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Krefeld
Kaminski macht Kids fit für den Verkehr

Krefeld: Kaminski macht Kids fit für den Verkehr
Bezirksbeamter Robin Kaminski zeigt den Vorschulkindern Liam, Annika, Florian und Jan (v.l.), wie sie sicher über die Glockenspitz kommen. Die Kinder sollen lernen, auch auf Radfahrer zu achten. FOTO: Kinderinsel
Krefeld. Der Bockumer Bezirksbeamte trainiert seit über vier Jahren mit Vorschulkindern das richtige Verhalten an und auf der Straße. Von Bärbel Kleinelsen

Die Vorschulkinder sind aufgeregt und wuseln durcheinander. Heute ist für sie ein besonderer Tag. Zu Besuch in der Bockumer Kindertagesstätte "Kinderinsel" ist "ein echter Polizist", wie Florian (5) lautstark erklärt und stolz auf den Herrn in der blauen Uniform zeigt.

Robin Kaminski ist Bezirksbeamter in Bockum, und damit auch für die Verkehrserziehung in den Kindergärten seines Bezirks zuständig. "Erfreulicherweise beteiligen sich alle Krefelder Kindergärten an der Verkehrserziehung. Das ist schon mal ein guter Anfang", sagt der 53-jährige Polizeihauptkommissar und bittet die Eltern der angehenden Schulkinder zum Gespräch.

Denn "erzogen" werden bei diesem Besuch nicht so sehr die Kinder, sondern vielmehr ihre Eltern. "Die Eltern sind die Vorbilder. Sie müssen nicht nur mit ihren Kindern das richtige Verhalten im Verkehr trainieren, sondern sich auch selbst an die Regeln halten. Machen sie es nicht, werden es auch ihre Kinder nicht tun", weiß Kaminski, der seit über vier Jahren als Verkehrserzieher unterwegs ist. Er bedauert, dass an einigen Kindergärten nur wenige Erwachsene den Unterricht begleiten. Schlechte Voraussetzungen, um ein Kind fit zu machen für die ersten Solo-Gänge, beispielsweise den Schulweg.

In der "Kinderinsel" sind die Erziehungsberechtigten fast vollständig anwesend und hören konzentriert den Ausführungen des Experten zu. Vieles ist auch für die eingefleischten Verkehrsteilnehmer neu. So erfahren sie, dass der Zebrastreifen ein Auslaufmodell ist und von vielen Autofahrern heute einfach ignoriert wird. Sicher ist er deswegen nicht mehr. "Selbst wenn der eine Autofahrer anhält, kommt vielleicht ein anderer, der weiterfährt. Diese Situation richtig einzuschätzen, überfordert Kinder", warnt Robin Kaminski und rät den Eltern, dem Nachwuchs beizubringen, immer erst bei freier Fahrbahn die Straße zu überqueren. Anhaltende Autofahrer sollen die Kinder durch Handzeichen zur Weiterfahrt animieren.

An der Glindholzstraße üben Annika, Florian, Jan und Liam den Ernstfall. Begeistert winken sie die Autos durch, die Polizist Kaminski extra für sie gestoppt hat. Dann überqueren die Vorschulkinder nacheinander die Fahrbahn. Den korrekten Ablauf zeigt Liam (6): Er geht bis zum Stopp-Stein (besser bekannt als Bordsteinkante) und stellt sich vor dem Stein auf. Dann schaut er zweimal in beide Richtungen, ob auch kein Auto kommt.

Der Bezirksbeamte fragt die Kinder: "Können denn nur Autos kommen?" Die Kleinen schütteln die Köpfe und zählen auf: "Radfahrer, Müllwagen, Betonmischer, Mopeds, Motorräder..." Den Eltern erklärt der Experte: "Erst mit ungefähr zehn Jahren können Kinder die Geschwindigkeit eines Fahrzeuges richtig einschätzen. Deshalb haben Sie Geduld und drängen Sie das Kind nicht, auch wenn für Sie klar ist, dass das Auto noch weit weg ist." Was Kinder ebenfalls von Erwachsenen unterscheidet: Ihre Reaktionszeit ist dreimal so lang und ihr Blickwinkel deutlich eingeschränkt. Deswegen gilt: Kinder müssen den Kopf immer drehen, wenn sie schauen, ob ein Fahrzeug kommt. Sie dürfen nicht über die Straße rennen, um Stürze zu vermeiden, und sollten sich bei der Überquerung Zeit lassen. Doch was tun, wenn überall geparkte Autos stehen und kein Kind die Fahrbahn sehen kann?

Jan (6) macht es vor. Vorschriftsmäßig hält er am "Stopp-Stein". "Nun musst du gucken, ob jemand in den parkenden Autos sitzt. Denn dann könnte das Auto auf einmal rückwärts fahren", erklärt Kaminski. Die Kinder kontrollieren die Autos. Alle leer. Jan geht zwischen den parkenden Fahrzeugen hindurch und hält sich an einem Wagen fest, um sich vorbeugen zu können und die Fahrbahn zu sehen. Ungläubige Blicke der Erwachsenen. Doch der Polizist sagt: "Ja, ein parkender Wagen darf berührt werden. Da kann keiner etwas gegen sagen. Das Berühren dient der Sicherheit der Kinder und ist von der Polizei ausdrücklich erwünscht." Jan hat inzwischen die Lage gecheckt und geht los. Alles richtig gemacht. Die anderen klatschen. "Loben ist wichtig. Das kann man gar nicht oft genug machen", sagt Robin Kaminski.

In sechs Wochen wird der Bezirksbeamte Kinder, aber vor allem Eltern prüfen. Haben die Großen gut mit den Kleinen geübt? Die Vorschulkinder freuen sich schon. Denn dann wird der "echte Polizist" Urkunden und kleine Geschenke für die angehenden Verkehrs-Profis mitbringen. Und ganz viel loben.

Quelle: RP
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