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Krefeld
Prinzessin Danny: "Der Zugausfall ist für uns eine emotionale Katastrophe"

Rosenmontag in Krefeld: Prinzenpaar nach Absage untröstlich
Krefeld. + + + Prinzenpaar untröstlich + + Karnevalisten-Debatte, ob der Zug nachgeholt wird + + + Trotziger Mini-Umzug der Garden + + Heute fährt Prinzenwagen beim Breetlookzug in Hüls mit + Von J. Niessen, H. Rasche, N. Stirken und J. Voss

Für viele tausend enttäuschte Karnevalsbegeisterte in Krefeld ist der höchste Feiertag der fünften Jahreszeit gestern mit dem Gefühl zu Ende gegangen, dass der Rosenmontagszug unnötigerweise abgesagt wurde. Das angekündigte Unwetter blieb tagsüber aus; lediglich gegen 15 Uhr wurde der Himmel für eine viertel Stunde schwarz vor Regen. Besonders enttäuscht: das Krefelder Prinzenpaar Danny I. und Oliver I..

Sie rangen nach der Bekanntgabe der Zugabsage über Stunden um Fassung; es flossen Tränen, und auch viele ihrer Minister hatten Tränen in den Augen, als sich die enttäuschten Garden gestern am Theaterplatz sammelten. "Es ist für uns eine emotionale Katastrophe. Der Rosenmontagszug ist für uns als eingefleischte Karnevalisten der absolute Höhepunkt. Das zu verdauen ist schwer", sagte eine sichtlich mit Tränen kämpfende Prinzessin. Trostpflaster: Heute wird der Prinzen- und ein Gardewagen beim Breetlook-Zug in Hüls mitfahren. Die Einladung ist gestern Abend ausgesprochen worden.

Offenbar führte am Morgen kein Weg an der Entscheidung vorbei. Ein Krisenteam aus Feuerwehr, Polizei, Stadtverwaltung und Vertretern des Comitees Crefelder Carneval (CCC) hatte um kurz nach neun die Entscheidung gefällt: kein Zug. Grund war die Wettervorhersage, die auch für das Krefelder Stadtgebiet Sturmböen der Stärke acht bis zehn voraussagte.

Zu diesem Zeitpunkt hatte bereits Düsseldorf seinen Zug abgesagt. "Wir hatten keine andere Wahl", sagte Rainer Küsters, Präsident der Prinzengarde, "was sollen wir machen, wenn die Feuerwehr uns sagt, es sei zu gefährlich. Es war auch die Rede von herabfallenden Dachziegeln oder herabstürzenden Aufbauten bei den Wagen. Das Risiko, dass jemand zu Schaden kommt, konnte und wollte niemand in Kauf nehmen."

Nun diskutieren die Karnevalisten, ob der Zug später zieht. "Wir werden uns in den kommenden acht Tagen zusammensetzen, um zu beraten, ob und wann wir den Rosenmontagszug nachholen", berichtete Albert Höntges, CCC-Vizepräsident und Zugleiter, gestern auf Anfrage unserer Redaktion. Der Ausfall des Rosenmontagszugs hat den wackeren Karnevalisten hart getroffen. "Das ist sehr, sehr traurig. Vier Monate intensiver Arbeit waren für die Katz", sagte er.

2000 Teilnehmer und zahlreiche Wagen und Kapellen haben die Organisatoren noch rechtzeitig vom Ausfall des Umzugs informieren können. Der geplante Treffpunkt Sprödentalplatz blieb entsprechend von Kostümierten und Uniformierten frei.

Das Wurfmaterial wollen die Jecken für das nächste Jahr einlagern. Die Kamelle seien zum größten Teil bis 2017 haltbar, informierte Höntges. Bälle und Schlüsselanhänger könnte ohne Probleme aufbewahrt werden, und für den Blumenschmuck der Festwagen haben die Karnevalisten schnell eine neue Verwendung beschlossen. Die bunte Blumenpracht wird an Senioreneinrichtungen gespendet. "Damit machen wir den älteren Menschen eine Freude", erklärt Höntges.

Sollten die Jecken tatsächlich im Frühjahr einen Ersatzzug auf die Beine stellen, träfen sie mit diesem Plan auf offene Ohren bei Oberbürgermeister Frank Meyer und der Stadtverwaltung. "Wir sind gerne bereit, unterstützend und beratend tätig zu werden", sagte Stadtsprecher Timo Bauermeister. Für manchen Jecken auf der Straße ist die Entscheidung, den Zug abzusagen, nicht nachvollziehbar. Doch mit Blick in die Versicherungspolicen war dieser Schritt mehr als richtig. Denn: Ab Windstärke 8 sprechen die Versicherungen von Sturm. Dann gilt "höhere Gewalt" und die Police greift nicht mehr. "Die Verantwortlichen sollten sich in diesem Moment wohl überlegen, den Zug zu starten. Dann könnte ein Haftungsrisiko entstehen", erklärt Horst Pawlik, Sprecher der Versicherungskaufleute.

Eine gültige Haftpflichtversicherung ist für einen Karnevalszug ein Muss. Je nach Größe und Länge des närrischen Lindwurms ist hierfür ein vierstelliger Euro-Betrag zu zahlen. Abgesichert sind unmittelbare Unfälle durch den Zug. Dazu zählt die durch geworfene Kamellen zu Bruch gegangene Brille, aber auch der Personenschaden, sollte ein Pferd durchgehen und in die Zuschauermenge geraten. Parallel schließen viele Gesellschaften für ihre Teilnehmer im Zug noch eine Unfallversicherung ab.

Natürlich ist es auch möglich, sich gegen den Ausfall des Zuges zu versichern. "Mir ist nicht bekannt, dass eine solche Versicherung für irgendeinen Zug am Niederrhein abgeschlossen worden ist", so Pawlik. Die Kosten hierfür würden durchaus im fünfstelligen Euro-Bereich liegen. Bei einem Zugausfall schauen neben aktiven Jecken und Zuschauern auch die Sponsoren in die Röhre.

Doch viele Karnevalsfunktionäre sehen das im Moment eher gelassen. Hier zahlt sich vor allem langjährige Treue aus. Und: Schließlich will man auch 2017 wieder zusammenarbeiten.

Quelle: RP
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