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Krefeld
Kaufinteressenten für historische Rathäuser in den Stadtteilen

Krefeld: Kaufinteressenten für historische Rathäuser in den Stadtteilen
FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)
Krefeld. Aus einer Liste der Stadt geht hervor, dass es Kaufinteressenten für eine ganze Reihe historischer Gebäude im Eigentum der Stadt gibt. Die Stadt könnte damit erhebliche Kosten einsparen. Von Anette Frieling und Jens Voss

Offenbar wäre es kein Problem, die historischen Rathäuser der Stadt zu verkaufen. Es gibt Kaufinteressenten für die Gebäude in Traar, Fischeln, Hüls und Bockum. Dies geht aus einem Schreiben von Stadtdirektorin Beate Zielke hervor, das unserer Redaktion vorliegt. Auch andere Komplexe ließen sich nach Einschätzung der Stadt problemlos privatisieren: Dazu gehören das Stadtwaldhaus und der Großmarkt. Aus Sicht der Stadt bestünden auch gegen den Verkauf der Rennbahn keine Bedenken.

Das Schreiben stammt vom 28. April 2015; trotz Nothaushalts und zwischenzeitlich erfolgter Steuererhöhungen wurde kein Verkauf realisiert. Es geht bei diesen Veräußerungen nicht nur darum, schnell Erlöse zu erzielen; größer und für den Haushalt der Stadt wichtiger sind die langfristigen Einsparungen beim Unterhalt und bei Investitionen in die Gebäude. So ist Zielkes Schreiben auch mit dem Betreff "Strukturelle Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung" überschrieben. Zum Thema Unterhalt heißt es, dass die Stadt zurzeit "erhebliche Instandhaltungsbedarfe und entsprechend hohe Betriebskosten" zu tragen habe, die "bei einem Verkauf der genannten Immobilien den Haushalt künftig erheblich entlasten könnten". Ein Beispiel für eine erfolgreiche Privatisierung eines historischen Gebäudes ist das ehemalige Landratsamt am Bismarckplatz. Der schöne Komplex wurde 2003 verkauft, saniert und dient heute als Ärztehaus.

Der Verkauf der Rathäuser wäre aus Sicht der Stadt nicht mit Einschränkungen beim Bürgerservice verbunden. In dem Schreiben heißt es dazu: "Die in den Rathäusern noch vorhandenen Verwaltungsnutzungen werden möglichst zeitnah in stadteigene und anzumietenden Räumlichkeiten verlagert. Ebenso können die dort noch vorhandenen Verwaltungsnutzungen in barrierefreiem Zustand verlagert werden."

Gerade dieser Punkt würde weitere erhebliche Einsparungen bedeuten: Barrierefreiheit könne "derzeit nicht oder nur mit immensen Kosten realisiert werden", schreibt Zielke. Ein Beispiel ist das Fischelner Rathaus. Seit Jahren wird darüber debattiert, dort einen barrierefreien Zugang zu bauen - aus einem Antrag der Fischelner Bezirksvertretung vom Februar 2016 geht hervor, dass der Zugang 180.000 Euro kosten würde.

Auch über die komplette Schließung von Bezirksrathäusern ist in der Vergangenheit immer wieder gestritten worden. Die Parteien tun sich schwer damit, weil ein Verlust an Service, Bürgernähe und Prestige befürchtet wird. Zuletzt sorgte die Schließung der Bezirksverwaltungsstelle Krefeld-Linn für Aufregung. Das Gebäude, in dem die Stelle untergebracht war, ist verkauft worden. Die Verwaltungsräume sind bislang ohne Ersatz geschlossen. Die Stellvertretende Bezirksvorsteherin für Oppum/Linn, Heidrun Hillmann (CDU), hat sich daher in einem Schreiben an Oberbürgermeister Frank Meyer (SPD) gewandt und fordert einen Ersatzstandort.

Übrigens: Die Bezirksrathäuser werden zu 90 Prozent für Melde- und Passangelegenheiten aufgesucht.

Quelle: RP
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