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Krefeld
Kämpferin für das Hülser Krankenhaus

Krefeld: Kämpferin für das Hülser Krankenhaus
Adelheid Jacobs-Sturm: "Die Position als Krankenhausseelsorgerin übte auf mich einen großen Reiz aus, weil sich hier meine Ausbildungen kombinieren ließen." FOTO: Sunnylight Photography
Krefeld. Seelsorgerin Adelheid Jacobs-Sturm, gelernte Chemikerin, promovierte Ärztin und Theologin, geht in den Ruhestand.

Nach 15 Jahren als katholische Seelsorgerin am Hülser Krankenhaus und Gemeindereferentin an St. Cyriakus wurde Adelheid Jacobs-Sturm am Samstag mit einem Gottesdienst und anschließendem Empfang im Heinrich-Joeppen-Haus in den Ruhestand verabschiedet. Als Ansprechpartnerin und Vertraute für Patienten, Angehörige und Krankenhausmitarbeiter hat die heute 65-Jährige bewegte Zeiten erlebt. Als sie 2001 im damals noch städtischen Krankenhaus ihren Dienst antrat, stand die Klinik wenig später vor einer möglichen Schließung. "Wir hielten Mahnwachen ab und kämpften gemeinsam für den Erhalt des Cäcilien-Hospitals. Hier habe ich zum ersten Mal den starken Zusammenhalt der Mitarbeiter und die große Identifikation der Hülser mit ihrem Krankenhaus gespürt", erinnert sie sich. Als 2007 Helios das Hospital übernahm, war sie erleichtert, auch weil das Team bestehen blieb. "Eine so hohe Kontinuität der Mitarbeiter habe ich noch nie zuvor an einem anderen Arbeitsplatz kennengelernt. Das ist in Hüls schon etwas Besonderes."

Ihr Glaube treibt die gebürtige Düsseldorferin an: "Ich habe nie sortiert, ob überhaupt oder welcher Religion jemand angehört. Für mich war es immer wichtig, für mein Gegenüber ganz da zu sein. Ich betrete ein Zimmer erst dann, wenn ich innerlich ganz frei und offen bin. Sonst bringt es nichts". In mehr als 15 Jahren als Seelsorgerin im Hülser Krankenhaus hat Adelheid Jacobs-Sturm viele Patienten begleitet - auch beim Sterben. Schwere Erfahrungen, die sie selbst aber als Geschenk für ihr eigenes Leben bezeichnet. Auch Angehörigen immer wieder Kraft und Mut zu geben, ist Teil ihrer Arbeit am Cäcilien-Hospital. "Bei den meisten Gesprächen mit Patienten geht es um ungelöste Konflikte und die Reflektion des bisherigen Lebens. Ich unterstütze, die Krankheit aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und so einen guten Weg zu finden. Dabei biete ich auch meinen religiösen Hintergrund an, möchte aber nicht missionieren."

Zur Seelsorge ist Adelheid Jacobs-Sturm über Umwege gekommen: Zunächst diplomierte sie in Chemie, studierte anschließend Humanmedizin, promovierte und arbeitete als Ärztin und in der Forschung. Mit ihrem Mann, ebenfalls Mediziner, bekam sie vier Kinder - und nahm sich erst einmal Zeit für die Familie. Fast nebenbei absolvierte sie ihren dritten Studiengang per Fernstudium: Katholische Theologie. "Ich hatte eigentlich gar nicht vor, die Theologie zu meinem Beruf zu machen. Aber die Position als Krankenhausseelsorgerin übte auf mich einen großen Reiz aus, weil sich hier meine Ausbildungen kombinieren ließen. Mein medizinischer Hintergrund hat mir bei der Seelsorgearbeit oft geholfen."

Für die 65-Jährige war immer klar, dass der Mensch im Krankenhaus nicht nur am Körper gesunden muss, sondern dass auch Geist und Seele leiden und Aufmerksamkeit brauchen. Dabei besucht sie nicht nur die Patienten in ihren Zimmern, sondern ist auch häufig eine zugewandte Gesprächspartnerin für Mitarbeiter und Ehrenamtler: "Viele finden ihren 'Seelsorger' in einem Physiotherapeut oder einer aufgeschlossene Reinigungskraft. Diese kommen dann wiederum zu mir, um das Erlebte zu besprechen und Fragen zu stellen." Grundlage ihrer Arbeit ist Vertrauen und das strikte Schweigegebot, das sie immer sehr hochgehalten hat. Durch die gemeinsame Zeit, das Stück geteilten Lebensweg, sind menschlich nahe Kontakte entstanden, die Adelheid Jacobs-Sturm bereichern.

Den Ausgleich zu ihrer Arbeit findet sie mit ihrem Mann beim Wandern und Radfahren in der Natur. So fährt Adelheid Jacobs-Sturm meist mit dem Rad durchs Hülser Bruch zur Klinik. In ihrem neuen Lebensabschnitt freut sie sich auf mehr Zeit für eine weitere Leidenschaft: Musik, vor allem das Singen.

Quelle: RP
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