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Krefeld
Kirchenmusiker Kremers entdeckt Krefelds älteste Komposition

Krefeld: Kirchenmusiker Kremers entdeckt Krefelds älteste Komposition
Im Klavierbuch des Hülser Henricus Jacobus Rosen ist die 1748 entstandene Komposition veröffentlicht. Herausgeber war der bekannte Krefelder Helmut Mönkemeyer, der Generationen von Blockflötenschülern beeinflusst hatte. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Der Hülser Henricus Jacobus Rosen hat im Jahr 1748 ein Stück komponiert, das in seinem Klavierbuch im Hermann Moeck Verlag in Celle veröffentlicht wurde. Klaus Norbert Kremers entdeckte es per Zufall. Von Norbert Stirken

Krefelds älteste Komposition ist weit früher entstanden als bekannt. Bislang erhielt Johann Nikolaus Wolff den Superlativ für Krefelder Musikschaffende für sein im Jahr 1809 entstandenes Werk "Thema und 15 Variationen für Klavier". Tatsächlich brachte aber Henricus Jacobus Rosen aus Hüls mehr als 60 Jahre zuvor ein Klavierbuch mit eigenen Kompositionen heraus. "Gut zwei Generationen früher", erklärte der Fischelner Kirchenmusiker Klaus Norbert Kremers mit Wohnsitz Uerdingen.

Er sammelt Autographen. Das sind eigenhändige Niederschriften einer meist berühmten Persönlichkeit oder eines Komponisten. Im Falle Kremers' sind es die Komponisten, sprich Kompositionen, die sein Interesse hervorrufen. "Autographen sind noch viel seltener als Erstausgaben." Auf Rosen sei er vor einigen Jahren per Zufall gestoßen und habe die im Hermann Moeck Verlag in Celle veröffentlichte Komposition aus dem Jahr 1748 fotokopiert.

Klaus Norbert Kremers sammelt Autographen. FOTO: Thomas Lammertz

Herausgegeben - und das ist ebenfalls bemerkenswert - hat dieses Heft Helmut Mönkemeyer, der in Krefeld vor dem Zweiten Weltkrieg eine Musikschule gegründet hat und unter Blockflötenschülern noch heute bundesweit bekannt ist. "Es sind mindestens eine Million Jungen und Mädchen, die nach Mönkemeyers Anleitungsheftchen das Spielen des Instruments gelernt haben", berichtet Kremers, der zur Beerdigung des Pädagogen 1992 selbst die Orgel gespielt hat. Mönkemeyer ruht auf dem Friedhof in Elfrath.

Zurück zu Rosen: Der Hülser hieß eigentlich Heinrich-Jakob Rosen. Ganz nach dem Geschmack der Zeit latinisierte er seinen Namen bei feierlichen Anlässen - wie der Herausgabe seiner Klavierbücher - und nannte sich fortan Henricus Jacobus Rosen.

"Bei aller Wertschätzung ist Wolff sicherlich der bedeutendere Komponist", urteilt Kremers. Er wisse schon sehr lange von ihm. Wolff war ein Enkelschüler Johann Sebastian Bachs. Das bedeutet, er nahm Unterricht bei einem Schüler Bachs. In Wolffs Fall war das Johann Heinrich Kittel. "Er hat die Bachtradition in Rheinland gebracht", informierte Kremers. Wolff zeigte früh Talent, immatrikulierte sich 1791 an der Uni Göttingen und wirkte nach dem Studium vier Jahre als Musiklehrer in Frankreich. 1802 folgte Wolff einem Ruf nach Krefeld als Leiter der dortigen Konzerte.

Ein öffentliches Musikleben im heutigen Sinne gab es damals freilich noch nicht. Aber die Keimzelle dessen, was mal groß werden sollte, nämlich der "Krefelder Singverein", existierte schon, und Wolff übernahm dessen Leitung. 1809 gründete er dazu den "Instrumentalverein Concordia" und schuf so die Möglichkeit, hinfort große Chorwerke in der Seidenstadt aufzuführen. Dabei erreichte er mit seinen Ensembles ein beachtliches Niveau. Wolff war aber ein ausgezeichneter Musikpädagoge und Dirigent, der auch als Organist in der Mennonitenkirche wirkte.

Kremers selbst ist Steuerberater und Kirchenmusiker. Mit Norbert Jachtmann zusammen habe er Glockenwissenschaften studiert. Jachtmann ist heute auf dem Gebiet der Experte des Bistums und darüber hinaus. Kremers verdient sein Geld bei den Stadtwerken. In der Freizeit komponiert er im "Barock-Stil". Es gebe eine Vielzahl von Komponisten in und Kompositionen aus Krefeld, sagt er. Ob die von Henricus Jacobus Rosen tatsächlich die älteste ist, würde er gerne wissen. Bislang sei noch keine ältere aufgetaucht.

Quelle: RP
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