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Krefeld
Kirche – jenseits von Schlazeilen

Krefeld. Kirche ist seit Wochen in den Schlagzeilen: Diffuse Proteste gegen Entfernung von Kreuzen aus Gerichten. Bischof macht sexuelle Revolution für klerikalen Kindesmissbrauch verantwortlich. Ratsvorsitzende der EKD bei Trunkenheitsfahrt gestoppt und zurückgetreten. Nachrichten dieser Art tun weh. Das mag die Menschen, die hier in unserer Stadt jeden Sonntag an den Gottesdiensten teilnehmen, zwar nicht direkt betreffen, aber es trifft uns eben doch. Denn nach Meinung der mittlerweile kirchenfernen Mehrheit gibt es keinen Unterschied mehr zwischen einzelnen Amtsträgern oder Konfessionen; für sie hat "das Christentum" als Ganzes abgewirtschaftet.

Gerade angesichts dieser Entwicklung ist Fastenzeit angesagt. Aber nicht einfach, damit die Kirche – im übertragenen Sinne des Wortes – eine äußerliche Ideal-Figur wieder bekommt (die sie wahrscheinlich nie hatte). Das Leben von Jesus Christus zeigt uns etwas anderes: Eine viel tiefere, innere Umkehr ist notwendig. Die Wochen vor Ostern bieten Gelegenheit zu echter Besinnung gegen allgemeine Besinnungslosigkeit. Nicht um sich selber kreisen, sondern die Wirklichkeit Gottes wahrnehmen.

Wichtig ist nicht, dass ein Kreuz in irgendwelchen Sälen angebracht ist. Es muss in unseren Seelen befestigt sein. Sehnsucht nach Ostern ist nicht einfach irgendein beruhigend nettes, vorüber gehendes Gefühl. Unser gesamtes Bewusstsein soll von der Liebe Gottes erfüllt werden. Genau das führt uns dann weit über den engen persönlichen Horizont hinaus und verleiht unserem Leben eine Art heilige Unberechenbarkeit. So wird Kirche neu – jenseits von Schlagzeilen.

Cornelius Schmidt, Pfarrer der Alt-Katholischen Kirchengemeinde Erscheinung Christi, Dreikönigenstraße.

Quelle: RP
 
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