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Krefeld
Käpt'n Adrian verlässt das Schulschiff

Krefeld: Käpt'n Adrian verlässt das Schulschiff
Abschiedsfeier mit einer großen Portion Humor: Die Schüler sangen, tanzten und schauspielerten für ihren Schulleiter (oben der Abi-Jahrgang, unten ein Gruß von "Angela Merkel"), OB Meyer (oben rechts) lobte den "Käpt'n eines tollen Teams" und alle Kollegen stimmten Jochen Adrians Lied mit an (unten links). FOTO: Kölker
Krefeld. Schuldirektor Jochen Adrian ging mit einem Lied auf den Lippen. Lob bekam er für sein "unermüdliches Engagement". Von Bärbel Kleinelsen

Es sollte ein rauschendes Schulfest werden. Doch die Bürokratie machte dem Team der Kaiserplatzschule einen Strich durch die Rechnung. Und so musste Krefelds älteste Gesamtschule gestern auf ihr Schulfest zum 30-jährigen Bestehen verzichten. Und das ausgerechnet am Abschiedstag ihres "Käpt'ns", Jochen Adrian, der das Schulschiff elf Jahre lang gekonnt durch viele schulpolitische Unwetter gesteuert hatte.

"Ich hätte mir ebenfalls einen anderen Rahmen für diesen Tag gewünscht und bedauere, dass der 30. Geburtstag nicht mit der Verabschiedung gefeiert werden konnte", erklärte Oberbürgermeister Frank Meyer direkt und nahm mit dem, was er anschließend äußerte, potenziellen Kritikern gleich den Wind aus den Segeln. "Wir werden aus unseren Fehlern lernen und eine für alle Beteiligten gute Lösung finden. Und wenn Sie, Herr Adrian, als Pensionär noch mal ein Schulfest organisieren wollen, dann kriegen wir das viel besser hin, versprochen!"

Oberbürgermeister Meyer beschrieb den scheidenden Schuldirektor als "ungeheuer engagierten Krefelder", der bereits als Knirps in den benachbarten Kindergarten gestiefelt sei, um dort Zaubertricks vorzuführen. Bis heute sei Adrian für Kirche, Sport und Lebenshilfe unermüdlich im Einsatz und habe für seine zahlreichen ehrenamtlichen Tätigkeiten 2005 das Bundesverdienstkreuz erhalten. Dabei habe es auch immer wieder Stimmen gegeben, die gestöhnt hätten: "Jetzt treibt er wieder eine neue Sau durchs Dorf." Doch, so der Oberbürgermeister, Jochen Adrian habe immer gewusst, wohin seine Sau laufe, was sie fresse und welche Vorteile sie am Ende bringe.

"Elf Jahre lang waren Sie Käpt'n eines stolzen Teams zu dem 1300 Kinder, 125 Lehrer und Dutzende weitere Mitarbeiter gehören. Und ich kann sagen, die Kaiserplatzschule ist eine Schule, auf die Krefeld richtig stolz ist", lobte Meyer und überreichte dem angehenden (Un)-Ruheständler die obligatorische "Schulleiter-Vase".

Nicht nur in Krefeld wird das Urteil von Jochen Adrian geschätzt. Lob bekam der "Krefelder Jung" auch aus Düsseldorf. "Sie haben immer sehr gute Lösungen für schwierige Aufgaben wie Inklusion oder Flüchtlings-Integration gefunden trotz aller Kritik und Bedenken bezüglich der zur Verfügung stehenden Ressourcen. Wir in der Bezirksregierung haben ihre pädagogischen Konzepte immer sehr geschätzt. Die Gesamtschule Kaiserplatz ist eine sehr gute Schule", betonte Ulrich Graf, Hauptdezernent der Bezirksregierung.

Wie gut die Schulgemeinschaft funktioniert, bewiesen die pfiffigen und künstlerisch ansprechenden Darbietungen der Schüler. Mit viel Humor beispielsweise gaben Schüler des Literaturkurses ihrem Direktor die "Lizenz zum Ruhestand". Dafür hatten sie einen James-Bond-Film gedreht, in dem die Agenten die Vita Adrians ganz genau unter die Lupe nahmen und gleich zwei Traumata in seiner Kindheit ausgruben: Den ganz jungen Adrian hatte sein Schwimmlehrer mit Absicht ins Wasser geschubst und, oh Graus, als Messdiener hatte er einmal Socken mit verschiedenen Farben angezogen. Auch ein grüner Ganzkörper-Frottee-Anzug, den der jugendliche Adrian voller Stolz trug, entging den Spürnasen nicht.

Einen getanzten Traum präsentierte die achte Jahrgangsstufe. Ganz in schwarz gekleidet und mit weißen Masken vor den Gesichtern bewegten sich die Schüler über die Bühne. Adrian selbst bedankte sich in seiner Rede für die "intensive Zusammenarbeit" bei seinem "tollen Team". Trotz so mancher öffentlich ausgetragener Meinungsverschiedenheiten habe er auch mit dem städtischen Fachbereich 40 viele Jahre "sehr vertrauensvoll zusammengearbeitet". Auch an "fabelhafte Zeiten" erinnerte sich der Schulform-Sprecher und zitierte den bekannten CDU-Politiker mit den Worten "Adrian, halten sie sich zurück." Was er jedoch nicht getan habe.

Zum Abschluss seiner Laufbahn hielt der Schuldirektor an einer liebgewordenen Tradition fest. Seit 2005 textet er für den Abi-Jahrgang bekannte Lieder um, die er selbst vorträgt. In diesem Jahr ist es das Lied der Bläck Fööss "Du bess die Stadt", das zu "Du bist die Schule, zu der wir alle steh'n" wurde. Adrian stimmte das Lied inbrünstig an, und kurz darauf kamen alle Lehrer zu ihm auf die Bühne und sangen mit. Im Zuschauerraum funkelten dutzende Leuchtstäbe. Ein stimmungsvolles Ende mit Standing Ovations für das Kollegen-Team. Dann war's aus. Und Jochen Adrian sagte: "Ich bin dann mal weg. Tschüss".

Quelle: RP
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