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Krefeld
So funktioniert die Sitzung der "Labersäcke"

Krefeld: So funktioniert die Sitzung der "Labersäcke"
Tolle Gäste im Stadtwaldhaus: bunt kostümiert, begeisterungsbereit und - wenn es angebracht ist - auch mucksmäuschenstill. FOTO: T. Lammertz
Krefeld. Das ist selten im Karneval: 400 Narren schaffen im Laufe der Sitzung mehrfach den Wechsel von fröhlichster Ausgelassenheit zu vorbildlicher Aufmerksamkeit. Da können "Die Dollen" auch Unterricht in Zeitgeschichte geben. Von Jochen Lenzen

Schon vor Sitzungsbeginn präsentieren sich am Sonntagvormittag knapp 400 bunt kostümierte Narren in bester Laune im Stadtwaldhaus, und schon beim ersten Programmpunkt, dem Büttredner-Duo "Harry un Achim", stehen sie begeistert und lautstark applaudierend im Saal. Wenig später erscheint Tino Selbach, "Dä Kölsche Tenor", im klassischen schwarzen Frack auf der Bühne, und das zuvor fast unbändig aufgekratzte Publikum hört mucksmäuschenstill zu. Der Tenor singt stimmungsvolle, hymnische Arien, und als er seinen Auftritt bei den "Labersäcken" mit dem "Nessun dorma" beendet, erntet er zuerst verzückte Blicke und dann stürmischsten Applaus.

Der Wechsel zwischen ausgelassner Begeisterung und, ja, fast schon höflicher Aufmerksamkeit kennzeichnet das Publikum der rund 40 vor, hinter und auf der Bühne aktiven "Labersäcke", die zu ihrer 16. Pappnasensitzung eingeladen hatten. Da stört es nicht mal, dass die Gäste jederzeit die Tische verlassen können, um sich hinten an der Theke Imbisse in den Saal zu holen oder vor der Tür zu rauchen.

Das Saalprinzenpaar 2016: Joachim I. und Dörthe I. FOTO: Veranstalter

Ein Garant für die angesprochnen Stimmungswechsel im positivsten Sinn ist der Präsident der Sitzung, "Schwaadsack" Andreas Dams, der in rotem Polohemd, Jeans und Turnschuhen auf der Bühne durch die Sitzung führt. Er tritt selbst bei vielen Sitzungen auch weit über Krefeld hinaus als Büttredner und Sänger "Der liebe Jung" auf, weiß, wie Sitzungen ablaufen, und erlebt dabei Präsidenten unterschiedlichster Temperamente und Talente. Dams versteht es, einen Saal hochzupeitschen und ihn wenig später wieder "runterzuholen". Nebenbei profitieren die "Labersäcke" - nicht zuletzt auch unter finanziellem Aspekt - von seinen Kontakten zu den Künstlerkollegen.

Das Mitsingen des Publikums, ob zu schunkelseeligen Karnevalsliedern oder bekannten Hits der Popmusik, ist essenzieller Bestandteil der "Labersäcke"-Sitzung. Als Redner und Sänger Guido Hoss alias "Mr. Feinripp" ebenso pointen- wie tonsicher auftritt, hält er bei den Refrains immer wieder das Mikro in Richtung Publikum, das bei den bekannten Songs die Texte mitsingt und zu Rock- und Blues-Rhythmen begeistert mitklatscht.

Eine Besonderheit der Pappnasensitzung ist immer die Kürung eines Saalprinzenpaares: Zuvor von den Organisatoren angesprochen, kommen zwei Pärchen auf die Bühne und kämpfen in Dalli-Dalli-Manier um Punkte, bis nach spannendem - und vom Publikum wieder aufmerksam verfolgten - Duell die Gäste Joachim und Dörthe als Sieger mit Schärpen, Pappnasen und Urkunden ausgezeichnet werden.

Die "Labersäcke" selbst leisten mit Frank Nestvogel, Roland Kuller, Schorsch Stienen, Michael Bongartz, Heiko Päplow, Michael Heifelds und Andreas Dams als "Die Dollen" auf der Bühne einen entscheidenden Beitrag zum Gelingen der Sitzung: Diesmal dreht sich alles um die 80er Jahre: Zwischen vorgelesenen Fakten aus Politik und Gesellschaft werden Rock- und Schlagerklassiker aus jener Zeit eingespielt, zu denen die Akteure - hinter der Berliner Mauer immer wieder blitzschnell umgezogen - Udo Lindenberg, Bruce Springsteen oder Nicole mit ihrem bisschen Frieden parodieren. Superlaune versprühen auch ihre Reminiszenzen an damalige TV-Werbespots. Wenn ein "Labersack" als Gemüsedose verkleidet erscheint, singt das Publikum mit: "Bonduelle ist das famose Zartgemüse aus der Dose!" Kein Halten gibt es, als David Hasselhoff zum Einsturz der Berliner Mauer sein "I've been looking for Freedom" schmettert: Der komplette Saal steht - etwas später sogar auf den Stühlen!

Quelle: RP
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