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"Suspended Coffee" in Krefeld
Kaum einer will den geschenkten Kaffee

"Suspended Coffee": Hier kann man Kaffee spenden
"Suspended Coffee": Hier kann man Kaffee spenden FOTO: Lisa Nowag
Krefeld. Zwei Kaffee bezahlen, aber nur einen trinken – klingt unlogisch, ist aber ein Beweis von Menschlichkeit. Denn den zweiten Kaffee kann jemand trinken, dem das Geld fehlt. Die Krefelder spenden fleißig, doch zugegriffen wird nur zögerlich. Von Tobias Jochheim

Juanito Jimenez schwankt zwischen Stolz und Frustration. Stolz ist der 26-jährige Besitzer des Bistro "Juanitos" am Nordwall auf seine Gäste, die dutzendweise mehr Becher Kaffee bei ihm kaufen, als sie selbst trinken – um damit bedürftigen Mitmenschen zu helfen, die etwas Kraft und Wärme von innen gebrauchen können, aber nicht das nötige Kleingeld haben. Darum betteln müssen sollen sie gerade nicht. Eine freundliche Bitte genügt.

Bedürftige trauen sich offenbar nicht – oder kennen das Projekt gar nicht

So simpel ist die Idee des Projekts "Suspended Coffee – Aufgeschobener Kaffee". Fünf Krefelder Café-Betreiber machen mit – mehr sind es laut der offiziellen Internetseite nirgendwo in ganz Deutschland. Auch in Berlin gibt es erst fünf Teilnehmer.

Karin Mast verbreitet die Idee des "Suspended Coffee" in Krefeld. Mohamed Omairat, Inhaber des "Wiener Café", ist einer der Gastronomen, die gern mitmachen. Ihr gemeinsamer Appell: Informiert diejenigen, die profitieren sollen. FOTO: Strücken

Das Problem: Kaum jemand kommt bei Juanito vorbei, um das Angebot wahrzunehmen. "Ich bin schon losgezogen und habe Leuten Flyer zugesteckt", berichtet Jimenez. Seine Botschaft ist simpel: "Komm' vorbei, wenn dir der Magen knurrt oder du einen Kaffee vertragen könntest, aber das Geld nicht hast. Ich schmier' dir ein Brötchen, hau' dir ein Ei in die Pfanne – das muss dir echt nicht unangenehm sein!" Bislang ohne Erfolg. Und seinem Berufskollegen Ali Gedik geht es ganz ähnlich.

"Auch die Spender haben ein gutes Gefühl"

Nicht weniger 26 Kassenbons für die im Voraus bezahlten Kaffees füllen ein Bonbonglas auf der Theke seines "Café Sterntaler" in der Sternstraße. "Die Menschen, denen es etwas schlechter geht, sind oft nicht so gut informiert", mutmaßt er.

Was er sicher weiß: "Jeder, der einen Kaffee bekommen hat, hat sich tausend Mal bedankt. Und auch die Spender haben sichtlich ein gutes Gefühl dabei, mit so wenig so viel zu bewirken." Gedik wäre froh, wenn sich mehr Menschen trauen würden, von der Großzügigkeit seiner Kunden zu profitieren.

"Wer es nötig hat, sagt es oft nicht"

"Berührungsängste auf beiden Seiten" hat Mohamed Omairat in und um sein "Wiener Café" im Hansazentrum beobachtet. Oft vermittelt Kellner Holger Fischer, der in 30 Jahren Arbeit in der Gastronomie ein feines Auge und Gespür für Menschen entwickelt hat. "Wer es nötig hat, sagt es oft nicht", weiß er – und hat aus dem Augenwinkel immer die Passanten im Hansazentrum im Blick. Manchmal stürzt er hinaus und drückt jemandem einen Becher dampfenden Kaffee in die Hand oder lädt zu einer heißen Suppe ein.

"Echte Probleme löst das natürlich nicht", sagt Karin Mast, die die jahrzehntealte italienische Idee hier salonfähig machen will. "Aber diese indirekte Einladung ist eine Geste, die einen Tag erhellen kann."

Juanito Jimenez wird derweil langsam ungeduldig: "Wenn die tolle Aktion nicht endlich wirklich bei den Leuten ankommt, drücken wir ihnen Kaffee und belegte Brote halt auf der Straße in die Hand."

Quelle: RP
 
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