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Krefeld
Kein glücklicher Abend für "Die Glücklichen"

Krefeld. Kristine Bilkau las beim Literarischen Sommer aus ihrem Debüt-Roman "Die Glücklichen". Die Ausschnitte aus der Geschichte über das Unglück eines jungen Paares überzeugten das Publikum nicht. Von Mojo Mendiola

Der Literarische Sommer zeichnet sich immer auch dadurch aus, dass er Literaturfreunde an Orte lockt, die für Lesungen ungewöhnlich sind. Diesmal ging es ins Möbelhaus "Schulte Design" in einem 2000 unter Denkmalschutz gestellten Gebäude. Zwischen Massivholztischen und den aus Papier gefertigten, großformatigen, farbstarken und plastischen Wandbildern der Krefelder Künstlerin Christel Schulte-Hanhardt präsentierte die Autorin Kristine Bilkau ihr Werk "Die Glücklichen", das nichts mit dem Schelmenroman gleichen Titels von Peter-Paul Zahl zu tun hat. Die Zuhörer erlebten die beiden Hauptfiguren des Werks auch eher als unglückliche Leute, dabei begann der Abend vielversprechend.

Moderatorin Maren Jungclaus, die es meist versteht, Autor und Publikum mit ihren Fragen so zu "kitzeln", dass zwischen beiden ein Funke überspringen kann, hatte diesmal nicht das richtige Konzept parat. Sie wirkte einerseits etwas ziellos, nahm andererseits in manchen Fragen die Antworten schon vorweg. Und damit traf sie auf eine Autorin, die ihrerseits nicht für Live-Auftritte geschaffen schien und darüber hinaus an diesem Abend den Eindruck erweckte, dass sie ihren Stoff auch nicht wirklich gemeistert hatte.

In den gelesenen Strecken porträtierte die Autorin Isabell und Georg, ein junges Ehepaar der gehobenen Mittelschicht: Sie ist Orchestermusikerin, er Journalist. Ihr erstes Kind war gerade aus dem Säuglingsalter heraus, Isabel kehrte nach der Babypause ins Orchester zurück und Georg bemühte sich redlich, ein fürsorglicher Vater und Ehemann zu sein. An beiden jedoch nagte die Angst vor dem sozialen Abstieg, denn die von der Bankenkrise 2008 ausgehenden Schockwellen hatten das Umfeld der beiden bereits erreicht. Und es dauerte nicht lange, da verloren auch Isabell und Georg ihre Jobs.

Was folgte, waren ausführliche, in Überblendungen miteinander verwobene Schilderungen der Autorin von den Versuchen der beiden Hauptfiguren, die Situation zu verdrängen, seiner Ansätze, sich der Unvermeidlichkeit von Einschränkungen zu stellen, und der Art und Weise, wie beide unter dem wachsenden Druck miteinander umgingen. Dies blieb jedoch inhaltlich klischeehaft und sprachlich blass.

Der Vortragsstil der Autorin machte die Sache nicht spannender, und als sich im Roman alle aufgesetzte Coolness endlich in gemeinsam geweinte Tränen des Pärchens auflöste, fühlte sich auch das Publikum erlöst. Überzeugt schien es nicht zu sein.

Programm: Die letzte Krefeld-Veranstaltung des Literarischen Sommers bestreitet der Schauspieler Ronny Tomiska. Am 30. Juli liest er im Niederrheinischen Literaturhaus aus "Das Büro" von J.J. Voskuil. Dieser Abend ist ausverkauft. Michael Kleeberg liest aus "Vaterjahre" am 28. Juli in Neuss und am 29. Juli in Mönchengladbach. Info: www.literarischer-sommer.eu

Quelle: RP
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