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Krefeld
Kein Blackout im "Macheten-Prozess"

Krefeld. Angeklagter gab an, am Morgen der Tat total verwirrt gewesen zu sein.

Im Prozess um einen Macheten-Angriff hat das Krefelder Landgericht gestern die Beweisaufnahme fortgesetzt. Die beiden Angeklagten hatten den Überfall im April vergangenen Jahres in einer Wohnung an der Lindenstraße bereits am ersten Verhandlungstag eingeräumt. Ihre Erklärungen haben auch am zweiten Prozesstag noch nicht überzeugt.

Dass der 25-Jährige aufgrund von gesundheitlichen Problemen nicht "Herr seiner Sinne" war, als er damals maskiert und bewaffnet mit seinem Freund in die Wohnung stürmte, bestätigte sich nicht. Er hatte zuvor lange geschildert, warum er kaum noch Erinnerung an den Vorfall habe. So sei er Diabetiker und die ganze Nacht unterwegs gewesen. Anderthalb Tage habe er kein Insulin gespritzt und sei an dem Morgen total verwirrt gewesen. Er habe gar nicht richtig registriert, dass ein Überfall stattfinden soll. Es sei richtig, dass der Mitangeklagte plötzlich eine weiße Tasche mit Waffen - darunter eine Machete - geöffnet habe. Als man vor der Wohnungstür stand, habe er aber einfach mitgemacht, ohne nachzudenken. Das ganze sei eher wie ein schlechter Traum gewesen. Aktiv mitgemacht habe er nicht, weder zugeschlagen, noch gedroht. "Ich stand im Raum und war erstarrt!" , sagte der 25-Jährige. Kurz vor der Tat habe er Alkohol und Drogen konsumiert.

Die Staatsanwältin hakte noch einmal genau nach, warum der Angeklagte denn trinke, wenn er wisse, dass er aufgrund seiner Erkrankung einen Blackout bekomme. Eine zufriedenstellende Antwort gab es nicht. Allerdings hatte auch die spätere Überprüfung keine hinreichenden Anhaltspunkte für eine Alkoholisierung ergeben. Ein Diabetologe erklärte, dass eine Unterzuckerung zwar nicht auszuschließen sei. Die führe aber kaum zu einer verminderten oder gar aufgehobenen Schuldfähigkeit. Auch der zweite Angeklagte hatte ein gewagtes Motiv für die Tat genannt: Man sei von einer Gruppe fremder Männer dazu gezwungen worden. Die hätten den Auftrag gegeben, auf der Luisenstraße den Drogenhandel zu unterbinden, weil sie "in Krefeld aufräumen" wollten. Drei Personen waren in der Wohnung überfallen und zum Teil verletzt worden. Die Täter hatten zuvor die Wohnungstür eingetreten und Geld sowie Drogen gefordert. Eines der Opfer ist derzeit nicht auffindbar. Möglicherweise soll dessen nach der Tat gemachte polizeiliche Vernehmung am nächsten Verhandlungstag verlesen werden.

(BL)
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