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Krefeld
Keksfabrik Gruyters: Betriebsrat von Antrag auf Insolvenz überrascht

Krefeld. Marius Niering von der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten beklagt einen Investitionsstau bei den Produktionsanlagen an der Tannenstraße. Von Norbert Stirken

Die Finanzprobleme der Gruyters Keksfabrik an der Tannenstraße kamen für die Branche überraschend. Der Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens habe auch den Betriebsrat der Wilhelm Gruyters GmbH völlig unvorbereitet getroffen, erklärte Marius Niering von der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) auf Anfrage unserer Redaktion. Er selbst habe sich noch kein Bild von den möglichen Ursachen für die Krise machen können, sagte er. Bis Mai läuft die Überbrückungsphase mit der Zahlung von Insolvenzgeld an die 65 Beschäftigten. Bis dahin will auch der vorläufige Insolvenzverwalter Claus-Peter Kruth von der Düsseldorfer Kanzlei Andres und Partner die wirtschaftliche Ausgangslage des Unternehmens analysieren.

Der Gewerkschafter stellt den vor einem Jahr ins Unternehmen eingestiegenen neuen Gesellschaftern Peter Rinsch und Karl-Heinz Maneke insofern ein gutes Zeugnis aus, als sie Ende des vergangenen Jahres bereit gewesen seien, einen Haustarifvertrag für die Beschäftigten abzuschließen. Das Unternehmen habe einen großen Kundenstamm und eine eingespielte, erfahrene Belegschaft. Allerdings habe sich nach seinem Eindruck ein Investitionsstau aufgebaut. In Heizung und Maschinen müsste kräftig investiert werden, meinte Niering.

Dass Gruyters Qualität produziere, in der Branche sehr bekannt sei und über einen "sehr, sehr guten Namen" verfüge, attestiert auch Jens Wolrab, Gesellschafter der Foodeko GmbH mit Sitz in Viersen. Wolrab hat als Vertriebsspezialist viele Jahre für Gruyters gearbeitet und sich um die Hamburger Marke Kemm'sche Kuchen gekümmert. In der Hochzeit wurden vor rund 25 Jahren bis zu zwei Millionen Packungen des traditionsreichen Gebäcks verkauft. Gruyters habe die Marke bei 850.000 verkauften Einheiten übernommen. Danach sei der Umsatz weiter eingebrochen, berichtete Wolrab im Gespräch mit unserer Redaktion. Am 1. Oktober 2015 hat die Georg Parlasca Keksfabrik das Geschäft von Gruyters übernommen. Parlasca aus der Nähe von Hannover hatte das Gebäck im Auftrag von Gruyters produziert. Der exklusive Vertriebspartner ist die Foodeko GmbH. "Wir haben die Markenrechte gekauft", sagte Wolrab. Eigene Produktionsstätten oder Immobilien existierten nicht. Zum Kaufpreis wolle er keine Angaben machen. Der sei allerdings nicht in einer Höhe, der den Betrieb am Standort Krefeld hätte länger erhalten können. Auch Wolrab sprach von einem veralteten Maschinenpark an der Tannenstraße.

Inwieweit auch die Bauordnung ein Problem beim Versuch werden könne, die Keksfabrik zu erhalten und zu modernisieren, wisse er nicht. Bei Änderungen oder Umbauten könnte der Bestandschutz entfallen - schwierig bei einem Standort im Wohngebiet.

Quelle: RP
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