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Martin Rütter
"Katzen sind egozentrischer"

Martin Rütter: "Katzen sind egozentrischer"
Der Hundetrainer Martin Rütter ist am Freitag mit seinem Comedyprogramm im Königpalast zu Gast. Dort wird er Hundehaltern einen Spiegel vorhalten. FOTO: Klaus Grittner
Krefeld. Der "Dogfather der Hundeerziehung", wie sich Martin Rütter selbst nennt, ist nach mehreren TV-Formaten nun auch mit einem Comedyprogramm unterwegs. Am Freitag kommt er in den Königpalast. Ein Gespräch über Hundehalter.

Erstaunlicherweise ist Hundetrainer heute nicht mehr nur ein Beruf, sondern auch so etwas wie ein Auftrag. Den Auftrag, den Herrchen unterhaltsam den Spiegel vor zu halten. Mit dem US-Amerikaner Cesar Milan gibt es fast eine Art Weltstar der Branche, der es vorzieht, sich rar zu machen und seinen Fans nur kurze Audienzen zu gewähren. Ist die Branche verrückt geworden? Immerhin: Deutschland hat den Duisburger Martin Rütter, der im Fernsehen als Vox-Hundeprofi unterwegs ist. Man erwischt den viel beschäftigten Rütter am Telefon.

Herr Rütter, warum fällt es vielen Menschen leichter, einen Hund zu lieben als einen Menschen?

Martin rütter (lacht) Das ist aber erstmal eine steile These. Ich rede ja in meinem Programm davon, dass Männer davon träumen, einmal so geliebt zu werden wie der Hund. Das ist aber natürlich ein wenig provokativ. Viele Menschen haben aber schon eine wahnsinnig enge Beziehung zu ihrem Hund, was auch daran liegt, dass die Gesellschaft immer anonymisierter und technisierter wird. Der Hund wird dadurch als vollwertiger Sozialpartner betrachtet - und er gibt ja auch viel. Das kann ein Wechselspiel sein mit der Zuneigung.

Hundehalter übertragen gerne ihr eigenes Verhalten auf das der Hunde, etwa wenn sie sie vegan ernähren wollen. Ist das klug?

rütter Das ist ganz weit weg von klug. Da packst du dir als Hundetrainer an den Kopf. Man selber hat die vegane Ernährung für sich entdeckt und das ist ja auch gut, dass wir über solche Dinge nachdenken. Aber der Hund ist ein Fleischfresser. So etwas ist ein Fall für einen ganz anderen Therapeuten.

Hunde sind oftmals nicht einfach Haustiere, sondern eigentlich gewichtige Familienmitglieder. Sie haben Namen, Schlafplätze, Rechte und Bedürfnisse. Woher kommt diese unendliche Faszination für den Hund?

rütter Das liegt an der engen Sozialpartnerschaft. Hunde sind Kulturfiguren und waren schon immer nah am Menschen. Das ist sehr stark damit zu begründen, dass der Hund eine Art Nutztier war und immer auch schon ein Sozialpartner. Das hört aber nicht in Deutschland auf, sondern ist auf der ganzen Welt so. Ob in Papua-Neuguinea oder bei den Inuit - überall spielen Hunde eine große Rolle.

Hunde tauchen hier und da auch als Accessoire auf und schauen etwa aus schicken Handtaschen. Was sagt denn der Hundepsychologe in Ihnen?

rütter Da stehen mir die Nackenhaare hoch. Wenn man ganz kleine Hunde mal ein Stück trägt, weil man Angst hat, dass sie überfahren werden, dann ist das ja okay. Aber wenn er nur noch getragen wird, dann wird man dem Hund nicht gerecht. Das ist eine Zivilisationskrankheit. Der Hund bleibt ein Tier.

Warum ist es eigentlich so wichtig, dass ich meinen Hund erziehe?

rütter Erziehung bedeutet maximale Freiheit für den Hund. Wenn der Hund jedem Jogger, jedem Radfahrer hinterherjagt, dann muss er immer an der Leine sein. Wichtig ist, zwischen Dressur und Erziehung zu unterscheiden - und ich betreibe keine Dressur. Und zur Erziehung gehört auch eine Beziehung. Es geht nicht bloß um Befehl und Gehorsam.

Was sind die häufigsten Fehler von Hundehaltern?

rütter Die Vermenschlichung ist schwierig. Wenn man den Hund als vollwertigen menschlichen Ersatz ansieht und nicht mehr als Hund, dann ist das schlimm. Ich muss den Hund auch als Hund betrachten. Viele Hunde sind auch unterbeschäftigt, sie brauchen ebenfalls geistige Aufgaben, nicht bloß einmal am Tag Auslauf. Auch ein Problem ist, dass die Verhaltensweisen von Hunden oft unklar sind und fehlinterpretiert werden. Etwa: Schwanzwedeln ist selten ein Zeichen von Freude.

Sie erziehen Hunde auch mit Luftstößen. Da erschreckt man sich ja schon als Zuschauer. Für die Hunde ist das aber nicht so schlimm?

Rütter Doch, für die Hunde ist das hochdramatisch. Das ist immer aber auch nur das allerletzte Mittel, nachdem ich die Ursachen bearbeitet oder Alternativen geprüft habe. Das machen wir nur bei zwei von 200 Hunden, bei denen ist die Beziehung schon kaputt und ich kläre die Leute dann auf, dass das hochtraumatisch für die Tiere sein kann. Ich finde es daher auch absolut falsch, dass dieses Gerät freiverkäuflich ist.

Was ist eigentlich an Hunden generell so lustig? Oder ist das eher der unbeholfene Umgang mit ihnen?

Rütter Immer wenn man Beziehungsstrukturen betrachtet, dann hat das ja eine humorvolle Komponente. Mein Programm ist ja auch kein reines Comedyprogramm. Ich halte den Menschen den Spiegel vor - aber auf eine sehr unterhaltsame Art und Weise. Das hat ja auch einen wahren Kern. Auf der Bühne nähern wir uns der Sache in kleineren Schritten und viele lachen dann, weil sie sich ertappt fühlen. Ein Drittel der Zuschauer hat selbst gar keine Hunde, das ist ja auch bemerkenswert.

Warum funktionieren Katzenvideos im Netz besser als Hundevideos?

rütter (lacht) Weil es viel mehr Katzenhalter gibt. Es sind circa fünf Millionen Hunde registriert, aber circa zwölf Millionen Katzen. Katzen sind tollpatschiger und auch egozentrischer.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE HENNING RASCHE.

Quelle: RP
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