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Krefeld
Kleingärten - grüne Lungen in der Stadt

Krefeld: Kleingärten - grüne Lungen in der Stadt
Toni Föhles (r.) ist seit drei Jahren Kleingärtner im Gartenbauverein Bockum 1920 und hat gleich drei Hochbeete angelegt, "damit ich mich nicht mehr so oft bücken muss". Links neben ihm Wolf-Dieter Hohnrath-Vitzer. Im Hintergrund die Laubenterrasse und der Fischteich. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Krefeld hat 4200 Kleingärten in 57 Vereinen. Toni Föhles, neuer Vorsitzender des Stadtverbands der Kleingärtner, erklärt mit seinem Vorstandskollegen Wolf-Dieter Hohnrath-Vitzer die Bedeutung des Kleingartenwesens auch als soziale Einrichtung. Von Jochen Lenzen

Mit 57 Gartenbauvereinen verfügt Krefeld über eine rekordverdächtige Anzahl von mehr als 4200 Kleingartenparzellen, deren Bedeutung kaum hoch genug einzuschätzen ist: Als grüne Lungen tragen sie entscheidend zu einem besseren Stadtklima bei und bieten Bienen und anderen Insekten überreichlich Nahrung, die das durch Bestäuben lohnen. "Das Kleingartenwesen ist aber auch eine wichtige soziale Einrichtung, die vielen Pächtern Ersatz für den Urlaub bietet und ihnen das Erlebnis von Gemeinschaft ermöglicht", sagen Toni Föhles und Wolf-Dieter Honrath-Vitzer. Ersterer ist Vorsitzender des Gartenbauvereins (GBV) Bockum 1920 und seit Anfang des Jahres Vorsitzender des Stadtverbands der Kleingärtner. Damit ist der 66-jährige Rentner Nachfolger von Dieter Lundström, der nach 27 Jahren intensiven Engagements aus Altersgründen von diesem Amt zurückgetreten war.

Die Selbstversorgung mit Gemüse und Obst in den Notzeiten nach dem Ersten Weltkrieg war die Ur-Idee der Kleingärten. "Die heutigen Pächter möchten sich in ihren Gärten vor allem erholen und nach ihrem Tagewerk nicht noch schwere Gartenarbeit leisten", sagt Toni Föhles, gelernter Metzger und zuletzt im Ordnungsamt der Stadt beschäftigt. "In den 80er Jahren musste man noch 50 Prozent der Parzelle mit Nutzpflanzen bestücken; heute liegt der Pflichtanteil bei 15 Prozent", ergänzt Honrath-Vitzer, Beisitzer im Vorstand des Stadtverbands und seit 30 Jahren Pächter eines Kleingartens im GBV Dahlerdyk.

Angebaut und geerntet werden vorwiegend heimische Gemüse, aber auch Paprika und Zucchini sowie Beeren und Obst von den Bäumen, die übrigens nicht höher als 2,50 Meter werden dürfen. In einigen Gärten gedeihen auch Weintrauben. "Tomaten müssen wir schon seit einigen Jahren in Gewächshäusern halten, weil ihre Resistenzfähigkeit deutlich nachgelassen hat, und sie draußen durch Krankheiten verkümmern würden", sagt Föhles aus eigener Erfahrung. Exoten wie Zitronen- oder auch Orangenbäumchen gedeihen in einigen Gärten in Töpfen und müssen im Winter in beheizbaren Gewächshäusern bei Erwerbsgärtnern untergestellt werden.

Jedenfalls ist die Freude an der Gartenarbeit Voraussetzung für die Nutzung eines Kleingartens. Dabei dürfen Strauch- und Baumschnitt, Pflege der Zier- und Nutzpflanzen, Rasenmähen und Unkrautjäten nicht unterschätzt werden: "Jeder Pächter sollte täglich wenigstens zwei Stunden in seinem Garten arbeiten; dann ist er in Ordnung", sagt Honrath-Vitzer. Freude an der Geselligkeit vermitteln die Vereinsfeste und die Gemeinschaftsarbeit bei der Pflege des allgemeinen Grüns und der Wege, zu der jeder Pächter für zwei bis acht Stunden im Jahr herangezogen wird. Wer sich um die Gemeinschaftsarbeit drückt, muss pro Stunde ein Strafentgelt zahlen.

Jeder kann einen Kleingarten pachten - von jungen Familien mit Kindern, die dort spielen, bis zum Senior. "Freie Parzellen gibt es fast immer", sagt Honrath-Vitzer. 24 Cent pro Quadratmeter beträgt die jährliche, von der Stadt festgelegte Pacht eines Kleingartens in Größen zwischen 300 und 500 Quadratmetern. Hinzu kommt der jährliche Vereinsbeitrag, der im zweistelligen Bereich liegt. Bei Übernahme eines Kleingartens wird ein Wertgutachten erstellt, dessen errechnete Summe der neue Gartenfreund dem Vorpächter erstattet. Bei dem großen, bestens gepflegten Garten von Toni Föhles würde der Betrag - inklusive Laube, Hochbeeten und Fischteich - zwischen 3500 und 4000 Euro liegen.

In den vergangenen Jahren haben sich mehr und mehr Mitbürger mit ausländischen Wurzeln für die Pacht eines Kleingartens entschieden. "Sie finden heute eher drei Interessenten mit Migrationshintergrund als einen deutschen", beschreibt er den Trend.

Anfänger brauchen sich übrigens nicht zu sorgen: In den Vereinen gibt es Fachwarte, die über Strauch- und Baumschnitte Bescheid wissen und über die Bodenbearbeitung und -verbesserung beraten können.

Quelle: RP
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