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Krefeld
Klaers Ziel: Die SPD stärker machen

Krefeld: Klaers Ziel: Die SPD stärker machen
Ralph-Harry Klaer bei seiner Vorstellungsrede; rechts unten zu sehen Frank Meyer, der den Parteivorsitz abgibt, obwohl es rechtlich möglich ist, beide Ämter innezuhaben. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Die Sozialdemokraten wählten gestern Ralph-Harry Klaer zum neuen Vorsitzenden der Partei. Von Jens Voss

Der neue Vorsitzende der Krefelder SPD, Ralph-Harry Klaer, sieht die historische Chance für seine Partei, die CDU in den kommenden Jahren nicht nur hauchdünn wie bei der jüngsten Kommunalwahl, sondern deutlich als stärkste politische Kraft in der Stadt abzulösen. Es gelte, die Menschen mit einem SPD-Oberbürgermeister Frank Meyer an der Spitze des Rathauses davon zu überzeugen, "dass es besser wird, wenn unsere Partei stärker wird", sagte er gestern Abend bei einem außerordentlichen Parteitag vor 106 Delegierten. Eröffnet wurde die Versammlung mit einer Schweigeminute für die Opfer der Terroranschläge von Paris.

Am Ende entfielen auf Klaer 98 Ja-Stimmen, sieben Nein-Stimmen und eine Enthaltung. Damit bekam er als einziger Kandidat gut 92 Prozent der Stimmen - ein sehr gutes, aber kein Traumergebnis. Zuvor war er (wie berichtet) vom Unterbezirksvorstand einstimmig nominiert worden.

Klaer stellte sich gestern demonstrativ vor das Rednerpult, als er sich - frei redend und dann auch frei stehend - vorstellte: Er sei 57 Jahre alt, Chemie-Ingenieur, verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern - "und ich bin eigentlich ganz froh, dass das alles so ist". In die SPD sei er 1990 eingetreten, weil ihm das Erstarken der rechtspopulistischen Republikaner Sorgen bereitet hätte. Zu den zentralen politischen Werten der SPD zählte Klaer Solidarität - später sollte er ein flammendes Plädoyer dafür halten, die Flüchtlinge "mit offenen Armen zu empfangen".

Die Partei finde er in einem "superguten Zustand" vor, sagte er; zugleich sieht er die SPD "auf dem Weg in eine andere Zeit": Habe man 20 Jahre lang gegen den jeweiligen CDU-Oberbürgermeister und seine Verwaltung gekämpft, habe man jetzt die Kraft zur Gestaltung und trage Verantwortung. Das Ziel der Haushaltskonsolidierung sei kein Selbstzweck, betonte er; Ziel ist es aus seiner Sicht, sozialdemokratische Herzensanliegen voranzubringen. Seine relativ kurze Bewerbungsrede schloss er mit einem Zitat aus dem Arbeiterlied "Wenn wir schreiten Seit an Seit": "Mit uns zieht die neue Zeit".

Der Parteitag war auch der Abschied von Frank Meyer als Parteivorsitzendem. Er gibt das Amt ab, weil man, wie er sagte, als Oberbürgermeister "von morgens bis abends mit ganzer Kraft gefordert ist" und dann nicht angemessen der Partei dienen könne. Meyer warf einen betont gefühlvollen Blick zurück auf die vergangenen zwei Jahre, sprach von Wehmut und davon, dass der Gang zum Parteitag "wie nach Hause kommen" sei. Als Bilanz nach vier Wochen im Amt formulierte er vier Ziele: Die Verwaltung brauche "klare Ziele für Krefeld", ernsthafte, konsequente Führung, Vertrauen in die Kompetenz der Mitarbeiter und ein gutes Betriebsklima. "Es ist nett, wichtig zu sein, aber wichtiger ist es, nett zu sein", sagte Meyer, darin den Tennisspieler Roger Federer zitierend.

Wie Klaer hielt auch Meyer ein gefühlvolles Plädoyer für eine Willkommenskultur den Flüchtlingen gegenüber. Er kündigte an, im Rat die Trennbänder zwischen Publikum und Rat wieder zu beseitigen; mit ihm werde es keine Barrieren zwischen Bürgern und Rat geben. Die Bänder waren eingeführt worden, nachdem es mehrfach zu tumultartigen Protesten im Rat gekommen war. Meyer will weiterhin die Stelle des neuen Leiters des Museums Burg Linn im Konsens mit der Politik und den Förderern des Museums treffen. Zudem gab er bekannt, dass die Initiative zur Wiedereröffnung der Uerdinger Bücherei für ihre Montagslesungen bei schlechtem Wetter die Bücherei nutzen dürfe - dies wollte er als Zeichen verstanden wissen, dass "Engagement in Krefeld belohnt und nicht bekämpft wird".

Meyer schwor seine Partei auch darauf ein, dass Rat und Verwaltung weiter einen harten Sparkurs fahren müssten: "Das wird kein Selbstläufer", vor dem Rat stehe "harte, harte Arbeit der Konsolidierung". Meyer gab das Ziel aus: "Nie wieder Nothaushalt in Krefeld."

Quelle: RP
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