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Krefeld
Kesselhaus: Wagener droht mit Konsequenzen

Krefeld: Kesselhaus: Wagener droht mit Konsequenzen
Gerald Wagener beobachtet erstaunt das Engagement städtischer Mitarbeiter beim Architekturwettbewerb seines "Konkurrenten". FOTO: Marc Mocnik
Krefeld. Der Krefelder Geschäftsmann Gerald Wagener kritisierte die Rolle des Planungsdezernenten Martin Linne als Jury-Mitglied eines Architekturwettbewerbs für den Umbau des Kesselhauses von Wolf-Reinhard Leendertz als Veranstaltungshalle. Wagener sieht darin einen Verstoß gegen Rechtsvorschriften. Die FDP warf dem Beigeordneten Befangenheit vor. Oberbürgermeister Frank Meyer schweigt trotz Anfrage zum Thema. Von Norbert Stirken

Wolf Reinhard Leendertz, Eigentümer des Mies-van-der-Rohe-Business-Parks an der Girmesgath, stellt morgen ab 19 Uhr die Ergebnisse eines Architektenwettbewerbs zu Umbau des Kesselhauses in eine Veranstaltungsstätte vor. Der Abend wird von Joachim Nießen (RP) und Michael Passon (WZ) moderiert.

Gestern meldete sich Gerald Wagener, der auf dem Theaterplatz in der Innenstadt ein Hotel mit Kongresszentrum bauen möchte und damit in Konkurrenz zum Kesselhaus-Vorhaben tritt, zu Wort. Er kritisierte die Rolle des Planungsdezernenten Martin Linne, dem er eine Voreingenommenheit unterstellt.

Mit Sorge registriere die Investorengruppe um den Krefelder Unternehmer Gerald Wagener Meldungen, wonach etliche städtische Mitarbeiter beziehungsweise Mitarbeiter städtischer Unternehmen aktiv in die Arbeit um ein mögliches Kongresszentrum im so genannten Mies-van-der-Rohe-Business-Park eingebunden gewesen seien, hieß es gestern in einer schriftlichen Erklärung einer Arbeitsgemeinschaft Seidenweberhaus (Arge SWH). Zu dieser Gruppe hätten unter anderem Planungsdezernent Martin Linne, sowie Paul Keusch, Geschäftsführer der Seidenweberhaus GmbH, gehört, heißt es weiter. Neben ihm selbst bestehe die Investorengruppe aus einem englischen, auf Hotelimmobilien spezialisiertem Investmentfond, sowie dem Tochterunternehmen einer deutschen Regionalbank, informierte Wagener. Die Gruppe habe ihr Interesse bekundet, an Stelle des jetzigen Seidenweberhauses ein architektonisch anspruchsvolles Hotel- und Kongresszentrum zu errichten. Der Wettbewerber vom Mies-van-der-Rohe-Business-Park schlage dagegen vor, eine ehemalige Industrieimmobilie am Stadtrand zu einer Eventhalle umzubauen, um so den Bedarf der Stadt Krefeld nach einer Veranstaltungsstätte zu decken.

Wagener erklärte: "Nach allen Rechtsgrundsätzen, aber auch aus Gründen einer Geschäftshygiene, unterliegt die Verwaltung einer Stadt einer so genannten ,besonderen Neutralitätspflicht'. Wenn sich jetzt etliche städtische Mitarbeiter aktiv von unserem Wettbewerber in sein Projekt einbinden lassen, befürchten wir, das dem Rat keine objektive Vorlage mehr gemacht werden wird, zumal es sich bei den handelnden Personen um Entscheidungsträger für eben diese Ratsvorlage handelt. Dies hat nicht nur einen Beigeschmack für die Reputation der Stadt Krefeld, es ist nach unserer Rechtsauffassung auch ein klarer Verstoß gegen Rechtsvorschriften mit weitreichenden, möglichen Konsequenzen. Wir werden uns mit unseren anwaltlichen Beratern abstimmen, welche Konsequenzen wir ziehen, aber vorher den Dialog mit der Stadtverwaltung suchen."

Oberbürgermeister Frank Meyer gab gestern trotz Anfrage unserer Redaktion keine Stellungnahme zur Auffassung der FDP ab, dass sein Planungschef befangen sein könnte. Stattdessen erklärte Linne, dass "eine Beteiligung von Verwaltung und Politik an einem Wettbewerbsverfahren ein völlig normaler Vorgang ist, ohne dass hierdurch ein Präjudiz ,pro' oder ,contra' entsteht". Die Durchführung eines Wettbewerbsverfahrens zur Entwicklung des Kesselhauses sei vorbildlich. Bei diesen vom Eigentümer ausgelobten Wettbewerb gehe es um die Architektur und Funktionalität eines historischen Gebäudes - und selbstverständlich mache es Sinn, auch die Belange des Denkmalschutzes bei der Planung zu berücksichtigen, ebenso wie die städtebaulichen Aspekte, bei denen wiederum Stadtplanung und Politik gefragt seien. Wegen der aktiven Einbeziehung von Verwaltung und Fraktionen eine vorzeitige Festlegung zu unterstellen, sei abwegig und zeuge - trotz langjähriger Mitgliedschaft der FDP im Planungsausschuss - von mangelhafter Kenntnis solcher Planungsverfahren. Ein privater Wettbewerb greife so natürlich nicht einer Entscheidung voraus, und er bedeute auch nicht, dass dieses Konzept realisiert werde. Die Entscheidung zum weiteren Vorgehen und der Standortwahl treffe im Übrigen der Stadtrat, betonte Linne.

Quelle: RP
 
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