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Krefeld
Keksfabrik Wilhelm Gruyters in allerletzter Sekunde gerettet

Krefeld: Keksfabrik Wilhelm Gruyters in allerletzter Sekunde gerettet
Die Eigentümer der Wilhelm Gruyters GmbH, Karl-Heinz Maneke (links) und Peter Rinsch, hätten eingelenkt, erklärt die Gewerkschaft. FOTO: WGG
Krefeld. Der Betriebsrat hat den Sozialplan doch noch unterschrieben. Die Gesellschafter haben nach Auskunft der Gewerkschaft insofern eingelenkt, dass sie mittelfristig einen neuen Betriebsleiter installieren wollen. Von Norbert Stirken

Alle Bemühungen, die traditionsreiche Krefelder Keksfabrik Wilhelm Gruyters GmbH vor der Insolvenz zu bewahren, schienen gescheitert. Betriebsrat und Gesellschafter kamen auf keinen gemeinsamen Nenner. Der Insolvenzverwalter Claus-Peter Kruth verkündete offiziell die bevorstehende Schließung des Betriebs an der Tannenstraße. Gestern nun die überraschende Kehrtwende. Marius Niering von der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten bestätigte im Gespräch mit unserer Redaktion, dass sich Betriebsrat und Gesellschafter doch noch geeinigt hätten. Der Interessenausgleich sei bereits unterzeichnet. Vier Arbeitnehmer verlieren demnach ihren Arbeitsplatz, 35 Stellen seien jedoch gesichert.

Als letztes Fragezeichen zur Zukunft des Familienunternehmens stehe der Ausgang der in diesem Monat stattfindenden Gläubigerversammlung. "Ich habe großes Vertrauen in Rechtsanwalt Kruth, dass er schon im Vorfeld eine Einigung hat herbeiführen können und wir keine Überraschung mehr erleben", sagte Niering.

Den Weg für eine Einigung über den Interessenausgleich sollen die Gesellschafter Karl-Heinz Manke und Peter Rinsch mit ihrem Umdenken geebnet haben. Mehr als 90 Prozent der Belegschaft hatte sich in geheimer Abstimmung gegen eine Weiterbeschäftigung unter der alten Betriebsleitung ausgesprochen. Aus Arbeitnehmerkreisen war zu hören, dass die Betriebsleitung für "atmosphärische und unternehmerische Mängel" die Verantwortung trage.

Es sei der Belegschaft deshalb unmöglich, unter einer solchen Geschäftsführung einen Neuanfang zu versuchen. Nunmehr seien die Eigentümer bereit, die Leitungsposition mittelfristig neu zu besetzen. "Das war der Durchbruch", erklärte Niering. Betriebswirtschaftlich hatte Insolvenzverwalter Kruth von der Düsseldorfer Kanzlei Anders und Partner das Terrain bereitet. Er konnte einen Kooperationspartner für den Vertrieb des einzelverpackten Gebäcks für Cafés, Kantinen, Krankenhäuser und Altenheime gewinnen.

Nach Informationen unserer Zeitung handelt es sich um ein nordrhein-westfälisches Familienunternehmen aus der Lebensmittelbranche, das von der Marke Gruyters überzeugt ist. Dieser Kooperationspartner soll nicht nur dabei behilflich sein, die Produkte aus Krefeld in den Markt zu bringen und den Kundenstamm zu vergrößern, sondern sogar als Exklusivkunde auftreten. Das heißt, dieser Partner kauft die Gruyters-Waren, um sie gewinnbringend weiter zu veräußern.

Ob dieses Unternehmen in der Zukunft bereit sein könnte, auch als Investor aufzutreten, ist derzeit nicht bekannt. Im Unternehmen an der Tannenstraße hat sich seit Jahren ein Investitionsstau aufgebaut. Immobilien und Maschinen müssten gleichermaßen modernisiert werden.

Gruyters musste auch in der Vergangenheit so manche Klippe umschiffen. Die Tochter Freudenberg Dauerbackwarenherstellung- und Vertriebs GmbH, Großröhrsdorf, hatte Insolvenz anmelden, die Beschäftigten auch in Krefeld einige Jahre aufs Weihnachtsgeld verzichten müssen.

Ein besonderes Juwel im Firmenverband war die Marke Kemm mit ihrer hanseatischen Spezialität "Echte Kemm'sche Kuchen", die seit dem Jahr 1782 produziert werden. Der Kemm Vertrieb von Dauerbackwaren und Süßwaren GmbH war seit 1994 eine 100-prozentige Tochter von Gruyters. Am 1. Oktober 2015 hat die Georg Parlasca Keksfabrik das Geschäft von Gruyters übernommen.

Quelle: RP
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