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Krefeld
Käufer für Kasernengelände gefunden

Krefeld: Käufer für Kasernengelände gefunden
Das Kasernengelände an der Kempener Allee: Die gelbe Linie markiert die ungefähre Außengrenze, die schwarzen Linien markieren den Bereich, auf dem die Errichtung der Zeltstadt für 700 Flüchtlinge möglich ist. Es ist der frühere Exerzierplatz der Kaserne. FOTO: googlemaps/vo
Krefeld. Mitten in die Debatte um die Unterbringung von 700 Flüchtlingen auf dem Kasernengelände an der Kempener Allee platzt eine für Krefeld fabelhafte Nachricht: Der Bund hat einen privaten Käufer für das Areal, der dort erheblich investieren will. Der neue Eigner hat sich mit dem Land verständigt, dort für begrenzte Zeit eine Zeltstadt für Flüchtlinge zu dulden. Von Jens Voss

Besitzer des Kasernengeländes ist bekanntlich der Bund, der seine Immobilien über die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) verwaltet. Die BIMA teilte gestern auf Anfrage unserer Zeitung mit, dass es einen Käufer für das Gelände gibt, der dort erheblich investieren will. Der Kaufvertrag ist so gut wie perfekt und muss nur noch unterschrieben werden, hieß es. Parallel zu dieser für die BIMA und Krefeld erfreulichen Entwicklung kam dann die Anfrage vom Land auf Nutzung des Geländes für eine Zeltstadt. Auf Vermittlung der BIMA haben sich der künftige Eigner und das Land darauf verständigt, die Zeltstadt für eine begrenzte Zeit zu dulden. Das ist schon deshalb plausibel, weil bis zum ersten Spatenstich immer einige Zeit vergeht.

Mit dieser Information erübrigt sich zumindest eine Befürchtung, die gestern der Vorsitzende des Bürgervereins Nord-West, Alfred Birmes, geäußert hat: "Wir wissen aus ähnlichen Vorgängen in der Vergangenheit, dass Provisorien meist Jahre, wenn nicht Jahrzehnte Bestand haben. Die Asylanten- und Flüchtlingsunterkunft an der Westparkstraße (Eisstadion) ist uns noch in schlechter Erinnerung." Da der neue Eigner investieren will, wird die Zeltstadt nur eine Übergangslösung sein. Wie berichtet, hat das Land die Stadt am Dienstag mit der Mitteilung überrascht, dass es auf dem Kasernengelände eine Auffang-Einrichtung zur Erstaufnahme von Flüchtlingen einrichten wird. Die Zeltstadt soll 700 Menschen aufnehmen können. Birmes kritisiert das Projekt des Landes. "Mit Befremden" habe er von dem Plan gehört, erklärt er in einem Schreiben an Oberbürgermeister Gregor Kathstede, "der Bereich des Krefelder Nord-Westens ist bereits genügend mit Flüchtlingen belegt. Wir bitten um eine gleichmäßige Verteilung auf die Stadtteile." Birmes betont, dass es eine "grundsätzlich positive Einstellung der Bewohner im Nord-Westen" zu den Flüchtlingen gebe, warnt aber davor, die Stimmung sei "durch zu massive Unterbringung von Flüchtlingen gefährdet".

Genug Platz für eine Zeltstadt: Blick von der Mevissenstraße aus über den Exerzierplatz; im Hintergrund die Kasernengebäude, die parallel zur Kempener Allee stehen. Der Platz ist auf dem Bild links schwarz umrandet FOTO: L.S.

Birmes weist darauf hin, dass auch in anderen Stadtteilen Platz für eine Zeltstadt wäre, etwa in Forstwald, im Stadtwald, in Traar, Verberg, Hüls, Bockum, Uerdingen oder auf dem Sprödentalplatz. Birmes forderte auch, nur bedürftige Flüchtlinge aufzunehmen: "Wenn unsere gewählten Politiker es nicht schaffen, nur wirklich verfolgte und aus ihren Heimatländern vertriebene Flüchtlinge aufzunehmen, wofür jeder Verständnis hat, wird die Situation über kurz oder lang eskalieren." Personen aus sicheren Ländern müssten sofort zurückgeschickt werden.

Für akzeptabel halten die Krefelder Grünen die Herrichtung eines Zeltlagers für die Erstaufnahme. "Angesichts der großen Not der Flüchtlinge aus den Krisengebieten und der erfreulichen Hilfsbereitschaft seitens der Bevölkerung hoffe ich, dass die positive Grundstimmung weiterhin anhält", erklärte die Fraktionsvorsitzende Heidi Matthias. Sie betonte aber, das Zeltlager könne nur eine Notlösung sein.

Quelle: RP
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