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Krefeld
Kleider aus dem Koffer - aus dem Jahr 1896

Krefeld: Kleider aus dem Koffer - aus dem Jahr 1896
Dagmar Zander und Museumsleiterin Anette Schieck (rechts) präsentieren ein frisch restauriertes Gesellschaftskleid. Dagmar Zanders Uroma hat es um 1880 getragen. FOTO: T. L.
Krefeld. Die Krefelderin Dagmar Zander hat dem Deutschen Textilmuseum zwei Kleider aus dem späten 19. Jahrhundert vermacht. Sie gehörten einst ihren Großmüttern und haben die Zeit in einem Schließkoffer oder als Karnevalskostüm überstanden. Von Christine van Delden

Zwei Seidenkleider im Textilmuseum erzählen eine besondere Geschichte. Sie wurden von der Krefelderin Dagmar Zander (77) und ihrer Familie vor einigen Jahren dem Textilmuseum am Andreasmarkt gestiftet. Im Rahmen der derzeitigen Ausstellung "Seide - Textile Pracht aus 2000 Jahren" werden sie erstmals präsentiert. Es handelt sich um zwei Seidenkleider, die die beiden Urgroßmütter von Dagmar Zander getragen haben: "Sie überstanden die Zeit dank der Sammelleidenschaft meiner Großmutter Gertrud Pritzkow, geborene Gronefeld, in einem großen Schließkoffer."

Bei einem schwarzgrau gestreiften Ensemble aus Überkleid und Rock handelt es sich um ein Halbtrauergewand, das die Urgroßmutter väterlicherseits, Louise Pritzkow, geb. Baatz (1845-1922), um 1896 getragen hat. Im ersten Jahr ihrer Trauer trugen die Damen im 19. Jahrhundert üblicherweise durchgängig schwarze Kleidung aus Wolle oder Leinen. Erst im zweiten Trauerjahr war die Verwendung von Seide erlaubt, in Schwarz, Dunkelbraun oder Grau.

Das braune zweiteilige Gesellschaftskleid, das die Urgroßmutter mütterlicherseits, Johanna Gronefeld, geb. Schulze (1854-1903), getragen hat, wurde anders als das Halbtrauerkleid wohl von Hand gefertigt, vermutet Dagmar Zander. Es wurde von ihrer Urgroßmutter in deren Brautzeit getragen, weiß sie zu berichten. Ob es auch als Brautkleid getragen wurde, ist nicht überliefert. Jedenfalls verweisen die dekorative Ausschmückung der sogenannten Kürassiertaille sowie die aufwendigen Smok-Arbeiten, die die Stofffülle des Rockes zusammenraffen, auf die Verwendung für besondere Anlässe.

Bevor die beiden Kleider in der Ausstellung gezeigt werden konnten, wurden sie - dank der Unterstützung durch die Sparkassen-Kulturstiftung - restauriert. Insbesondere das braune Gesellschaftskleid, das etwa 1880 entstanden ist, hatte die liebevolle Betreuung durch die Restauratoren sehr nötig, denn "wir haben als Kinder nach dem Krieg mit den Kleidern wunderschön gespielt - wir hatten ja nichts anderes", erzählt Dagmar Zander. Gerade das braune Kleid war ein begehrtes Spielobjekt, was die Stifterin anhand mitgebrachter Fotos belegt: "Mit dem schwarzen Kleid haben wir nicht so gerne gespielt, das war uns zu dunkel".

Nicht nur die Kinder spielten damit, das Kleid musste auch als Kostüm bei fröhlichen Karnevalsfesten herhalten. "Mir wird ganz heiß, wenn ich diese Fotos sehe", schmunzelt Annette Schieck, Leiterin des Textilmuseums. "Nicht nur der unbefangene Umgang der spielenden Kinder hat dem Kleid ordentlich zugesetzt; es wurde zudem mehrfach umgearbeitet, was sich an Fadenresten und Nahtspuren ablesen lässt".

Bis zum 28. August sind die beiden Kleider in Rahmen der laufenden "Seiden"-Ausstellung in Linn zu sehen.

Deutsches Textilmuseum, Andreasmarkt 8, in Linn. Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr. Montags geschlossen.

Quelle: RP
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