfte unserer Belegungen gestiegen."

Die andere Hälfte dient dem Schutz von Kindern, denn das Marianum ist zugleich auch Notaufnahmestelle. "Die Arbeit ist für uns leichter geworden, was den Willen zur Mitarbeit angeht", erklärt Knoop. "Allerdings müssen wir häufiger als früher für psychologische Begleitung sorgen."

Es sind viele Alleinerziehende unter den Eltern, die ausdrücklich eine Heimerziehung nachfragen, da sie mit ihrem Kind allein nicht mehr fertig werden. 60 Prozent der Heimkinder stammen aus Krefeld, der Rest aus Duisburg, Mönchengladbach und den Kreisen Viersen und Wesel. Die Aufnahmeprozedur ist näher an das wirkliche Leben gerückt. "Bevor wir nach Akten fragen, schauen wir uns das Kind in aller Ruhe erst einmal ohne Vorbehalte an", erklärt Knoop.

Das Parterre des Hauses verfügt über eine Mensa, die täglich rund 20 bedürftige Kinder und Jugendliche bis 14 Jahren aus dem umliegenden Viertel mit einer kostenlosen Mittagsmahlzeit versorgt. Dies geschieht in der Nachfolge der Armenspeisung, die die Ordensschwestern der Trierer Borromäerinnen durchführten, als sie noch das Marianum leiteten. In den Räumen der Kindermensa findet auch eine Nachhilfe in den Fächern Mathematik, Englisch und Kunst statt, durch Ehrenamtler.

Quelle: RP
 
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