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Niederlage für Bayer vor Gericht
Kasino in Krefeld darf nicht abgerissen werden

Niederlage für Bayer vor Gericht: Kasino in Krefeld darf nicht abgerissen werden
Der 1961 fertiggestellte Bau schmiegt sich elegant in die Rheinlandschaft. Das ist unbestritten. Umstritten ist, ob das Gebäude unter wirtschaftlich zumutbaren Bedingungen erhalten und sinnvoll genutzt werden kann. FOTO: bkö
Krefeld. Bayer konnte sich mit seinen Argumenten nicht durchsetzen: Weder der Hinweis auf die - schon aus energetischen Gründen immense - Unwirtschaftlichkeit noch Bedenken, ob sich für das Gebäude überhaupt noch eine Nutzung findet, verfingen vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf. Die Richter entschieden: Das Gebäude darf nicht abgerissen werden. Von Jens Voss

Die Klage von Bayer Real Estate als Eigentümer des Bayer-Kasinos gegen die Unterschutzstellung des Kasinos wurde abgewiesen; das Verwaltungsgericht Düsseldorf hat zugleich die Unterschutzstellung hinsichtlich des Parks um das Kasino herum aufgehoben. Ebenso abgewiesen wurde die Klage auf Erteilung einer Abbruchgenehmigung. Dies hat eine Bayer-Sprecherin auf Anfrage mitgeteilt. "Wir prüfen derzeit, wie wir weiter vorgehen", heißt es weiter.

Der Spruch hat sich schon am ersten mündlichen Verhandlungstag abgezeichnet. Das Gericht hatte Zweifel daran erkennen lassen, dass Bayer alle Möglichkeiten eines wirtschaftlich vertretbaren Erhalts des Gebäudes ausgeschöpft hat (wir berichteten). Bayer hatte 2013 erklärt, eine Komplettsanierung des Gebäudes würde mehr als zehn Millionen Euro kosten, dazu kämen jährlich 300.000 Euro Energiekosten.

Die Frage der Nutzung ist weiter völlig offen. Die Lage setzt Nutzungen enge Grenzen. Das Bauwerk befindet sich im sogenannten Außenbereich innerhalb einer Störfallzone nach der Seveso-II-Störfall-Richtlinie. Dort sind nach Auskunft der Stadt nur chemparkspezifische Nutzungen möglich. Nutzungen im Kultur-, Hotel- oder Restaurantbetrieb sind ausgeschlossen; auch Flüchtlinge durften deshalb dort nicht untergebracht werden.

Für den Chempark bedeutet die Entscheidung zudem ein Hemmnis an strategisch wichtiger Stelle. Das Rheingrundstück, auf dem das Kasino liegt, ist als möglicher weiterer Zugang zum Rhein wichtig. Bayer hat immer die Option geltend gemacht, dort einen zweiten Anleger für Rheinschiffe zu installieren. Der Spruch des Gerichts ist damit aus Sicht des Chempark doppelt schwierig: Es ist keine sinnvolle Nutzung in Sicht, und der nun erzwungene Erhalt blockiert die wirtschaftliche Entwicklung der Industrie dort. Die Schutzwürdigkeit des Kasinos ist unter Krefelds Kulturpolitikern umstritten - ähnlich wie die Denkmalwürdigkeit der Gaststätte Et Bröckske. "Der Abriss ist in manchen Fällen die einzige Lösung", hatte etwa der damalige CDU-Sprecher im Denkmalausschuss, Hans-Peter Kreuzberg, 2013 gesagt. Gegenstimmen kamen aus der SPD: Gerda Schnell, damals Vorsitzende des Denkmalausschusses, hatte seinerzeit das Kasino als "wunderschönes Gebäude" gewürdigt, "rein kommerzielle Interessen" dürften nicht im Vordergrund stehen.

Im September 2013 besichtigte der Krefelder Denkmalausschuss das Bayer-Casino. Das Foto lässt Modernität und ästhetische Qualität der Innenräume ebenso erahnen wie die reizvolle Öffnung zur Rheinlandschaft hin. FOTO: Lammertz

Das Bayer-Kasino wurde von dem aus Krefeld stammenden Architekten Helmut Hentrich geplant und 1961 eingeweiht. In dem Gutachten des Landschaftverbandes zur Denkmalwürdigkeit heißt es, an der Erhaltung des Kasinos bestehe "aus architekturgeschichtlichen und geschichtswissenschaftlichen Gründen ein öffentliches Interesse". Neben der architektonischen Qualität - so besitze das Kasino "eine der am konsequentesten gestalteten Metall-Glasfassaden seit der Textilingenieurschule von Bernhard Pfau (1951-54) am Frankenring" - veranschauliche das Kasino ein Stück Sozialgeschichte: Die Modernität der Architektur kontrastiere demnach mit der strikten Hierarchisierung zwischen Direktion, Angestellten und Arbeitern, die im Inneren des Gebäudes zum Ausdruck komme: "Die innere Struktur des Kasinos veranschaulicht die soziale Trennung der Werksangehörigen und ist daher sozialgeschichtlich bedeutend", heißt es in dem Gutachten. "Während das Kasino äußerlich wie aus einem Guss erscheint, ist das Gebäude im Innern stark hierarchisch in die Bereiche für das Kasino-Personal im Untergeschoss und im Funktionskern, die Werksangestellten, die leitenden Angestellten und den Trakt für Werksleitung und ihre Gäste gegliedert."

Quelle: RP
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