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Kr Wie Krefeld
Kerstin Radomski und der Kauf einer Luxustasche

Krefeld. Die Mini-Affäre könnte für die CDU-Bundestagsabgeordnete gefährlich werden. Klug hat sie sich nicht angestellt.

Darf ein Bundestagsabgeordneter eine Laptop-Tasche für 532 Euro aus der Büropauschale bezahlen? Rechtlich ja - politisch nein. Kerstin Radomski hätte das wissen können.

Dem Vernehmen nach ist es auf den Fluren des Bundestages sehr wohl ein Thema, dass der Kauf von Luxusartikeln aus Mitteln fürs Büro riskant ist. Die "Bild" hatte schon vor sechs Jahren den Kauf von teuren Montblanc-Füllern von Bundestagsabgeordneten als Skandal angeprangert und treibt das Thema bis heute, indem sie die Namen derer wissen will, die sich damals an einer Massenbestellung beteiligt hatten. Radomski war also gewarnt.

Dass sie dennoch eine Luxustasche gekauft hat, zeigt, wie sicher sie sich gefühlt haben muss. Was zu der Frage führt, wer die Geschichte lanciert hat. Nach Lage der Dinge muss es ein ehemaliger Mitarbeiter gewesen sein. Die Abrechnung eines solchen Kaufs erledigt entweder der Abgeordnete selbst, indem er die Quittung einreicht, oder eben ein Mitarbeiter. Radomski hat sich von einigen Mitarbeitern getrennt; sie gilt als nicht ganz einfache Chefin, und so liegt es nahe, dass sich jemand rächen wollte.

Vielleicht ging ja bei Radomski auch schlicht gar keine rote Lampe an, vielleicht empfand sie es als normal, sich eine solche Tasche zu leisten, und wurde überrascht von der heftigen Reaktion. Das wiederum hat auch etwas mit politischem Instinkt zu tun. Den Mangel daran bestraft irgendwann das Leben. So ist das eben in der Politik, und zwar zu Recht. Wer sich allzu fahrlässig angreifbar macht, ist in Berlin vielleicht fehl am Platz. Radomski hat immerhin als Haushaltspolitikerin, die in jeder Rede Sparsamkeit im Umgang mit Steuergeld anmahnt, gegen die finanzpolitische Etikette verstoßen. RTL hat das ohne Gnade ausgeschlachtet und in dem Bericht über Radomski genüsslich entsprechende Redeauszüge von ihr gezeigt. Im Extremfall kann die Mini-Affäre das Aus für Radomskis bundespolitische Karriere bedeuten. Noch ist ihre Nominierung für die Bundestagswahl 2017 nicht sicher. Das wäre ein hoher Preis dafür, dass sie diese Tasche nicht selbst bezahlen wollte. Jens Voss

Quelle: RP
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